Wettlauf gegen die Uhr

Raketenmangel: Ukraine baut Abwehrwaffen selbst

Ausland
12.08.2026 09:00

Tag für Tag fliegen ballistische Raketen aus Russland auf schutzlose ukrainische Städte. Waffen, die sie abwehren können, sind weltweit rar geworden. Abhilfe könnte ein neues System schaffen, das die Ukraine zusammen mit europäischen Partnern selbst baut ...

Wieder heulten in der Nacht auf Dienstag in der Ukraine die Alarmsirenen. Wieder griff Russland mehrere Großstädte an. Und wieder folgten die Attacken dem gleichen Muster: Ein Schwarm von Drohnen, begleitet von wenigen ballistischen Raketen mit hochexplosiven Sprengköpfen.

Die meisten Drohnen konnten abgeschossen oder vom Kurs abgebracht werden, mehrere Raketen fanden aber ihr Ziel. Allein in der Großstadt Saporischschja im Süden des Landes wurden mindestens fünf Menschen getötet und 20 weitere verletzt. 

Kaum eine Rakete wird abgefangen
Russlands Armee setzte ballistische Iskander-Raketen sowie Hyperschall-Waffen vom Typ Zirkon ein. Solche Raketen vom Himmel zu holen, ist aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit für die ukrainische Luftabwehr inzwischen ein seltener Glücksfall.

Europäische Freyja-Raketen (im Bild der erste Testflug) sollen in Zukunft verheerende russische ...
Europäische Freyja-Raketen (im Bild der erste Testflug) sollen in Zukunft verheerende russische Angriffe wie zuletzt jenen auf Saporischschja abwehren können.(Bild: Krone-Collage/Screenshot/X/Fire Point, Krone KREATIV, AFP/DARYA NAZAROVA)

Denn die Armee verfügt zwar über mehrere von den USA produzierte Patriot-Raketenabwehrsysteme die geeignet sind, ballistische Raketen abzuschießen. Allerdings mangelt es an der Munition dafür – den PAC-3-Abfangraketen -, und zwar weltweit. Denn die USA haben zahlreiche dieser Waffen in ihrem Krieg gegen den Iran verschossen. 

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Russland produziert deutlich mehr Waffen, als die weltweit führenden Hersteller Abfangraketen produzieren.

Oleksandr Kovalenko, Militäranalyst bei Information Resistance Group

Laufend wird nachproduziert, aber mit dem Tempo der russischen Kriegswirtschaft können die US-Hersteller nicht Schritt halten, erklärt der ukrainische Militäranalyst Oleksandr Kovalenko. Während Russland jedes Jahr etwa 1000 Iskander-Kurzstreckenraketen produziert, stellt Lockheed Martin im selben Zeitraum 750 PAC-3-Raketen her. Um diese Zahl russischer Angriffswaffen abzuwehren, „bräuchte es aber mindestens 2000 PAC-3-Abfangwaffen“, betont Kovalenko.

Offensichtliches Ungleichgewicht
Dabei seien hier noch gar nicht Raketen eingerechnet, die der Iran und Nordkorea herstellen und an Russland liefern und die anderen Waffen, die unter Putins Regime gefertigt werden, die Zirkon -Seezielflugkörper oder die Hyperschall-Luft-Boden-Raketen vom Typ Kinschal. „Das Ungleichgewicht ist daher offensichtlich: Russland produziert deutlich mehr ballistische Waffen, luftgestützte ballistische Waffen und Hyperschallwaffen als die weltweit führenden Hersteller Abfangraketen produzieren“, bringt es der Analyst auf den Punkt.

Rare Altenativen
Die Aussichten der Ukraine sich bald effektiv gegen den russischen Raketenterror wehren zu können, sind daher gering. Die USA stehen bei Lizenzen zur Produktion von Patriot-Abwehrwaffen auf der Bremse, Alternativen sind rar. Hocheffizient wären SAMP/T vom europäischen Konzern Eurosam – sie sollen auch bei Sky Shield eingesetzt werden. Von diesen Systemen und ihren Raketen werden aber zu wenige in zu langer Zeit produziert.

Mangelware sind auch die THAAD-Abwehrsysteme. Hier haben die USA ebenfalls einen Großteil der Munition verschossen. Zudem wird Israel bei der Zuteilung vorrangig behandelt. Die Aussicht der Ukraine solche Waffen zu bekommen sind daher gering. 

Angesichts dieser Lage wächst in Kiew die Furcht, dass ungehinderte Raketenangriffe zum kommenden Winter die Infrastruktur des Landes erneut schwer schädigen und die Menschen in der Ukraine in noch größere Not bringen könnten.

Europäischer Hoffnungsschimmer
Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist das Raketenabwehrsystem Freyja, dass die Ukraine zusammen mit europäischen Partnern aus der „Koalition der Willigen“ entwickelt. Die Abwehrraketen selbst gibt es bereits. Sie werden vom Kiewer Konzern Fire Point hergestellt, im Juni erfolgte der erste Testflug.

Iryna Terekh, Geschäftsführerin von Fire Point, gab den Raketentest bekannt:

Weitere Komponenten wie Radar müssen aber noch geliefert werden. „Wenn all diese Elemente relativ schnell in ein einziges System integriert werden können - quasi wie aus einem Baukasten zusammengesetzt -, könnte Freyja in etwa sechs Monaten den operativen Betrieb aufnehmen“, so Analyst Oleksandr Kovalenko.

Zugleich bremst er die Erwartungen. Denn in der Anfangsphase wäre Freyja nicht in der Lage, alle Angriffsraketen abzufangen. Zudem könne die Produktion des Systems nicht sofort in großem Maßstab anlaufen.

Russland nutzt Mangel gezielt aus
Währenddessen nutzt Russland den ukrainischen Munitionsmangel gezielt aus und verstärkt seine Angriffe. Bei Schlägen gegen die Hauptstadt Kiew und umliegende Gebiete werden bewusst die am schwersten abzufangenden Raketen eingesetzt, um die Wahrscheinlichkeit eines Treffers zu erhöhen. Mit verheerenden Folgen ...

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