Mit den Kunstmessen Astoria Artshow und Parallel Vienna regiert in Wien diese Woche die Bildende Kunst. Der „Kultur Kompass“ hat sich angeschaut, wie dieser schillernde und zugleich steinige Markt funktioniert.
Hier geht es direkt zur Podcast-Folge des Kultur Kompass zum Kunstmarkt!
Kunstverkäufe in Millionenhöhe sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Als etwa Klimts Bildnis „Elisabeth Lederer“ im Vorjahr für 204 Millionen Euro den Besitzer wechselte. Oder als 2017 Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“ für spektakuläre 380 Millionen Euro an einen anonymen Bieter ging. Doch wie sieht es jenseits dieser zwei exorbitanten Spitzenreiter aus?
Dass bei der neuen Wiener Kunstmesse Astoria Artshow oder bei der Parallel Vienna diese Woche solche Summen erzielt werden, ist unwahrscheinlich. Dass in dieser intensiven Kunstwoche viele spannende Werke zu sehen und auch zu erwerben sein werden, ist hingegen gewiss.
Prestige an der Wand
„Diese Rekorde machen einen ganz kleinen Teil des globalen Handels aus“, bestätigt auch Christof Habres. Der Wiener Kunstmarkt-Experte ist zu Gast im „Krone“-Podcast „Kultur Kompass“, um über Mechanismen dieser schillernden und zugleich steinigen Branche zu sprechen.
Reine Wertanlage sind die hochpreisigen Gemälde selten: „Für viele ist es Prestige, Namen an den eigenen Wänden zu haben. Wenn mir da ein Werk wichtig ist, muss ich das auch im Geldbörserl spüren.“ Die meisten Verkäufe auf Messen und in Galerien bewegen weit unter der Millionenmarke: „Selbst in den sechsstelligen Bereich kommen nur wenige.“
Milch und Brot als Richtwert
Für junge Künstler ist der erste Schritt in den Markt nicht leicht. „Viele sind vollkommen überrascht, wenn plötzlich jemand kommt und sagt: Das gefällt mir! Sie haben noch nie überlegt, was sie für eine Leinwand oder Zeichnung verlangen können.“
Habres rät hier zu einer einfachen Rechnung: „Kalkulieren, was mich so eine Woche kostet – von den Einkäufen bis zur Miete. Diesen Betrag mal die Zeit, die man an dem Bild gearbeitet hat. Das kann ein Anfang sein.“ Ab da wird der Weg schwieriger: eine Galerie finden, die meist 40 bis 50 Prozent einbehält, über Messen und Einzelausstellungen im Idealfall in den internationalen Markt.
Hier wird eine Mischung aus Talent und kluger Strategie wichtig: „Als Künstler im Elfenbeinturm zu sitzen und Vermarktung sowie Medienarbeit an Agenten auszulagern: Das funktioniert heute nicht mehr.“
Wertsteigerung Todesfall
Ist makaberer Weise die größte Wertsteigerung für ein Werk der Tod seines Schöpfers? „Nicht unbedingt. Das kommt auf die Vorarbeit an. Bei Maria Lassnig war das so. Da gab es ein Werkverzeichnis, der Verkauf erfolgt gezielt. Anders bei Hermann Nitsch, wo nach seinem Tod viele Werke in den Markt gespült wurden. Das hatte schon etwas von Leichenfledderei – und hat die Preise einbrechen lassen.“
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.