Die Eingriffszahlen in der Klinik Oberwart steigen markant, während um den Bedarf der Herzchirurgie weiter gestritten wird. Wie es weitergehen soll.
Seit März wurden bereits 100 sogenannte TAVI-Eingriffe in der Klinik Oberwart durchgeführt. Dabei wird eine Aortenklappe minimalinvasiv ersetzt. Bis Jahresende sollen es mehr als 140 Eingriffe sein. Voraussetzung für dieses Angebot ist eine Herzchirurgie im Hintergrund.
TAVI vor allem für Ältere
Für Patienten kann die Behandlung entscheidend sein. TAVI kommt vor allem bei Über-70-Jährigen oder dann zum Einsatz, wenn eine klassische Herzoperation zu riskant wäre. Bleibt eine schwere Verengung der Aortenklappe unbehandelt, liegt die Sterblichkeit laut Primar Andreas Ochsenhofer bei 50 Prozent pro Jahr. „So haben wir Menschen Hoffnung gegeben weiterzuleben“, sagt der Leiter der Kardiologie.
Das Team strotzt vor Enthusiasmus
TAVI-Spezialist Dr. Paul Vock
Mit Paul Vock holte die Klinik im Vorjahr einen der erfahrensten TAVI-Spezialisten nach Oberwart. 29 Jahre war der Kardiologe in St. Pölten tätig, wo er 2010 mit dieser Behandlung begann. Mehr als 4200 Eingriffe hat er seither durchgeführt. In Oberwart treffe er auf ein Team, das „vor Enthusiasmus strotzt“.
Bereits 76 minimalinvasive Eingriffe
Auch in anderen Bereichen der interventionellen Kardiologie werden deutlich mehr Eingriffe durchgeführt. Die Zahl der Koronarangiografien stieg von 797 im Jahr 2024 auf 1145 im Vorjahr, heuer werden rund 1400 erwartet. In der Elektrophysiologie waren es 2025 noch 158 Eingriffe, bis Ende September bereits 256. Bis Jahresende sollen es rund 340 sein. Auch andere minimalinvasive Behandlungen an Herzklappen und bestimmten Öffnungen im Herzen werden häufiger durchgeführt. Nach 33 Eingriffen im Vorjahr sind es heuer bereits 76, bis Jahresende sollen es mehr als 100 sein.
„Die Kardiologie der Klinik Oberwart steht dem Niveau österreichischer Universitätskliniken um nichts nach“, betont Ochsenhofer. Sein Team behandle auch zahlreiche Patienten, die an anderen Standorten abgewiesen worden seien. Vock wird in der Bedarfsdebatte noch deutlicher. Für ihn lassen die ersten Monate am Standort keinen Zweifel zu: „Es zeigt sich schon jetzt, dass das Argument, dass Oberwart zu wenig Patienten habe, völlig falsch ist.“
Doskozil: „Schändliche Diskussion“
Auch Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) spart nach dem jüngsten Gerichtsurteil nicht mit Kritik. Er spricht von einer „schändlichen Diskussion“ um die Herzchirurgie. Sowohl die interventionellen als auch die chirurgischen Angebote würden angenommen. Patienten kämen mittlerweile nicht nur aus dem Burgenland, sondern auch aus der Steiermark, Niederösterreich und Wien.
Das Landesverwaltungsgericht hatte die Bewilligung der Herzchirurgie nach Beschwerden des Gesundheitsministeriums und der ÖGK aufgehoben. Beanstandet wurde die Bedarfsprüfung, insbesondere die Hochrechnung der erwarteten Fallzahlen. Das Land will außerordentliche Revision einlegen und gleichzeitig einen neuen Bescheid aufstellen. „Wir werden beides machen“, sagt Doskozil.
„Weg konsequent weitergehen“
Dabei soll es nicht bleiben. Herzchirurgie und interventionelle Kardiologie sollen noch enger zusammenspielen, als nächster Schritt soll ein Herzzentrum etabliert werden. Doskozil kündigt an, den Ausbau ungeachtet der Auseinandersetzung fortzusetzen: „Wir werden unseren Weg konsequent weitergehen, egal, was passiert.“
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