„Kärnten kann‘s“

Vom Modine-Geisterwerk zum Gailtaler Vorzeigepark

Kärnten
07.07.2026 12:00

Jahrelang war das Modine-Werk ein Symbol für den Niedergang im Gailtal. Heute rollen wieder Gabelstapler, entstehen Hightech-Ideen und wachsen viele neue Arbeitsplätze.

Als im November 2017 im Modine-Werk in Kötschach-Mauthen endgültig die Lichter ausgingen, verlor das Obere Gailtal nicht nur rund 150 Arbeitsplätze, sondern auch einen seiner wichtigsten Industriebetriebe.

Neun Jahre später ist aus der rund 16.000 Quadratmeter großen Produktionshalle wieder ein Ort voller Ideen, Handwerk und Innovation geworden. Der Industriepark Kötschach-Mauthen (IPK) ist heute eines der bemerkenswertesten Wirtschaftsprojekte Oberkärntens. „Aus der Industrie-Ruine ist ein pulsierender Wirtschaftsstandort geworden“, so Victoria Gailer, Geschäftsführerin von Landmaschinen Gailer im Gespräch mit der „Krone“.

Auch Holz-Händler Alexander Seiwald hat sich in der Modine-Halle einen eigenen Bereich ...
Auch Holz-Händler Alexander Seiwald hat sich in der Modine-Halle einen eigenen Bereich gesichert.(Bild: Hannes Wallner)
Der große Hofladen ist ein Selbstbedienungsladen, in dem es zahlreiche Produkte aus der Region ...
Der große Hofladen ist ein Selbstbedienungsladen, in dem es zahlreiche Produkte aus der Region gibt.(Bild: Hannes Wallner)
Maschinen Gailer ist eine Größe im Bereich der Land- und Forstwirtschaft – bis hin zu ...
Maschinen Gailer ist eine Größe im Bereich der Land- und Forstwirtschaft – bis hin zu Rasenmäh-Robotern.(Bild: Hannes Wallner)

Mehrere Unternehmer aus Kötschach-Mauthen beschlossen damals, nicht länger auf Hilfe von außen zu warten. Während der Corona-Pandemie mieteten sich nach und nach heimische Betriebe in den Hallen ein. Als allen klar wurde, welches Potenzial der Standort besitzt, schlossen sich die Unternehmer zusammen und kauften schließlich die alten Hallen und das ganze Areal.

Vielfalt als neues Erfolgsrezept fürs Areal
Der Erfolg ist heute sichtbar. Wo einst leere Hallen standen, arbeiten mittlerweile Unternehmen unterschiedlichster Branchen Tür an Tür. Neben Landmaschinen Gailer – einem der größten Landtechnikbetriebe im Alpen-Adria-Raum – sind Mauthen Bike, Alpenlack, AZ Holzbauservice, Hagebau Klaus, die Entwicklungsfirma dreiDP, das Technologieunternehmen Keba, das Ladestationen für E-Autos entwickelt, Essl Rucksack, Frugema sowie zahlreiche weitere Betriebe eingezogen. Selbst ein Selbstbedienungsladen mit regionalen Produkten gehört zum Industriepark.

„Gerade diese Vielfalt macht den Standort außergewöhnlich“, sagt Seniorchef Stefan Gailer. „Hier werden Maschinen verkauft, Fahrzeuge repariert, Holz verarbeitet, Sondermaschinen sowie Recyclinglösungen entwickelt und neue Technologien vorangetrieben.“

Technik für die nächste Generation
Ein Herzstück des Industrieparks sind die Karnischen Werkstätten. Mitten in der ehemaligen Lagerhalle entstand ein modernes Innovations- und Bildungszentrum. 3D-Drucker, Lasercutter, Roboter, Spritzgussanlagen und Plotter stehen Unternehmen ebenso zur Verfügung wie Schulen, Vereinen oder interessierten Privatpersonen. „Wir wollen Technik greifbar machen“, so Victoria Gailer.

Bei „dreiDP“ fertigen Lukas Strieder (Foto) und seine Team-Kollegen individuelle ...
Bei „dreiDP“ fertigen Lukas Strieder (Foto) und seine Team-Kollegen individuelle Fertigungs-Maschinen.(Bild: Hannes Wallner)
Zusammen mit zwei Freunden hat Bernd Bidner in der Halle Platz für eine Auto-Werkstatt gefunden.
Zusammen mit zwei Freunden hat Bernd Bidner in der Halle Platz für eine Auto-Werkstatt gefunden.(Bild: Hannes Wallner)
Neue E-Bikes und Fahrräder sowie ein spezielles Service gibt es bei Sandrio Hochenwarter.
Neue E-Bikes und Fahrräder sowie ein spezielles Service gibt es bei Sandrio Hochenwarter.(Bild: Hannes Wallner)

Regelmäßig finden Workshops statt, in denen Jugendliche und Erwachsene moderne Fertigungstechnologien kennenlernen können. Gemeinsam mit Schulen werden außerdem Projekte im Werkunterricht umgesetzt, um früh Begeisterung für Technik und Handwerk zu wecken.

Hightechlösungen aus dem Oberen Gailtal
Dass Hightech längst auch im Gailtal angekommen ist, zeigt die Firma dreiDP. Dort entstehen maßgeschneiderte Automatisierungslösungen für Industriebetriebe. „Wenn ein Unternehmen einen Produktionsschritt automatisieren möchte, entwickeln wir dafür die passende Maschine“, erklärt Mitarbeiter Lukas Strieder.

Nur wenige Meter entfernt hat sich mit Alpenlack ein weiterer junger Betrieb etabliert. Drei ehemalige Mitarbeiter eines Karosseriebetriebs wagten den Schritt in die Selbstständigkeit. „Wir bieten vom Service bis zur Karosserieinstandsetzung alle Arbeiten rund ums Auto an“, so Bernd Bidner.

Ein Vorbild für den ländlichen Raum
Für Stefan Gailer ist der Industriepark längst mehr als ein erfolgreiches Immobilienprojekt. „Gerade in einer Region wie dem Oberen Gailtal darf man nicht darauf warten, dass jemand kommt und etwas verändert. Man muss selbst anfangen.“ Und so zeigt der Industriepark Kötschach-Mauthen eindrucksvoll, was entstehen kann, wenn Unternehmer Verantwortung übernehmen und gemeinsam anpacken. Ein starkes Signal weit über das Gailtal hinaus.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung