„Völlig misslungen“

Online-Handel stöhnt unter Verpackungsverordnung

Digital
12.08.2026 08:43
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ab diesem Mittwoch gilt in der EU die neue Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation). Branchenvertreter des Online-Handels in der Wirtschaftskammer Österreich und Handelsverband kritisieren den dadurch entstehenden Verwaltungsaufwand und hohe zusätzliche Kosten.

Die neue EU-Verpackungsverordnung soll Müll reduzieren, Mehrweg stärken und Recycling von Verpackungen voranbringen. Unter anderem werden strengere Regeln für Schadstoffe in Verpackungen eingeführt. Online-Händler müssen entsprechende Unterlagen, (technische) Dokumentationen und Konformitätsbewertungen vorweisen.

„Mag das Ziel grundsätzlich begrüßenswert sein, ist die Umsetzung des Vorhabens im Rahmen der PPWR völlig misslungen“, kritisiert Berufsgruppensprecher Alexander Smuk. Das Problem an den Anforderungen liege darin, dass Handelsbetriebe in den meisten Fällen gar keinen Zugang zu den notwendigen Unterlagen und Dokumentationen hätten.

Hohe Abgaben und beträchtlicher Verwaltungsaufwand
Ab dem ersten Paket und dem ersten Gramm Verpackungsgewicht, das ins EU-Ausland versendet wird, würden hohe Abgaben sowie ein beträchtlicher Verwaltungsaufwand für Sammel- und Verwertungssysteme und Bevollmächtigte in anderen Mitgliedstaaten anfallen. Für viele Klein- und Mittelbetriebe werde der Rückzug aus einzelnen Märkten damit zur wirtschaftlich einzig vernünftigen Option, warnte der Handelsverband.

Der Handelsverband kritisiert zudem, dass noch zentrale Fragen zur Anwendung der Verordnung offen seien. Handelssprecher Rainer Will forderte daher „ein europaweites Moratorium“ für jene Bestimmungen, deren Auslegung, technische Umsetzung oder Vollziehbarkeit noch nicht rechtssicher geklärt seien.

Dieser Forderung schloss sich auch die FPÖ an. Der freiheitliche KMU-Sprecher Michael Fürtbauer übte in einer Aussendung deutliche Kritik an der EU-Verordnung und forderte von der Wirtschaftskammer, „dass sie mit aller Kraft für eine Verschiebung und Entschärfung kämpft“.

Greenpeace begrüßt die Verordnung
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hingegen begrüßt die Verordnung: „Eine Verpackung soll unser Essen schützen, statt es mit Chemikalien zu belasten. Es ist daher vollkommen richtig und längst überfällig, dass die EU mit der Verpackungsverordnung hier endlich einen Riegel vorschiebt“, so Madeleine Drescher, Konsumexpertin bei Greenpeace.

Erste Online-Händler stellen EU-Versand ein
Erste, vor allem kleine Online-Händler stellen ihren EU-Versand ein. Der Handarbeits-Onlineshop „Les filles du cœur“ versendet vorerst nur noch nach Deutschland und Österreich. „Da wir diese Veränderungen noch nicht vollständig umsetzen können, haben wir uns entschieden, den Versand in der EU vorübergehend zu pausieren, anstatt einen Fehler zu machen“, heißt es auf dem Instagram-Account des Händlers.

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