Kanada springt ein

NATO storniert große Bestellung von US-Flugzeugen

Außenpolitik
07.07.2026 11:26
Porträt von krone.at
Von krone.at

Eine symbolträchtige Ankündigung für Europas Luftverteidigung! Die NATO setzt bei der Erneuerung ihrer in Deutschland stationierten Flotte von Awacs-Aufklärungsflugzeugen („Airborne Warning and Control System“) künftig nicht auf US-Maschinen. 

Wie Generalsekretär Mark Rutte am Rande des NATO-Gipfels in Ankara ankündigte, sollen künftig Flugzeuge des kanadischen Herstellers Bombardier genutzt werden, die mit dem Aufklärungs- und Frühwarnsystem GlobalEye des schwedischen Rüstungskonzerns Saab ausgerüstet sind. Die Bestellung werde bis zu zehn Flugzeuge umfassen.

GlobalEye ermögliche die gleichzeitige Überwachung des Luftraums, des Seeraums und des Bodens von einer einzigen Plattform aus und verschaffe den militärischen Befehlshabern ein umfassendes Lagebild, erklärte Rutte. Das System könne unter anderem Drohnenschwärme, ballistische Raketen und Marschflugkörper aufspüren, verfolgen und identifizieren. Es wird auf Flugzeuge des Typs Bombardier Global 6000 oder Global 6500 installiert.

Alliierte wollten ursprünglich US-Flugzeuge kaufen
Ursprünglich hatte die NATO eigentlich US-Maschinen vom Typ Boeing E-7A Wedgetail bestellen wollen. Dieses Vorhaben wurde allerdings vorerst aufgegeben, nachdem die US-Regierung im vergangenen Sommer ihren Ausstieg aus dem Programm angekündigt hatte.

Die aktuellen Einsatzflugzeuge sind schon in die Jahre gekommen.
Die aktuellen Einsatzflugzeuge sind schon in die Jahre gekommen.(Bild: AP/Frank Augstein)

Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte dann bereits im vergangenen September gesagt, dass nach der geplanten Ausmusterung der Aufklärungsflugzeuge vom Typ Awacs für Deutschland auch das GlobalEye-System von Saab in Betracht komme. Deutschland wird nach dem Rückzug der USA voraussichtlich den größten Anteil der Kosten in Höhe von mehreren Milliarden Euro übernehmen.

Dass Boeing möglicherweise später auch noch einen Auftrag bekommt, ist nach Angaben aus NATO-Kreisen denkbar. Es habe zuletzt wieder Gespräche gegeben, heißt es.

US-Flugzeuge waren bisher Augen des Himmels
Bisher sind rund vier Jahrzehnte alte Flugzeuge vom Typ Boeing 707 Basis für das fliegende Radarsystem der NATO im Einsatz. Die Maschinen werden derzeit vor allem zur Überwachung des Luftraums im östlichen Europa eingesetzt.

Hauptstützpunkt der Flotte ist der NATO-Flugplatz Geilenkirchen bei Aachen (westdeutsches Bundesland Nordrhein-Westfalen). Sie besteht derzeit aus 14 Maschinen und war an allen großen NATO-Einsätzen beteiligt, zum Beispiel an denen zum Kampf gegen den Terrorismus und im Kosovokrieg.

Die Awacs sind mit ihrem pilzförmigen Radaraufbau in der Lage, andere Luftfahrzeuge in mehr als 400 Kilometern Entfernung zu orten und zu identifizieren. Die von ihnen gewonnenen Informationen können die Flugzeuge über Datenlinks in nahezu Echtzeit an Kräfte am Boden, auf See oder in der Luft weitergeben. Damit können sie auch als fliegende Gefechtsleitstände eingesetzt werden.

Jahrzehntelang seien die Awacs die Augen des Bündnisses im Himmel gewesen, sagte Rutte bei der Ankündigung. Mittlerweile erreichen sie aber das Ende ihrer Nutzungsdauer.

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