Die älteste Wüste der Welt, eine spektakuläre Tierwelt, schier endlose Weite, gastfreundliche Menschen und faszinierende Kulturen: Namibia berührt. Auf einer Rundreise zeigt sich, warum das Land im Südwesten Afrikas Besucher nachhaltig zu beeindrucken vermag.
„Bitte anschnallen, weiter geht’s“, sagt Reiseleiter Marko Lohmeier. Ein Satz, den man auf den kommenden 1800 Kilometern noch oft hören wird. Der Namibier gibt Einblicke in Geschichte, Kultur und Alltag seiner Heimat, die fast zehnmal so groß wie Österreich ist und rund drei Millionen Einwohner zählt. Mitte Juni, im namibischen Winter, zeigt sich das Land temperaturtechnisch von angenehmer Seite. Tagsüber rund 25 Grad und Sonnenschein. In der Früh und abends kann es sehr frisch sein. Zwiebellook ist Pflicht, besonders bei Pirschfahrten im offenen Geländewagen, wenn einem der Fahrtwind um die Ohren pfeift.
Die Rundreise startet mit einer Besichtigung in der Hauptstadt Windhoek, der „windigen Ecke“, die rund 450.000 Einwohner zählt. Zwischen Christuskirche und Tintenpalast, dem Parlamentsgebäude, sind die deutschen Wurzeln des Landes noch deutlich sichtbar. Viele Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit zieren hier, aber auch in der Küstenstadt Swakopmund, das Stadtbild und erinnern an ein prägendes, aber auch dunkles Kapitel der Geschichte Namibias.
Wenige Stunden später beginnt das eigentliche Abenteuer: in der Kalahari-Wüste. Die erste Pirschfahrt steht an, die Spannung steigt. Springböcke sind zu sehen, kurz darauf Zebras. Plötzlich heben Giraffen ihre langen Hälse über das hohe Gras. Wildtieren in ihrer natürlichen Umgebung so nahe zu kommen, ist ein besonderes Gefühl. Die Sonne sinkt langsam gen Horizont, färbt den Himmel in kräftige Orange- und Rottöne.
Überhaupt sind die Weite und die Stille, die man hier in Namibia findet, etwas, das sich kaum beschreiben lässt. Stundenlang fährt der Kleinbus über Asphalt oder Schotterpisten, die einen durchaus richtig durchschütteln können. „Afrikanische Massage“ nennen das Einheimische schmunzelnd. Aber genau während dieser Fahrten entdeckt man die kontrastreichen Landschaften, ob Savanne, Wüste, Gebirge oder Dünen.
Und immer wieder sieht man Tiere am Straßenrand, unter anderem Paviane, Warzenschweine, Oryx-Antilopen, Springböcke und Giraffen. Was auffällt: Namibia wirkt sauber und sicher, die Menschen sind gastfreundlich. Wenngleich es auch sichtbare Armut gibt. Wer einfache Regeln beachtet und nachts nicht allein unterwegs ist oder offen Wertgegenstände trägt, reist entspannt durch das Land.
Von den Sanddünen an die Atlantikküste
Einer der landschaftlichen Höhepunkte wartet in der 2000 km langen und 150 km breiten Namib, der ältesten Wüste der Welt: das Dünenmeer des Sossusvlei im Namib-Naukluft-Nationalpark. Dort erhebt sich „Big Daddy“, mit etwas mehr als 300 Metern eine der höchsten Dünen der Erde. Belohnt wird der Aufstieg mit einem Blick auf die endlosen, Millionen Jahre alten Sandberge, deren Kämme so kantig sind, als hätte man sie mit einer Teigkarte geformt.
Nach dem Abstieg erreicht man das Deadvlei, wo seit hunderten Jahren abgestorbene Kameldornbäume in einer weißen Lehmpfanne stehen. Zeit ist hier etwas Relatives. Über den Wendekreis des Steinbocks – mit Halt bei der Raststation in Solitaire, wo es einen vorzüglichen Apfelkuchen gibt – geht es durch die Namib zum Atlantik nach Swakopmund, wo viele Bewohner Deutsch sprechen. Auch kulinarisch hat Namibia einiges zu bieten, vor allem für Fleischliebhaber.
Dass die Wüste voll von Leben ist, erfährt man bei der sogenannten Living Desert Tour in den Dünen vor Swakopmund. Mit Gespür liest Guide Arnold winzige Spuren im Sand und findet kleine Wüstenbewohner, die für ungeübte Augen unsichtbar bleiben: einen Gecko, ein Chamäleon, sogar eine hochgiftige Puffotter.
Gut 340 Kilometer weiter, im Damaraland, zeigen mehr als 2500 Felsgravuren im UNESCO-Weltkulturerbe Twyfelfontein Darstellungen von Giraffen, Löwen, Nashörnern, sogar Robben. Geschaffen wurden sie vor tausenden Jahren von Buschmännern, den Vorfahren der San. Im Lebenden Damara Museum zeigen die Damara traditionelle Handwerkskunst, ihre Lebensweise und vermitteln die charakteristischen Klicklaute ihrer Sprache.
Giraffen, Elefanten, Löwen & Co. ganz nah
Besonders eindrucksvoll ist auch der Besuch des Omapaha-Himba-Dorfes. Mit einem respektvollen „Moro“ (Hallo) begrüßen Gäste den Häuptling, er lebt mit drei Frauen und 23 Kindern, bevor sie das Dorf besichtigen dürfen. Die Himba bewahren bis heute viele ihrer Traditionen. Diese Begegnungen zeigen: Reisen bedeutet nicht, andere Lebensweisen zu bewerten, sondern sie kennenzulernen und verstehen zu wollen. Großer Höhepunkt ist eine Pirschfahrt im berühmten Etoscha-Nationalpark.
Bereits wenige Minuten nach Öffnung des Parks liegt ein Löwe an einem Wasserloch. Später sieht man Zebras, Gnus, Springböcke, Kudus, Warzenschweine - und schließlich einen jungen Elefantenbullen. Fast lautlos beobachtet man, wie er trinkt, sich mit Wasser bespritzt und genüsslich badet. So viele Wunder der Natur, hautnah, an nur einem Ort.
Zurück in Windhoek endet die Reise, wo sie vor zwei Wochen begonnen hat. Während diese Zeilen entstehen, schweift der Blick ein letztes Mal über die Hauptstadt. Zum Abschied hofft Reiseleiter Marko, dass sich die Sonne Namibias in die Herzen der Reisenden „gebrannt“ hat. Daran besteht kein Zweifel. Sie hat sogar die Sehnsucht geweckt, eines Tages wieder in dieses einzigartige Land zurückzukehren.
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