Der Druck aus dem Weißen Haus dürfte gewirkt haben. Die EU-Mitgliedsstaaten haben am Freitag über einen Vorschlag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zur Freigabe zusätzlicher Dieselreserven beraten. Die Initiative sieht laut einem Insider vor, dass die europäischen Staaten 50 Millionen Barrel Diesel freigeben.
Zudem sollen die Mitglieder der Internationalen Energieagentur (IEA) 50 Millionen Barrel Rohöl auf den Markt bringen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Vereinbarung über die Freigabe der Dieselbestände soll dem Vernehmen nach jedoch an eine Bedingung geknüpft werden: Die USA müssten sich verpflichten, auf ein einseitiges Exportverbot für Diesel zu verzichten. Die Staats- und Regierungschefs der G7, die derzeit unter französischem Vorsitz steht, beraten noch am Nachmittag in einer Videokonferenz über das weitere Vorgehen.
Die deutsche Regierung steht dem Vorstoß allerdings zurückhaltend gegenüber. Schon im März habe die Freigabe eines Teils der Reserve die Marktpreise nur kurzfristig senken können, hieß es in Regierungskreisen. Man wolle die Märkte nicht unnötig verunsichern.
EU pocht auf gemeinsames Vorgehen
Die EU dringt angesichts der knappen Bestände und kräftigen Preissprünge auf ein gemeinsames Vorgehen mit Washington. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič sagte am Rande des G20-Handelsministertreffens am Donnerstag, er habe sich mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer über die Lage ausgetauscht. Europa wünsche sich ein koordiniertes Handeln, um die Preise zu senken und die Versorgung auf beiden Seiten des Atlantiks zu sichern. Šefčovič warnte vor US-Exportbeschränkungen für Diesel, die vor Tagen von US-Staatschef Donald Trump ins Spiel gebracht worden waren, und erklärte, diese hätten schädliche Auswirkungen auf die Wirtschaft in Europa. „Wir haben klar vereinbart, in engem Kontakt zu bleiben, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden“, sagte Šefčovič.
US-Regierung zuversichtlich
US-Energieminister Chris Wright äußerte sich optimistisch. Er glaube, dass es bald positive Nachrichten geben werde. Europa könne durch die Freigabe von Diesel aus seinen Reserven helfen, und er sei sehr zuversichtlich, dass dies geschehen werde.
Trump und seine Regierung prüfen derzeit Optionen, um die Kraftstoffkosten vor den US-Zwischenwahlen im November zu senken. Die stark gestiegenen Dieselpreise sind für die Republikaner zu einem politischen Problem geworden, insbesondere in den landwirtschaftlich geprägten Bundesstaaten, in denen der Kraftstoff für die Landwirtschaft, den Lkw-Verkehr und das verarbeitende Gewerbe unverzichtbar ist. Die EU zögert hingegen mit Verweis auf ihre begrenzten Notvorräte. Diese könnten bei einer weiteren Verschärfung geopolitischer Konflikte wie dem Iran-Krieg dringend benötigt werden.
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