77 Todesopfer
Norwegen erinnert an Terroranschläge vor 15 Jahren
15 Jahre nach den Terroranschlägen von Oslo und Utøya hat Norwegen an die 77 überwiegend jungen Todesopfer erinnert. „Norwegen trauert seit 15 Jahren“, sagte der Vorsitzende der Jugendorganisation der norwegischen Sozialdemokraten (AUF), Gaute Børstad Skjervø, ein Überlebender des Massakers auf Utøya. Er und Selbsthilfegruppen kritisierten eine Zunahme von Hassbotschaften von Rechtsextremisten im Internet.
An der Gedenkstätte im Osloer Regierungsviertel wurden die Namen der Getöteten verlesen. Ministerpräsident Jonas Gahr Støre und Skjervø, legten Kränze nieder. An einem Gedenkgottesdienst im Dom nahmen König Harald V. und Königin Sonja teil.
„Viele waren sich bewusst, dass es unsere Kinder waren, die getötet wurden, aber niemand kann die Trauer der Hinterbliebenen begreifen“, sagte Skjervø. Er kritisierte, dass in sozialen Medien Hass auf die Überlebenden geäußert werde. „In den nächsten 15 Jahren müssen wir gegen eine neue Welle des Rechtsextremismus kämpfen.“
Ministerpräsident will Geschichte der Anschläge weiter erzählen
Støre forderte: „Wir müssen weiterhin offen und ehrlich darüber sprechen, was geschehen ist, über die Motive des Terroristen, seine Herkunft, die Folgen von Rechtsextremismus, Hass und Verachtung der Demokratie.“ Die brutale Geschichte dieses politisch motivierten Massenmords müsse erzählt und erklärt werden, auch angesichts von Lügen und Verschwörungserzählungen, wie der Behauptung, die Anschläge vor 15 Jahren seien inszeniert gewesen.
Im Gedenkgottesdienst sprach Entwicklungsminister Åsmund Aukrust, der als AUF-Mitglied den Massenmord auf Utøya überlebt hatte. Auch hier wurden die Namen der 77 Getöteten noch einmal verlesen. Auf der Insel selbst gab es am Nachmittag eine Erinnerungsveranstaltung.
Die Vorsitzende der nationalen Selbsthilfegruppe, Merete Stamneshagen, sagte auf Utøya, das Gedankengut, das 77 Menschen das Leben gekostet habe, sei immer noch vorhanden und habe weiteren Nährboden gefunden. „Es inspiriert zu neuen Terrorakten, und wir hören den Nachhall und den Hass aus den Wohnzimmern, von den Rednerpulten“, sagte Stamneshagen, deren Tochter auf Utøya getötet wurde.
Anschläge in Oslo und auf Utøya
Am 22. Juli 2011 hatte der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik eine Autobombe im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt gezündet und dabei acht Menschen getötet. Danach fuhr er auf die Insel Utøya, wo er sich als Polizist ausgab und das Feuer auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des jährlichen Sommerlagers der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei eröffnete.
69 Menschen, darunter vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, kamen auf der Insel ums Leben. Die Anschläge gelten als die schlimmsten Gewalttaten der norwegischen Nachkriegszeit. Breivik wurde 2012 zur damals möglichen Höchststrafe von 21 Jahren Haft verurteilt.
Österreichische Sozialdemokraten erinnern ebenfalls
Auch in Österreich gedachten die Sozialdemokraten den norwegischen Opfern. SPÖ-Bundesparteivorsitzender und Vizekanzler Andreas Babler sowie SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim schrieben in einer Presseaussendung: „Die Bilder von Oslo und Utøya haben sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt. Wir werden die Opfer niemals vergessen.“ Ihr Andenken verpflichte dazu, jeder Form von Hass, Hetze, Rassismus und Rechtsextremismus entschlossen entgegenzutreten.












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