Mo, 25. Juni 2018

"Maelstrom"

11.12.2014 12:54

Neuer BitTorrent-Browser soll das WWW verändern

BitTorrent, das Unternehmen hinter der gleichnamigen Filesharing-Technologie, will mit einem speziellen Browser die Art, wie das Internet genutzt wird, drastisch verändern – und nebenbei Geheimdiensten und Zensoren ihre Arbeit schwerer machen. Statt vom Webserver soll der BitTorrent-Browser Maelstrom Websites von anderen Nutzern des Browsers abrufen und vor Ort zusammenbauen. Sich da in die Leitung zu klemmen, dürfte mühsam werden.

Ein Grund, warum Geheimdienste derzeit relativ leichtes Spiel haben, wenn sie einen Internetnutzer abhören möchten, ist der Aufbau des World Wide Web. Wer eine Website aufruft, setzt fast immer die gleiche Prozedur in Gang: Er kontaktiert den Server, auf dem die Seite gehostet wird und ruft von dort die für die Anzeige der Seite nötigen Daten ab. Das kann mitunter verschlüsselt geschehen, grundsätzlich handelt es sich aber stets um eine Verbindung mit einem Sender und einem Empfänger. Wer sich zwischen die beiden klinkt, kann die stattfindende Kommunikation gegebenenfalls mitlesen.

Maelstrom verspricht dezentrales Internetsurfen
Der Maelstrom-Browser, an dem BitTorrent arbeitet, funktioniert anders und nimmt Anleihen bei der P2P-Technologie des Unternehmens. Wer über BitTorrent herunterlädt, bekommt Daten nicht von einem einzelnen Server, sondern von einer Vielzahl anderer Nutzer, welche die Datei bereits teilweise oder zur Gänze auf ihrem Rechner haben. Während des Downloads werden bereits geladene Teile einer Datei anderen Downloadern zur Verfügung gestellt. So entsteht ein Schwarm von Rechnern, die jeder für sich zwar nicht so schnell Daten verbreiten wie ein hochgezüchteter Webserver, in der Gruppe aber trotzdem für schnellen Datenaustausch sorgen.

Auf Maelstrom umgelegt werden Websites demnach nicht mehr nur vom Webserver zum Nutzer geschickt, sondern von vielen Einzelnutzern an den Empfänger übertragen. Die Kommunikation hat nicht mehr einen Sender und einen Empfänger, sondern viele Sender und einen Empfänger. Wer mitlesen will und sich zwischen einen Sender und den Empfänger klemmt, erhält bei Nutzung der BitTorrent-Technologie demnach bestenfalls Bruchstücke der Kommunikation, die weniger wertvoll sind als die Gesamtheit der übertragenen Daten. Und wer das WWW zensieren will, scheitert ebenfalls am dezentralen Netz von Maelstrom.

Maelstrom könnte viele aktuelle Netzprobleme lösen
Bei BitTorrent hofft man, mit dem Maelstrom-Browser gleich mehrere Bedrohungen und Probleme, denen sich das Internet aktuell gegenübersieht, in den Griff zu bekommen. Maelstrom soll nicht nur abhörsicherer sein als andere Browser. Er soll auch dafür sorgen, dass das Internet offen und neutral bleibt und keine kostenpflichtigen "Überholspuren" eingeführt werden, wie sie sich manche Kabelbetreiber und Politiker in Europa und den USA wünschen. Er soll verhindern, dass Großunternehmen sich allzu leicht an den Daten der Nutzer bedienen, und auch bei wachsendem Bandbreitenbedarf die effiziente Verteilung der Daten gewährleisten, da die Maelstrom-Performance mit den Internetanschlüssen der Nutzer "mitwächst".

Wann BitTorrents Wunderbrowser in einer finalen Version veröffentlicht wird, ist aktuell völlig unklar. Das Tool steht derzeit in einer frühen Alpha-Version zum Testen bereit, verkündet BitTorrent auf seiner Website. Derzeit können nur eingeladene Tester den Browser ausprobieren, auf Basis ihres Feedbacks soll die Software verbessert und in Richtung Marktreife entwickelt werden. Wer den Peer-to-Peer-Browser ausprobieren möchte, kann sich direkt auf der Website des Herstellers bewerben.

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