Bei qualifizierten geflüchteten Menschen am Arbeitsmarkt geht laut einer Studie im Auftrag der Arbeiterkammer Wien viel Potenzial verloren. Denn Jobs, die ihre Kompetenzen berücksichtigen, sind die Ausnahme. Die Arbeiterkammer fordert Änderungen im Asylrecht und mehr Geld fürs AMS.
Geflüchtete hätten oft klare Ziele und zeigten teils große Bereitschaft, Deutschkenntnisse zu erlangen, erklärt Johanna Neuhauser, Co-Autorin der Studie, die von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (Forba) durchgeführt wurden. Qualifizierte Personen würden aber oft auf Hürden für den Zugang zum Arbeitsmarkt in Österreich stoßen. Eine davon seien Unklarheiten, was den Aufenthaltsstatus betrifft. Dies erschwere nicht nur die Planung der Betroffenen, sondern auch jene der Unternehmen.
Deutschkurse besser „verzahnen“
Auch gebe es in manchen Branchen nicht zielführende Anforderungen an die Deutschkenntnisse, so ein weiteres Ergebnis der Befragung. Dies führe oft zum Ausweichen der Geflüchteten in andere Berufe. Die AK Wien fordert daher, die Sprachkurse besser mit den Qualifikationen der Geflüchteten zu „verzahnen“, etwa durch Fachschulungen und berufliche Praktika. Auch während der Arbeitszeit müsse dies möglich sein.
„Drehtüreffekt“ droht
„Menschen, die nach Österreich geflüchtet sind, haben es nicht leicht, Arbeit zu finden, die ihren mitgebrachten Qualifikationen entspricht“, befand auch Martin Schmidhuber, Vizechef der Abteilung Arbeitsmarkt und Integration in der AK Wien. Betroffene qualifizierte Arbeitskräfte würden als Konsequenz oft ihre Kenntnisse aus dem ursprünglich erlernten Berufsbereich verlieren. Hier sei auch das AMS als Vermittler gefragt: Noch immer habe die grundsätzliche Vermittlung gegenüber der Qualifizierung Vorrang, kritisiert. Das könne aber einen Kreislauf von prekärer Beschäftigung und anhaltender Arbeitslosigkeit in Gang setzen, warnt Schmidhuber, der von einem „Drehtüreffekt“ spricht.
Langwierige Anerkennung
Auch langwierige Anerkennungsverfahren für die bereits erworbenen Qualifikationen im Herkunftsland kritisiert die Arbeiterkammer aufgrund der Ergebnisse der Studie. Hier müssten Verfahren beschleunigt und praktische Erfahrungen stärker berücksichtigt werden. Nicht nur die Bundesregierung sei dabei gefordert, auch Unternehmen seien in der Pflicht, da viele Arbeitgeber zu wenig Erfahrung mit qualifizierten Geflüchteten hätten, betont die AK Wien.
Die Qualifikationen Geflüchteter zu nutzen, ist eine Win-Win-Win-Situation: für Beschäftigte, Unternehmen und den Staat.
AK-Experte Martin Schmidhuber
Frauen werden oft diskriminiert
Nicht zuletzt stelle auch Diskriminierung eine Barriere für die Integration qualifizierter Geflüchteter in den Arbeitsmarkt dar, stellte die Studie fest. In diesem Fall seien besonders geflüchtete Frauen betroffen, vor allem durch das Tragen eines Kopftuchs. Weiblichen potenziellen Arbeitskräften werde der Zugang zum Arbeitsmarkt zusätzlich durch oft fehlende Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschwert.
„Spurwechsel“ soll möglich sein
Eine explizite Forderung an die Bundesregierung ist jene nach der Möglichkeit eines „Spurwechsels“. Sollte jemand bereits am Arbeitsmarkt integriert sein und einen negativen Asylbescheid erhalten, müsste es die Möglichkeit geben, sich etwa für die „Rot-Weiß-Rot-Card“ zu qualifizieren, erhofft sich die AK Wien.
Herangezogene Herkunftsländer waren die Ukraine, Syrien, der Irak und der Iran.
ÖGB unterstützt Forderungen
Unterstützung für die politischen Forderungen kam aus der anderen großen Arbeitnehmervertretung: ÖGB-Arbeitsmarktexperte Alexander Prischl sieht ebenso „viel Potenzial ungenutzt“. Der Gewerkschaftsbund fordert ebenfalls schnellere und einfachere Verfahren zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse, gezielte Sprachförderung sowie bessere Zugänge zu und mehr Geld für Aus- und Weiterbildung.
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