Massive Aufrüstung

Kanada kauft zwölf deutsche U-Boote

Außenpolitik
06.07.2026 16:47

Kanadas marode U-Boot-Flotte – lediglich eines der vier U-Boote der Victoria-Klasse ist derzeit seetüchtig – soll nun schlagkräftiger werden. Ein vom deutschen ThyssenKrupp Marine Systems geführtes Konsortium hat den Zuschlag erhalten, zwölf neue U-Boote zu bauen. Ein Auftragsvolumen von 61 Milliarden Euro wird kolportiert.

Premierminister Mark Carney verkündete am Montag, noch vor seiner Abreise zum NATO-Gipfel in Ankara, einen der größten Rüstungsgeschäfte in der Geschichte Kanadas. bild.de schreibt von „reinen Beschaffungskosten“ in der Höhe von 13 bis 20 Milliarden Euro. Wartung, Betrieb und Modernisierung über mehrere Jahrzehnte kämen aber noch hinzu.

Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz hat den kanadischen Premier Mark Carney (li. hinten ...
Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz hat den kanadischen Premier Mark Carney (li. hinten gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump, dem indischen Premier Narendra Modi und der japanischen Regierungschefin Sanae Takaichi beim G7-Gipfel im französischen Évian-les-Bains) offenbar von den Qualitäten deutscher U-Boote überzeugt.(Bild: AFP/ISABEL INFANTES)

Massives Lobbying mit norwegischer Hilfe
Die deutsche Bundesregierung hatte in den vergangenen Monaten massiv Lobbying für ThyssenKrupp Marine Systems betrieben und dabei auch die norwegische Regierung im Schlepptau gehabt. Denn die beiden Länder kooperieren schon seit Längerem beim Bau von Super-U-Booten. Der deutsche Hersteller stach bei dem Geschäft einen südkoreanischen Konkurrenten aus.

Kanada will erstmals dauerhafte Abschreckungsfähigkeit haben
Mit den neuen U-Booten des Typs 212CD – dieses Modell haben Deutschland und Norwegen für die gemeinsame Nutzung enwickelt – soll die kanadische Marine erstmals eine dauerhafte Abschreckungsfähigkeit in der Arktis erhalten, wo Russland und China immer aktiver werden. Gleichzeitig sollen mit dem Mega-Deal auch die Rüstungsausgaben des nordamerikanischen Staates erhöht und das von den USA geforderte Ziel erreicht werden, bis 2035 fünf Prozent des BIP in Verteidigung zu investieren.

Kanada bezieht bisher rund 80 Prozent seiner Militärgüter aus den USA. Das Verhältnis ist aber seit dem neuerlichen Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump schwer belastet. Neben Zöllen wird das Verhältnis auch von Trumps mehrfach geäußertem Wunsch strapaziert, Kanada als 51. US-Staat einzugliedern.

Neue U-Boot-Klasse speziell für Einsatz unter Eis ausgelegt
TKMS zählt zu einem der weltweit führenden Unternehmen im Bau nicht nuklear betriebener U-Boote. Nach früheren Angaben von TKMS will Kanada die ersten neuen Boote spätestens 2035 in Betrieb nehmen. Zuletzt hatte sich aber angedeutet, dass eine erste Auslieferung früher erfolgen könnte. Die High-Tech-Boote will die Werft sowohl am Stammsitz in Kiel als auch in der zweiten Werft in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern bauen. Dort will das Unternehmen bis zu 1500 Arbeitsplätze schaffen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mehr als 9100 Beschäftigte, darunter rund 3300 in Kiel. Weiterer Standort neben Kiel und Wismar ist Itajaí in Brasilien.

Deutschland nutzt aktuell sechs U-Boote der Vorgängerklasse 212A, die 56 Meter lang sind. Die neuen U-Boote werden dagegen etwa 72 Meter lang sein. Die neue Klasse verfügt über eine verbesserte Sensorik für die Erkennung möglicher Gegner unter und auf dem Wasser. Die Boote sollen mit jeweils 30 Besatzungsmitgliedern fahren. Sie sind laut TKMS speziell für den Einsatz in der Arktis und unter Eis ausgelegt.

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