Schön menschenleer

Hitzeflucht aufs Surfbrett

Reisen & Urlaub
10.09.2026 13:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Während Europa im Sommer förmlich zerschmilzt, freut man sich in Irland über die seltenen Sonnenstunden. Vor allem ist es neben stabilen 20 Grad eines: schön menschenleer.

Wenn man Irland hört, denkt man zuerst meist an Klippen, Regen, Schafe und Guinness. Vielleicht sogar an freundliche, rothaarige Menschen. Eine Assoziation, die man aber sicherlich nicht damit hat, ist das Wellenreiten. Das Wasser ist doch viel zu kalt, höre ich Sie denken. Den coolen Surfer-Lifestyle kann man doch nicht zwischen Schafen und Feldern leben, das muss unter der Sonne in Bali erlebt werden. Wenn man sich da mal nicht irrt.

Weit im Nordenwesten Irlands, im County Donegal, läuft das Leben sehr entschleunigt ab – nicht zu verwechseln mit Nordirland, das Teil von Großbritannien ist. Es gibt mehr Schafe als Menschen, meistens nieselt es ein wenig. Die Landschaften sind unglaublich divers, von Mars-ähnlichen Tundren bis hin zu verzauberten kleinen Wäldern, in denen man schon fast Elfen erwarten würde.

Tristan Horx am Strand in Donegal. Gelegentlich scheint auch mal die Sonne, ganz ohne Hitze.
Tristan Horx am Strand in Donegal. Gelegentlich scheint auch mal die Sonne, ganz ohne Hitze.(Bild: Tristan Horx)
Surfen ist keine Frage des Alters, meine Mutter hat mich dazu gebracht.
Surfen ist keine Frage des Alters, meine Mutter hat mich dazu gebracht.(Bild: Tristan Horx)

Klippen ohne Ende, an einem guten Tag kann man bis nach Schottland sehen. In einem kleinen, verschlafenen Ort Namens Dunfanaghy gibt es vier Pubs, ein Hotel und eine Tankstelle. Soweit nichts Überraschendes. Doch genau hier befindet sich ein Paradies für Surfer, und jene, die es werden wollen.

Narosa: eine Surfschule, die auch fantastischen Kaffee und Zimmer hat.
Narosa: eine Surfschule, die auch fantastischen Kaffee und Zimmer hat.(Bild: Tristan Hutchinson)
Der lange Sandstrand Marble Hill Beach liegt sechs Kilometer östlich von Dunfanaghy in der ...
Der lange Sandstrand Marble Hill Beach liegt sechs Kilometer östlich von Dunfanaghy in der Grafschaft Donegal und ist bei Einheimischen beliebt.(Bild: Tourism Ireland)

Die örtliche Surfschule „Narosa“ bietet jeden Tag Surfkurse für jegliches Level an. Gruppenkurse oder privat, für alt jung, Groß und Klein, für Anfänger sowie Fortgeschrittene. Es gibt mehrere traumhafte Sandstrände in der Gegend, die alle in unterschiedliche Himmelsrichtungen zeigen. Soll heißen, irgendwo gibt es immer Wellen. Vor allem aber ist es immer angenehm leer. Weil doch fast niemand Irland als Ort für einen Surfurlaub wählen würde, muss sich niemand um Wellen die streiten.

Paddleboards: Wem Wellen zu stressig scheinen, der kann auch ohne sie auf ein Brett.
Paddleboards: Wem Wellen zu stressig scheinen, der kann auch ohne sie auf ein Brett.(Bild: Tourism Ireland)
(Bild: PA Images)

Die Sorge, dass das Wasser doch zu kalt sei, kann man im Sommer und frühen Herbst ruhen lassen. Mit einem Neoprenanzug ist es wahrlich nicht dramatisch. Oft ist das Wasser wärmer als die Luft, mit angenehmen 16 Grad. Nach zwei Minuten hat man schon vergessen, dass man im Atlantik ist. Im Übrigen ist auch im Regen surfen eine unglaublich unterschätzte Erfahrung.

Nach der Welle warten Guinness und Genuss
Es gibt eine ganze Surf-Community, die aber nicht nur am Brett lebt. Mitten im Ort gibt es eine der besten Pizzerien des Landes. Man sollte auf jeden Fall früh genug reservieren. „The Rusty Oven“ liegt, so wie es in Irland sein muss, hinter einem Pub. Dort kann man Abends lokale Musik genießen, während man sich ein Guinness oder zwei nach einem harten Tag des Surfens gönnt.

„The Rusty Oven“: Guinness und dann Sauerteig-Pizza, eine Kombination, die nach dem Surfen kaum ...
„The Rusty Oven“: Guinness und dann Sauerteig-Pizza, eine Kombination, die nach dem Surfen kaum zu toppen ist. Für Livemusik wird von den Einheimischen gesorgt.(Bild: The Rusty Oven)

Besser hat es noch nie geschmeckt. Dann geht es direkt zu einer Pizza, die man dort wahrlich nicht erwartet hätte. Die Hipster der Surfer-Szene verwenden nur lokale Zutaten, von irischem Mozzarella bis lokalem Ziegenkäse und Rucola. Das Ambiente erinnert sehr an einen coolen, zusammengezimmerten Surfshop. So manch ein Tisch ist eine alte Tür, oder eben auch Teil eines Surfbrettes.

Zwischen Kaffee und Berggipfeln
Manchmal gibt es aber auch einen Tag, an dem man nicht direkt in die Wellen möchte. Kein Problem, vor allem für den gediegenen Österreicher gibt es unglaublich gute Nachrichten: Die Iren können Kaffee! Es mag überraschend sein, aber mit dem Surfertum kam wohl auch der Kaffeegenuss.

Infos

ALLGEMEINE AUSKÜNFTE: www.irland.com

ANREISE: Am besten mit dem frühen Ryanair Flieger nach Dublin, und dann mit Mietwagen oder Bus (McGinley) weiterfahren. Dauer ca. vier Stunden. An das Fahren auf der linken Straßenseite gewöhnt sich schnell. Allerdings ist Irland wie Österreich ein Autoland. Ohne Pkw ist man im Norden ziemlich aufgeschmissen. Deswegen Option zwei: Mit Ryanair oder AerLingus nach Dublin, dann mit Emerald Airways nach Donegal Airport (wunderschön, wie im Text erwähnt), dort gibt es mehr als genug Mietautos.

Bei „Emu Brew“ kann man einen wunderbaren verlängerten schlürfen, während man den Tieren zuschaut. Neben Schafen gibt es auch die zweibeinigen, dinosaurierähnlichen Vögel aus Neuseeland – daher der Name. Bei „Casa“, direkt im Ortszentrum gibt es nebenbei auch sündhaft gute portugiesischen Kuchen.

Irland bietet viele Aktivitäten, die man nicht erwartet: vom Surfen bis zum Bergsteigen mit ...
Irland bietet viele Aktivitäten, die man nicht erwartet: vom Surfen bis zum Bergsteigen mit Blick aufs Meer vom Gipfel.(Bild: stevie - stock.adobe.com)

Falls man die Berge vermisst, keine Sorge. Die 7 Sisters, also sieben Schwestern, sind ein Bergkamm, der für jeden Wanderer und Kletterer etwas bietet. Für die österreichischen Wadeln sollten die knapp 900 Höhenmeter keine Schwierigkeiten bieten. Wer ein bisschen mehr braucht, kann auch zwei der Berge an einem Tag besteigen. Nur Schnee wird man dort keinen finden. Wer es lieber flach möchte, dem mangelt es auch nicht an Optionen. Wälder und Felder gibt es mehr als genug. Tramore Beach ist einer der schönsten Strände, den man nur zu Fuß über Dünen erreichen kann. Dementsprechend ist er immer schön leer zu genießen.

Europas beste Surfspots im Herbst

  • Nebst dem Norden von Irland gibt es noch die gesamte Westküste voller Strände, Wellen und Surfschulen. Vor allem im Herbst gibt der Atlantik wirklich fantastisch regelmäßige Wellen her.
  • Wenn einem das zu „stressig“ ist, man aber dennoch zu den Kelten möchte, findet man im schottischen Edinburgh ein Surfresort mit Wellenpool. Dort kann man jede Welle nach Wunsch einstellen.
  • Auch Portugal – vor allem der Ort Sagres an der Algarve, direkt an der Südspitze des Landes – ist ein echtes Paradies für Surfer. Wenn man ganz auf Abenteuer getrimmt ist, fährt man über die kurvenreichen Straßen mit dem Wohnwagen zu diesem besonderen Ort für Wassersportbegeisterte.
  • Falls es – nun, da die Hitzewelle vorbei ist – doch etwas wärmer sein darf, kann man beispielsweise auch nach Fuerteventura oder auf die Azoren fliegen. Dort findet man stabile 20 Grad Celsius vor – und außerdem erwartet Reisende eine unglaubliche Vulkanlandschaft. 

Es zeigt sich, in Irland muss man nicht den ganzen Tag im Pub beim Bier verbringen. Es gibt Unmengen an Aktivitäten, die noch unentdeckt sind. Die Anreise aus Österreich ist auch erschreckend billig, denn es fliegen nur Ryanair oder Aer Lingus die direkte Route. Von Dublin mit der kleinen Prop-Maschine landet man dann am Flughafen Donegal, der schon mehrere Preise für die schönste Landung gewonnen hat. Während man vom Meer aus landet, kann man schon die wunderbaren Strände sehen, auf denen man bald die Wellen bezwingen wird. So kann der Surfurlaub doch gut starten.

Tristan Horx

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