Im ersten Halbjahr 2026 ist die Zahl der Asylanträge in Österreich zurückgegangen – und zwar um 44 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum 2025. Insgesamt seien etwa 4900 Asylanträge bis Ende Juni gestellt worden, sagte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) am Dienstag.
41 Prozent davon seien originäre Anträge, sprich, sie wurden von neu eingereisten Personen gestellt. Der Rest entfällt auf nachgeborene Kinder, Familiennachzug und Mehrfachantragstellende. Über den Familiennachzug seien zwischen Jänner und Ende Juni aber nur 48 Personen nach Österreich gekommen, sagte Karner. Anfang Juli lief der Stopp der Familienzusammenführung aus. Die geplante Nachfolgeregelung ist bisher nicht in Kraft, da dafür die Zustimmung der Bundesländer nötig ist. Man sei in Abstimmung, sagte der Minister.
Die meisten Asylanträge im ersten Halbjahr 2026 betrafen Minderjährige (2399), dahinter folgten Männer (1577) vor Frauen (947). Von den Herkunftsländern dominierten weiter Syrien und Afghanistan mit je einem Viertel. Weit dahinter folgen Länder wie Somalia (sieben Prozent), der Iran, die Türkei und Russland (jeweils fünf Prozent). Bei den Entscheidungen bis zum 11. Juni wurde rund jeder vierte (27 Prozent) Asylantrag abgelehnt. 16 Prozent erhielten hingegen Asyl. Bei 15 Prozent wurde subsidiärer Schutz gewährt, bei weiteren 16 Prozent dieser abgelehnt. Die besten Chancen hatten Iranerinnen und Iraner (76 Prozent positiv), gefolgt von Afghaninnen und Afghanen (69 Prozent).
So haben sich die Asylanträge in Österreich seit 2000 entwickelt:
Jeder dritte Antrag von Syrern angenommen
Bei den Syrerinnen und Syrern wurde ungefähr jeder dritte (32 Prozent) Antrag angenommen. Vor zwei Jahren wurden noch 67 Prozent dieser Anträge positiv bewertet. Aktuell gibt es noch mehr als 15.000 offene Verfahren, davon betrifft die Hälfte Menschen aus Syrien. In der Grundversorgung waren am 1. Juli 45.139 Menschen. Das ist etwas weniger, als zum Beispiel Wiener Neustadt oder Dornbirn Einwohnerinnen und Einwohner haben. Fast sechs von zehn Menschen in der Grundversorgung sind Flüchtlinge aus der Ukraine.
Karner stellte diesen Zahlen am Dienstag mehr als 7000 Außerlandesbringungen und Abschiebungen im ersten Halbjahr gegenüber. Erstmals seit über 20 Jahren seien mehr Menschen abgeschoben worden, als neue Asylanträge gestellt wurden, sagte er. Diese „Minuszuwanderung“ müsse abgesichert werden. Wie hoch das Interesse für die seit Anfang Juni laufende Prämien-Aktion für freiwillige Heimkehrerinnen und Heimkehrer nach Syrien ist, konnte er noch nicht sagen. Es habe jedenfalls mehrere hundert Interessierte gegeben.
FPÖ: „Statistische Schönfärberei“
Die ersten Reaktionen auf die Präsentation kamen erwartungsgemäß von der FPÖ. Sicherheitssprecher Gernot Darmann sprach von „statistischer Schönfärberei“. „Die Regierung versucht, mit Zahlenspielen einen Erfolg zu konstruieren, während die grundlegenden Herausforderungen durch die Zuwanderung der letzten Jahre ungelöst bleiben. Unser Sozialsystem steht nach wie vor unter enormem Druck und die ‘Sicherheit‘ im Land ist ein Dauerthema (...)“, sagte er in einer Aussendung.


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