Mit ihrer neuesten Kreation „Sterling Point“ liefern die Schöpfer von „Gossip Girl“ eine grandiose Serie über das Erwachsenwerden mit viel Einfühlungsvermögen, ohne dass die Spannung auf der Strecke bleibt.
Annie (Ella Rubin) ist am Boden zerstört, als sie die Absage für ihr Wirtschafts-Sommercamp bekommt – schließlich hätte das die Eintrittskarte zu ihrer Traumuni sein sollen. Ganz im Gegensatz zur Sommerplanung ihres akademisch weniger interessierten Bruders Connor (Keen Ruffalo), der sich ausschließlich der für ihn unaussprechlichen französischen Austauschstudentin Capucine verschrieben hat. Doch als plötzlich eine Anwältin an ihrer Tür in New York klopft und den zu diesem Zeitpunkt noch 17-jährigen Zwillingen eröffnet, dass sie von ihrem entfremdeten Großvater mütterlicherseits eine Insel in Kanada geerbt haben, kommt sowieso alles anders. Zum Leidwesen ihres Vaters Steven (Jay Duplass) beginnt Annie in der mysteriösen Vergangenheit ihrer längst verstorbenen Mutter zu graben, bis sie schließlich den Entschluss fasst, heimlich nach Sterling Point zu fliegen.
Dort findet sie nicht nur das verlassene Haus ihres Großvaters an einem malerischen See, sondern auch eine Truppe gleichaltriger Teenager: Freigeist Oona (Bo Bragason), den einheimischen Feschak Ellis (Jacob Whiteduck-Lavoie) und den sensiblen, schwerreichen New Yorker Rory (Daniel Quinn-Toye). Doch statt Antworten zu ihrer Familiengeschichte zu enthüllen, wirft ihre Reise noch mehr Fragen auf – vor allem, als ihr im verlassenen Haus plötzlich die zwei Jahre jüngere Ramona (Amélie Hoeferle) entgegenkommt, die ein Ebenbild von Annies verstorbener Mutter ist.
Mit Herz, Hirn und Humor
Neben der zentralen geheimnisvollen Familiengeschichte punktet „Sterling Point“ vor allem durch die unverblümt ehrliche und einfühlsame Darstellung der Generationen Z und Alpha. Die Art, wie sich die jungen Erwachsenen verhalten, wie sie sich miteinander unterhalten, plätschert ganz natürlich dahin. Ebenso fließend ist auch die sexuelle Orientierung einiger, was aber nicht an die große Glocke gehängt, sondern elegant in die Geschichte eingewoben wird. Die Serie beweist, dass man nicht schockieren muss (wie etwa die dritte Staffel von „Euphoria“), um das jüngere Publikum zu erreichen. Es geht auch mit Herz, Hirn und Humor, ohne dabei auf die Spannung zu verzichten.
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