Er hatte keine berufliche Erfahrung in der Finanzwelt, trotzdem überließen im Investoren Milliarden. „KI-Wunderkind“ Leopold Aschenbrenner wurde wegen seines Fokus auf KI-Aktien als Börsenstar gefeiert. Jetzt hat er sich
aber verzockt: Sein Fond ist abgestürzt.
Seine Laufbahn ist von Erfolgen geprägt, jetzt muss der aus Deutschland stammende Leopold Aschenbrenner aber eine herbe Niederlage hinnehmen. Nach dem jüngsten Kursrutsch von bei Halbleiter-Papieren musste Aschenbrenners Fonds den Großteil des Portfolios mit Rabatt verkaufen.
Doch von vorne: Der Mittzwanziger Aschenbrenner, der zwischenzeitlich beim ChatGPT-Entwickler OpenAI gearbeitet hatte, machte erstmals vor rund zwei Jahren von sich reden. Er veröffentlichte ein Essay mit dem Titel „Situational Awareness“ (etwa: Wahrnehmung der Situation). Darin argumentierte er, dass Künstliche Intelligenz die Welt radikal verändern werde – und die meisten sich dessen noch nicht bewusst seien. Wenig später startete er einen Hedgefonds, also einen spezialisierten Investmentfonds, unter demselben Namen mit dem Versprechen, in die Zukunft zu investieren.
Als „Orakel“ gefeiert
Das ging auf der Welle des KI-Booms zunächst gut – sehr gut sogar. Situational Awareness investierte laut öffentlich verfügbaren Unterlagen in alles rund um KI – Infrastruktur, Chips, Energie für Rechenzentren. Dank kräftiger Kursanstiege wuchs das Portfolio von Situational Awareness dem „Wall Street Journal“ und dem Wirtschaftssender CNBC zufolge von einigen hundert Millionen auf 45 Mrd. Dollar (39 Mrd. Euro) an. Andere Investoren kopierten Aschenbrenners Strategie, er wurde gefeiert als „Wunderkind“, „Orakel“ und „KI-Nostradamus“ – in Anlehnung an den für seine Prophezeiungen berühmten französischen Astrologen.
Im Juli jedoch setzte eine steile Talfahrt unter anderem bei Halbleiter-Aktien ein, in die Situational Awareness groß investiert hatte. Das wäre an sich nicht katastrophal, doch CNBC zufolge hatte der Fonds in großem Stil auf Pump investiert und etwa viermal mehr geliehenes Geld als eigenes Kapital im Einsatz. Banken hätten dann gefordert, Sicherheiten nachzuschießen, wofür Situational Awareness plötzlich Geld finden musste.
Von Talfahrt kalt erwischt
Erschwerend kam hinzu, dass der Fonds auch noch mit sogenannten Leerverkäufen auf sinkende Kurse bei Aktien von Software-Firmen gewettet hatte, deren Geschäft von Künstlicher Intelligenz unter Druck gebracht wird. Bei solchen Deals werden geliehene Aktien verkauft – in der Hoffnung, sie später zu niedrigeren Preise zurückzukaufen. Doch im Juli setzte bei Software-Aktien nach langer Talfahrt auch eine deutliche Erholung ein und damit drohten dem Fonds auch bei den Leergeschäften Verluste.
Damit geriet Situational Awareness in die Zange und Aschenbrenner musste den Großteil des Portfolios von Investments in börsennotierte Unternehmen mit Rabatt an den Hedgefonds Citadel des Milliardärs Ken Griffin abtreten.
Aschenbrenner: Übernehme volle Verantwortung
Aschenbrenner bestätigte in einem Brief an seine Investoren in der Nacht zum Freitag, dass „ein Teil“ der Anteile an börsennotierten Unternehmen als Paket verkauft worden sei. Er übernehme die volle Verantwortung, schrieb Aschenbrenner in dem vom Silicon-Valley-Podcast „TBPN“ veröffentlichten Brief. Zugleich versicherte er, dass der Fonds nicht geschlossen oder liquidiert worden sei. Sein eigenes Kapital sei auch in dem Fonds und er werde beweisen, dass die Ereignisse ihn zu einem klügeren Investor gemacht hätten.
Den Medienberichten zufolge behielt der Fonds entgegen ersten Überlegungen seine Beteiligung an der KI-Firma Anthropic. Der Anteil ist demnach 3,5 bis 5 Mrd. Dollar wert. Griffin und Citadel profitierten von den Nöten von Situational Awareness mit einem Rabatt von mehr als 10 Prozent auf den aktuellen Wert des gekauften Portfolios, wie das „Wall Street Journal“ schrieb. Die verbliebenen Investments des Fonds hätten einen Wert von mehr als 10 Mrd. Dollar. Aschenbrenner betonte in seinem Brief, Situational Awareness sei seit Jahresbeginn gerechnet immer noch um 80 Prozent im Plus.
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