Wochenlang hatten Anwohner in der Wiener Innenstadt bei der Politik interveniert – ohne Erfolg. Also griffen sie selbst durch und meldeten kurzerhand eine Demonstration an. Ihre Forderung: ein nächtliches Fahrverbot am Wochenende, weil Rettungsfahrzeuge sonst nicht durchkämen. Aus einer Handvoll Teilnehmern wurde eine Bewegung mit über 100 Mitgliedern.
Jedes Wochenende das gleiche Bild: PS-Proleten machen sich mit ihren Protz-Autos in die City auf. In Schritttempo ziehen sie ihre Runden über Tuchlauben, Brandstätte, Stephanplatz oder Rotenturmstraße. Ihr Ziel: Aufmerksamkeit um jeden Preis. Selbst vier Schwerpunktaktionen der Polizei mit Dutzenden Anzeigen und Strafen halten diese Klientel nicht vor ihrem Schaulauf der Kleingeistigkeit ab.
Anrainern reicht es
Jetzt hat der Poser-Lärm sein Limit erreicht. Die Antwort der Anrainer: Sie sperrten die Tuchlauben eigenhändig – mit einer angemeldeten Demonstration. Der Grund: Nichts anderes habe funktioniert. Wochenlang hatten Bewohner bei der Politik interveniert. Ohne Erfolg.
Rasch war Demo angemeldet
„Dann haben wir den Tipp mit einer Demo bekommen“, schildert die Sprecherin der Anrainer-Initiative. Gesagt, getan. Kurzerhand wurde die erste Demo angemeldet. Ein Nachbar hängte Plakate in den Stiegenhäusern auf. Erwartet wurde eine Handvoll Leute. Gekommen sind weit mehr Menschen: Aus der spontanen Aktion wurde eine Bewegung. Eine Online-Gruppe zählt mittlerweile 100 Mitglieder, alle bereit, wieder auf die Straße zu gehen.
Nächste Demo wird schon vorbereitet
Eingeladene Politiker hätten „keine Zeit“ gehabt, klagt die Sprecherin. Die Wut speist sich aus echter Sorge. Stundenlang drehen dieselben Wagen ihre Runden durch die engen Gassen. Rettungsfahrzeuge kämen im Ernstfall nicht durch. Ihre Forderung: ein nächtliches Fahrverbot an Wochenenden.
Einen Erfolg vermeldet die Initiative bereits. „Sie haben uns mit ganz traurigen Augen angesehen, weil sie nicht mehr im Kreis fahren durften.“ Und daher wird die nächste Demo bereits vorbereitet.
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