Fiasko bei Giftspritze

Gouverneur von Tennessee setzt Hinrichtungen aus

Ausland
02.10.2026 16:07
Porträt von krone.at
Von krone.at

Zwei Dosen eines tödlichen Medikaments sollten ihr Leben beenden – doch Christa Pike atmete weiter. Nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch der 50-jährigen Todeskandidatin zieht Tennessee nun Konsequenzen: Gouverneur Bill Lee setzt sämtliche weiteren Hinrichtungen im Bundesstaat bis zum Jahresende aus und ordnet eine unabhängige Untersuchung an. 

Pike hätte am Mittwochabend in Nashville durch eine Giftspritze hingerichtet werden sollen. Sie erhielt nach Angaben ihrer Anwälte und von Medienvertretern zwei Dosen des Medikaments Pentobarbital. Dennoch blieb sie am Leben. Augenzeugen berichteten, Pike habe weiterhin geatmet und sei zeitweise sogar laut zu hören gewesen.

Schließlich wurden die anwesenden Medienvertreter aufgefordert, den Bereich zu verlassen. Pike wurde anschließend in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben ihrer Anwälte befand sie sich dort in kritischem Zustand und erhielt lebenserhaltende Behandlung.

Gouverneur zieht die Notbremse
Der republikanische Gouverneur Bill Lee reagierte auf den Vorfall mit einem weitreichenden Schritt. Er setzte alle für 2026 vorgesehenen Hinrichtungen in Tennessee bis zum Jahresende aus und ordnete eine umfassende Untersuchung durch eine externe Stelle an. Lee erklärte, die Vollstreckung eines rechtskräftigen Urteils gehöre zu den wichtigsten Aufgaben des Staates und müsse legal, verfassungsgemäß und wirksam erfolgen.

Damit ist auch die für 3. Dezember angesetzte Hinrichtung von Gary Wayne Sutton vorerst ausgesetzt. Sutton sitzt seit 1996 wegen Mordes in der Todeszelle. 

Pike sollte erste hingerichtete Frau seit 200 Jahren sein
Pike wäre die erste Frau gewesen, die Tennessee seit mehr als 200 Jahren hinrichtet. Sie wurde wegen der Tötung ihrer 19-jährigen Klassenkameradin Colleen Slemmer im Jahr 1995 zum Tode verurteilt. Pike war damals 18 Jahre alt.

Ihre Anwälte hatten bereits vor dem Hinrichtungsversuch vor möglichen Problemen gewarnt. Sie verwiesen unter anderem auf Schwierigkeiten beim Zugang zu ihren Venen und machten geltend, dass die Giftspritze dadurch unnötiges Leiden verursachen könnte. Auch eine Begnadigung hatte Lee wenige Tage zuvor abgelehnt. Das Oberste US-Gericht ließ die Hinrichtung schließlich zu.

Kritik an Todesstrafe wird lauter
Der Fall sorgt nun auch über Tennessee hinaus für neue Diskussionen über die Todesstrafe. Amnesty International erklärte, der Vorfall zeige erneut, dass es keine humane Hinrichtungsmethode gebe, und forderte die weltweite Abschaffung der Todesstrafe.

Auch UNO-Menschenrechtskommissar Volker Türk äußerte sich besorgt. Der Österreicher bezeichnete das körperliche und seelische Leiden nach mehreren gescheiterten Hinrichtungsversuchen als grausam und forderte Gnade für Pike.

Nach Angaben des Death Penalty Information Center wurden in den USA im vergangenen Jahr 47 Menschen hingerichtet – so viele wie seit 2009 nicht mehr. 2026 wurden demnach bereits 28 Todesurteile vollstreckt. In 27 Bundesstaaten ist die Todesstrafe weiterhin in Kraft, 23 haben sie abgeschafft.

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