Die „Krone“ fuhr den schönsten und zugleich anspruchsvollsten Abschnitt einer der spektakulärsten Alpenradstrecken Europas. Von rauen Hochgebirgslandschaften über kulturhistorisch geprägte Alpentäler bis in den mediterranen Süden.
Es gibt viele Wege, die Schweiz zu entdecken. Einer der schönsten trägt schlicht die Nummer drei. Die Nord-Süd-Route von Veloland führt von Basel bis Chiasso und verbindet auf mehr als 340 Kilometern das ganze Land. In welche Richtung und in wie vielen Etappen man sie mit dem Rad fährt, ist Geschmackssache.
„Die schönste, schlechteste Straße“
Das Herzstück ist die Überquerung des Gotthards, dessen Name auf den heiligen Bischof Gotthard von Hildesheim zurückgeht. Schweizer Verkehrsgeschichte und eindrucksvolle Alpenlandschaft verschmelzen zu einem besonderen Erlebnis. Mit der Tremola wartet zudem eine der berühmtesten historischen Passstraßen Europas, die als „schönste, schlechteste Straße der Schweiz“ gilt.
Für Generationen von Radfahrern ist sie eine Legende. Dabei ist die Alpenüberquerung längst kein exklusives Abenteuer für Extremathleten mehr. Mit guter Planung und moderner Technik lässt sich der Gotthard auch von ambitionierten Freizeitradlern erleben.
Höllisches Bauwerk
Meine Tour startet an der Kapellbrücke in Luzern. Mit dem Schiff geht es zunächst über den Vierwaldstättersee nach Flüelen. Dann heißt es in die Pedale treten. Richtung Amsteg wird die Landschaft wilder. Die Reuss gräbt sich tief in den Fels. In der Schöllenenschlucht zwängt sich der Fluss durch eine schmale Felsspalte, überspannt von der Teufelsbrücke.
Mit dem Bau von Brücken und Stegen eröffneten die Walser im 13. Jahrhundert erstmals einen Weg durch dieses Nadelöhr. Hinter Andermatt beginnt der Anstieg zum Gotthardpass. Kein anderer Schweizer Alpenübergang hat die Geschichte des Landes stärker geprägt.
Pilger auf dem Weg nach Rom, Händler zwischen Italien und Nordeuropa, Heere und Fuhrleute nutzten über Jahrhunderte dieselbe Route. Der Gotthard wurde zur „Straße der Völker“, lange bevor Eisenbahn und Basistunnel die Alpen durchquerten. Neun Kilometer und 670 Höhenmeter führt die Straße auf 2106 Meter. Die Beine arbeiten. Mit jedem Pedaltritt wächst die Vorfreude auf den Scheitelpunkt.
Am Morgen liegt der „Gotthardsee“ spiegelglatt in der klaren, kalten Höhenluft. Die Abfahrt beginnt bei knackigen vier Grad über die Tremola. Kopfsteinpflaster rüttelt an Armen und Schultern. Die eng gestaffelten Kehren geben immer neue Blicke auf den Weg frei.
Talwärts gewinnt die Sonne spürbar an Kraft. Felsen weichen Kastanienwäldern, aus Deutsch wird Italienisch, aus alpiner Strenge mediterrane Leichtigkeit. Hinter Bellinzona fährt man durch Weinberge und Palmenlandschaften dem Süden entgegen, bis Lugano einen mit warmer Seebrise empfängt.
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