Dank Erfolgsproduzent Ryan Murphy und den Kindern von Cindy Crawford und Richard Gere erwacht mit der Thrillerserie „The Shards“ das gleichnamige Buch von „American Psycho“-Autor Bret Easton Ellis zum Leben – und mit ihr die pulsierenden Erinnerungen an sein Los Angeles der 1980er-Jahre.
Jeder macht mal Fehler – das gehört zum Erwachsenwerden einfach dazu. Und genau darum geht es in „The Shards“, was so viel wie „Scherben“ bedeutet, nämlich ums Erwachsenwerden. Kein langweiliger Prozess, wie jeder weiß, der ihn bereits durchlebt hat (oder noch tut), schon gar nicht, wenn man Bret Easton Ellis heißt. Der Bestsellerautor („Unter Null“, „American Psycho“), verarbeitet in seinem 2023 erschienenen, halbautobiografischen Roman seine Jugend in der Oberschicht von Los Angeles in den 1980er-Jahren.
Und so erleben wir den eingefleischten Freundeskreis Bret (Igby Rigney), seine Freundin Debbie (Hayes Warner) sowie das Schultraumpaar Susan (Kaia Gerber) und Thom (Graham Campbell), wie sie mit ihren Sorgen, viel Alkohol, Zigaretten, noch mehr Koks, wilden Partys und scheinbar ohne elterliche Aufsicht, durch ihr Abschlussjahr manövrieren.
Was erschwerend hinzukommt: Bret schreibt gerade an seinem Debütroman, fühlt sich sexuell von seinen männlichen Mitschülern mehr angezogen, als von Freundin Debbie und dann treibt auch noch ein Serienmörder, der „Trawler“, sein Unwesen in LA. Das gleichzeitig mit dem Killer auch der neue Schüler Robert Mallory (Homer Gere) auftaucht, und droht den engen Freundeskreis zu zerreißen, kann für Bret kein Zufall sein. Sorgen, die die Jugend mit niemandem teilen kann, denn die einzig vermeintlich Erwachsenen sind Debbies Vater, Produzent Terry Schaffer (Wes Bentley), der wie Bret, mehr jüngeren Männern zugetan ist, als seiner eigenen Frau Liz (Evan Rachel Wood), sowie Jordan Roth als dessen Andy-Warhol-esker Assistent Steven. Wer hat gesagt, dass Erwachsenwerden leicht sein würde?
Umwerfend inszeniert
Wie seine Protagonisten, hat auch Serienschöpfer Ryan Murphy („Nip/Tuck“, „Glee“, „American Horror Storys“), den einen oder anderen Fehler begangen. Ein kolossaler aus jüngster Vergangenheit war etwa die Serie „All’s Fair“ mit Kim Kardashian. „Love Story“ – die tragische Liebesgeschichte von John F. Kennedy Jr. und Carolyn Bessette, ließ Murphy wieder zur Höchstform auflaufen und die Kollaboration mit Ellis scheint sich nun als absolute Traumpaarung zu entpuppen. Murphys Liebe zum Detail und kühner Ästhetik und Ellis’ kühler, sachlicher Schreibstil verschmelzen zu einem großartigen Schauspiel, das von jungen Talenten getragen wird. Kenner dürfen sich obendrein in zahlreichen 80-er-Jahre-Meta-Ebenen verlieren. Die offensichtlichste ist wohl das Casting der Kinder der 80er-Ikonen Cindy Crawford (Kaia Gerber) und Richard Gere (Homer Gere). Für alle Nicht-80er-Kinder bleibt ein spannender, optisch sowie inhaltlich umwerfend inszenierter Scherbenhaufen in Thrillerform. Und Scherben, zumindest die von „The Shards“, bringen definitiv Glück.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.