Schwarzer Anzug, schwarze Krawatte und weißes Hemd, dazu eine verspiegelte Sonnenbrille und den Helm lässig in der Hand. Es hatte was von James Bond, als Fernando Alonso die neue Formel-1-Stätte in Madrid betrat. Die immer noch unbesetzte 007-Rolle wird für den mittlerweile 45-Jährigen zwar keine Option sein, die Frage nach seiner Zukunft ließ der Lokalmatador aber auch vor seinem Heimrennen in der spanischen Hauptstadt offen. Es bestehe „keine Eile“, betonte er.
Ein bisschen schauspielern, wenn es um seine weitere Zeit in der Motorsport-Königsklasse geht, gehört auch zum Repertoire des Weltmeisters der Jahre 2005 und 2006.
Ob Alonso auch 2027 noch fährt, bleibt eine der spannenden Fragen. Sie unbeantwortet zu lassen, bereitet dem am 29. Juli 1981 in Oviedo geborenen Aston-Martin-Fahrer eine diebische Freude. „Nicht so bald“ werde eine Entscheidung fallen, berichtete er im Fahrerlager in Madrid. Warum? „Weil ich es schön finde.“
Ein süffisantes Grinsen huschte dabei über Alonsos Gesicht. „Es geht darum zu verstehen, welche Auswirkungen die Regeln vom kommenden Jahr aufs Fahren haben“, erklärte Alonso, der das Fahren ohne Batterie-Power schmerzlich vermisst. Als er vor über zwei Jahrzehnten 2005 im Renault die Titelserie von Rekordweltmeister Michael Schumacher im Ferrari beendete, röhrten noch V10-Motoren in den Autos.
Alonsos erster F1-Start vor 25 Jahren
An 440 Grands Prix hat Alonso teilgenommen. Sein erstes Rennen in der Formel 1 bestritt der Asturier im März 2001. Acht der Stammfahrer in dieser Saison waren damals noch nicht einmal geboren. „Es ist schwer, mit 45 Jahren in dieser Situation zu sein, sehr schwer“, meinte Fahrerkollege Sergio Perez. Der mexikanische Cadillac-Pilot ergänzte: „Einerseits möchte er vielleicht andere Dinge tun. Andererseits ist es seine Leidenschaft, die er liebt, und er könnte das noch weitere 15 Jahre machen.“
Alonso kennt die Formel 1 noch aus einer anderen Zeit. „Das größte Vermächtnis meiner Karriere ist für mich der Wandel in Spanien. Meine Eltern haben meine ersten Rennen damals bei RTL geschaut, weil sie in Spanien nicht übertragen wurden.“ Nicht nur das hat sich geändert. Wenige Tage vor dem Großen Preis von Spanien gab die Motorsport-Königsklasse die Verlängerung des Vertrags mit DAZN für Alonsos Heimat bis einschließlich 2030 bekannt.
Alonso könnte Aston Martin in mehreren Bereichen helfen
Mit dem Spektakel im Messegelände der Hauptstadt findet am Sonntag (15 Uhr/live im sportkrone.at-Ticker) bereits das zweite Rennen in diesem Jahr in Spanien statt. Im Juni wurde nahe Barcelona gefahren. Von 2027 an wechseln sich der Kurs in Katalonien und die Strecke im belgischen Spa-Francorchamps im Kalender ab.
Mit oder auch ohne Alonso. „Ob hinter dem Lenkrad oder in einer Rolle – wo ich dem Team am meisten helfen kann“, sagte er zu seiner nahen Zukunft. Denkbar ist auch ein Engagement für Aston Martin in einer anderen Rennserie, eine Option ist die Langstrecken-Weltmeisterschaft unter anderem mit den 24 Stunden von Le Mans. Ende 2018 hatte Alonso bereits einmal seine F1-Karriere beendet, eine Rückkehr aber gleich wieder in Aussicht gestellt.
Ausflüge nach Le Mans und zur Rallye Dakar
2019 wiederholte er seinen prestigeträchtigen Triumph in Le Mans. 2020 startete Alonso bei der Rallye Dakar und schaffte es bis auf Rang 13. 2021 kehrte er zurück in die Formel 1 und fuhr zuerst für Alpine und ab 2023 für Aston Martin insgesamt sechsmal als Dritter aufs Podest. Der letzte Sieg von 32 Grand-Prix-Erfolgen gelang Alonso in Spanien – 2013.
Mit Aston Martin hatte Alonso auf die Wiederbelebung alter Erfolgszeiten gehofft. Aber selbst der Wechsel von Stardesigner Adrian Newey von Red Bull zu Aston Martin zeigte keine durchschlagende Wirkung. Es ist, wie es so oft war in der Karriere des fahrerisch Höchstbegabten: Er scheint zur falschen Zeit im falschen Team. Ferrari, McLaren, Rückkehr zu Renault. Aber kein Sieg-Comeback.
Auf die Frage, ob es nicht schön wäre, nach Siegen in Barcelona und Valencia, wo auch schon Formel-1-Rennen gefahren wurden, auch in Madrid zu gewinnen, entgegnete Alonso: „Die Antwort liegt doch auf der Hand. Es wäre schön, aber dieses Jahr wird es nicht klappen.“
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