Für die heimischen Eschen droht zusätzlich zum Eschentriebsterben – einer Pilzkrankheit aus Asien – nun weiteres Ungemach: Durch den ebenfalls aus Asien eingeschleppten Eschenprachtkäfer, dessen Larven Gänge in die Bäume bohren, die zu deren schleichenden Tod führen.
Ein grün schillernder Käfer krabbelte in Ungarn in eine Lockstofffalle und löste damit in der Europäischen Union inklusive Österreich Quarantäne-Notfallmaßnahmen aus. Kurz darauf fand man auch in der Slowakei 18 Exemplare.
Es sind Eschenprachtkäfer, die aus Asien eingeschleppt wurden, erklärte Gernot Hoch vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW): Ihre Artgenossen haben in Nordamerika und Russland schon Tausende Eschen zum Absterben gebracht.
Das Eschentriebsterben – eine Pilzkrankheit – stammt ebenfalls aus Asien. Während die dortigen Bäume sowohl mit den Käfern wie auch mit den Pilzen gut umgehen können, sind beide für europäische Eschen oft tödlich. Wahrscheinlich macht auch eine Vorschädigung durch die Eschentriebsterben-Pilze die Bäume anfälliger für die Eschenprachtkäfer, so der Experte.
Schleichender Tod durch Larvengänge
„Ein Eschenprachtkäfer legt seine Eier an der Rinde von Eschen ab“, sagte Hoch: „Die Larven schlüpfen dann und bohren sich ins Kambium.“ Das ist die dünne Wachstumsschicht zwischen der Rinde und dem Holz. „Dort fressen sie sich schlängelnd dahin.“ Wenn sich die Larvengänge einmal rund um den Stamm oder Ast winden, ist er „geringelt“ und der Stofftransport für den darüber liegenden Teil unterbrochen. Für die Bäume beginnt ein schleichender Tod, der sich über mehrere Jahre hinweg zieht. Oft ist zunächst die Krone betroffen und später der Stamm.
Die Käfer fliegen selbst nur wenige hundert Meter, breiten sich aber als blinde Passagiere über den Eisenbahn- und Straßenverkehr aus, berichtete Hoch. Zum Beispiel mit Holztransporten. Aus Ostasien sind sie so zunächst nach Russland und in die Ukraine gekommen. „Aufgrund des Krieges konnten dort keine wirksamen Pflanzenschutzmaßnahmen umgesetzt werden“, heißt es in einer Aussendung des Landwirtschaftsministeriums.
Die aktuellen Fundstellen in Ungarn und der Slowakei befinden sich an der Grenze zur Ukraine und sind 60 Kilometer voneinander entfernt. „Der gleichzeitige Fund an zwei Orten lässt vermuten, dass der Eschenprachtkäfer in dieser Region schon verbreitet ist“, so Hoch. Sie liegt 500 Kilometer westlich des bisher bekannten Befallsgebietes und ist „nur noch“ 350 Kilometer von Österreich entfernt.
Verstärkte Überwachung und Notfallplan
Für die heimischen Betriebe gelten nun besondere Vorsichtsmaßnahmen, erklärte der Waldschutzexperte: Eschen und die ebenfalls betroffenen Schneeflockensträuche dürfen nur eingeführt werden, wenn sie mindestens 100 Kilometer von der Befallszone entfernt gewachsen sind.
In Österreich werde nun auch die Eschenprachtkäfer-Überwachung mittels Lockstofffallen verstärkt. „Besonderes Augenmerk gilt Standorten entlang wichtiger Verkehrswege sowie Regionen mit intensiven Verkehrs- und Warenverbindungen zur Ukraine“, so das BFW.
Der für die Forstwirtschaft zuständige Minister Norbert Totschnig (ÖVP) sieht Österreich „für eine Einschleppung gut vorbereitet“. Man verfüge über ein etabliertes Monitoring- und Überwachungssystem. „Für den Ernstfall liegt ein spezifischer Notfallplan für den Asiatischen Eschenprachtkäfer vor, um eine Ausbreitung des Schädlings bestmöglich zu verhindern und unsere Wälder zu schützen“, erklärt er.
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