Sie sind laut, rücksichtslos – und offenbar erschreckend beratungsresistent: Wiens Poser-Szene dreht weiter ihre Runden durch die Innenstadt, teils mit Autos, die gar nicht zugelassen sind. Zum dritten Mal in wenigen Wochen schlug die Polizei jetzt zu. Mit einer Bilanz, die fassungslos macht.
Mit steigenden Temperaturen strömen an den Abenden auch wieder die motorisierten Angeber mit ihren Autos in die Innenstadt. Nicht, um dort einzukaufen oder Essen zu gehen. Sie ziehen einfach ihre Runden und glauben, dass sich auch nur annähernd ein Mensch für ihre sie oder ihre fahrbaren Vehikel interessiert. Wird ihnen das schmerzlich bewusst, dann muss halt der Motor aufheulen. Wenigstens auf diese Weise könnte sich dann doch der eine oder andere zumindest erschrecken und einen Blick riskieren. Für Anrainer und City-Besucher mehr und mehr eine Zumutung.
Polizei wartete bereits
Auch an den vergangenen Tagen war es wieder einmal soweit. Doch die Polizei wartete bereits, als die Karawane der Möchtegerns wieder durch Rotenturmstraße, Hohen Markt und Tuchlauben rollte. Gemeinsam mit der Gruppe Sofortmaßnahmen, mehreren Magistratsabteilungen und dem AMS rückte die Exekutive zum bisher größten Planquadrat gegen die Wiener Poser-Szene aus.
35 schwere Mängel: Autos gar nicht straßentauglich
Das eigentlich Verblüffende kam, als zehn Fahrzeuge der Landesfahrzeugprüfstelle vorgeführt wurden: 35 schwere technische Mängel stellten die Experten fest. Viele Angeber-Autos waren also nicht für den Straßenverkehr zugelassen. Das hielt die Halter aber nicht davon ab, erneut auf dem Boulevard der Poser der Polizei ins Netz zu gehen. Die Bilanz dieser beeindruckenden Dämlichkeit: 80 Anzeigen, 43 Organmandate, 14 Kennzeichenabnahmen. Besonders pikant: Die Polizei hatte schon zweimal zuvor kontrolliert – mit 93 beziehungsweise 58 Anzeigen. Die Szene lernt es nicht.
Anrainer am Limit – Klage gegen die Stadt möglich
Für die Bewohner der Inneren Stadt ist das längst kein Geduldsspiel mehr. Roman H., seit Jahrzehnten auf den Tuchlauben zu Hause, hat einen Anwalt eingeschaltet und prüft eine Amtshaftungsklage gegen die Stadt Wien. Sein Vorwurf: Wenn die Protz-Karawane rollt, sind Feuerwache Am Hof und Polizeistelle Brandstätte faktisch abgeschnitten – Feuerwehr und Rettung kommen nicht durch. Bezirksvorsteher Markus Figl, der selbst vor Ort war: „Die Lebensqualität in der Inneren Stadt darf nicht durch rücksichtsloses Verhalten beeinträchtigt werden.“ Walter Hillerer von der Gruppe Sofortmaßnahmen kündigt bereits weitere Planquadrate an.
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