Während Europa im Sommer förmlich zerschmilzt, freut man sich in Irland über die seltenen Sonnenstunden. Vor allem ist es neben stabilen 20 Grad eines: schön menschenleer.
Wenn man Irland hört, denkt man zuerst meist an Klippen, Regen, Schafe und Guinness. Vielleicht sogar an freundliche, rothaarige Menschen. Eine Assoziation, die man aber sicherlich nicht damit hat, ist das Wellenreiten. Das Wasser ist doch viel zu kalt, höre ich Sie denken. Den coolen Surfer-Lifestyle kann man doch nicht zwischen Schafen und Feldern leben, das muss unter der Sonne in Bali erlebt werden. Wenn man sich da mal nicht irrt.
Weit im Nordenwesten Irlands, im County Donegal, läuft das Leben sehr entschleunigt ab – nicht zu verwechseln mit Nordirland, das Teil von Großbritannien ist. Es gibt mehr Schafe als Menschen, meistens nieselt es ein wenig. Die Landschaften sind unglaublich divers, von Mars-ähnlichen Tundren bis hin zu verzauberten kleinen Wäldern, in denen man schon fast Elfen erwarten würde.
Klippen ohne Ende, an einem guten Tag kann man bis nach Schottland sehen. In einem kleinen, verschlafenen Ort Namens Dunfanaghy gibt es vier Pubs, ein Hotel und eine Tankstelle. Soweit nichts Überraschendes. Doch genau hier befindet sich ein Paradies für Surfer, und jene, die es werden wollen.
Die örtliche Surfschule „Narosa“ bietet jeden Tag Surfkurse für jegliches Level an. Gruppenkurse oder privat, für alt jung, Groß und Klein, für Anfänger sowie Fortgeschrittene. Es gibt mehrere traumhafte Sandstrände in der Gegend, die alle in unterschiedliche Himmelsrichtungen zeigen. Soll heißen, irgendwo gibt es immer Wellen. Vor allem aber ist es immer angenehm leer. Weil doch fast niemand Irland als Ort für einen Surfurlaub wählen würde, muss sich niemand um Wellen die streiten.
Die Sorge, dass das Wasser doch zu kalt sei, kann man im Sommer und frühen Herbst ruhen lassen. Mit einem Neoprenanzug ist es wahrlich nicht dramatisch. Oft ist das Wasser wärmer als die Luft, mit angenehmen 16 Grad. Nach zwei Minuten hat man schon vergessen, dass man im Atlantik ist. Im Übrigen ist auch im Regen surfen eine unglaublich unterschätzte Erfahrung.
Nach der Welle warten Guinness und Genuss
Es gibt eine ganze Surf-Community, die aber nicht nur am Brett lebt. Mitten im Ort gibt es eine der besten Pizzerien des Landes. Man sollte auf jeden Fall früh genug reservieren. „The Rusty Oven“ liegt, so wie es in Irland sein muss, hinter einem Pub. Dort kann man Abends lokale Musik genießen, während man sich ein Guinness oder zwei nach einem harten Tag des Surfens gönnt.
Besser hat es noch nie geschmeckt. Dann geht es direkt zu einer Pizza, die man dort wahrlich nicht erwartet hätte. Die Hipster der Surfer-Szene verwenden nur lokale Zutaten, von irischem Mozzarella bis lokalem Ziegenkäse und Rucola. Das Ambiente erinnert sehr an einen coolen, zusammengezimmerten Surfshop. So manch ein Tisch ist eine alte Tür, oder eben auch Teil eines Surfbrettes.
Zwischen Kaffee und Berggipfeln
Manchmal gibt es aber auch einen Tag, an dem man nicht direkt in die Wellen möchte. Kein Problem, vor allem für den gediegenen Österreicher gibt es unglaublich gute Nachrichten: Die Iren können Kaffee! Es mag überraschend sein, aber mit dem Surfertum kam wohl auch der Kaffeegenuss.
ALLGEMEINE AUSKÜNFTE: www.irland.com
ANREISE: Am besten mit dem frühen Ryanair Flieger nach Dublin, und dann mit Mietwagen oder Bus (McGinley) weiterfahren. Dauer ca. vier Stunden. An das Fahren auf der linken Straßenseite gewöhnt sich schnell. Allerdings ist Irland wie Österreich ein Autoland. Ohne Pkw ist man im Norden ziemlich aufgeschmissen. Deswegen Option zwei: Mit Ryanair oder AerLingus nach Dublin, dann mit Emerald Airways nach Donegal Airport (wunderschön, wie im Text erwähnt), dort gibt es mehr als genug Mietautos.
Bei „Emu Brew“ kann man einen wunderbaren verlängerten schlürfen, während man den Tieren zuschaut. Neben Schafen gibt es auch die zweibeinigen, dinosaurierähnlichen Vögel aus Neuseeland – daher der Name. Bei „Casa“, direkt im Ortszentrum gibt es nebenbei auch sündhaft gute portugiesischen Kuchen.
Falls man die Berge vermisst, keine Sorge. Die 7 Sisters, also sieben Schwestern, sind ein Bergkamm, der für jeden Wanderer und Kletterer etwas bietet. Für die österreichischen Wadeln sollten die knapp 900 Höhenmeter keine Schwierigkeiten bieten. Wer ein bisschen mehr braucht, kann auch zwei der Berge an einem Tag besteigen. Nur Schnee wird man dort keinen finden. Wer es lieber flach möchte, dem mangelt es auch nicht an Optionen. Wälder und Felder gibt es mehr als genug. Tramore Beach ist einer der schönsten Strände, den man nur zu Fuß über Dünen erreichen kann. Dementsprechend ist er immer schön leer zu genießen.
Es zeigt sich, in Irland muss man nicht den ganzen Tag im Pub beim Bier verbringen. Es gibt Unmengen an Aktivitäten, die noch unentdeckt sind. Die Anreise aus Österreich ist auch erschreckend billig, denn es fliegen nur Ryanair oder Aer Lingus die direkte Route. Von Dublin mit der kleinen Prop-Maschine landet man dann am Flughafen Donegal, der schon mehrere Preise für die schönste Landung gewonnen hat. Während man vom Meer aus landet, kann man schon die wunderbaren Strände sehen, auf denen man bald die Wellen bezwingen wird. So kann der Surfurlaub doch gut starten.
Tristan Horx
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