Kein Engpass erwartet

Alle Parteien für Verlängerung der Gasreserve

Innenpolitik
06.07.2026 11:17
Porträt von krone.at
Von krone.at

Am heutigen Montag hat der Nationalrat die Verlängerung der strategischen Gasreserve beschlossen – und zwar mit den Stimmen aller Parteien. Derzeit seien die Gasspeicher wieder zu 54 Prozent voll, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖPV).

Vor vier Jahren war die strategische Reserve für Erdgas nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine eingeführt worden. Die Menge von 20 Terawattstunden (TWh) reicht für bis zu zwei Wintermonate. Nun wurde die Reserve, wie bereits angekündigt, bis 2029 verlängert. Sie läuft bis zum 1. April 2029 und kostet insgesamt geschätzt 240 Millionen Euro. Da eine Zweidrittelmehrheit nötig war, appellierte Hattmannsdorfer vor der Abstimmung an FPÖ und Grüne, zuzustimmen. „Versorgungssicherheit ist eine staatspolitische Aufgabe über Parteigrenzen hinweg“, sagte er.

Die Gasspeicher sind hierzulande derzeit etwa zu 55 Prozent gefüllt, wie aus der AGSI-Datenbank von Gas Infrastructure Europe (GIE) hervorgeht. Das entspricht rund 55,17 Terawattstunden, was unter dem Jahresverbrauch in Österreich (etwa 75 TWh) liegt. Ein Teil der eingelagerten Gasmengen ist für Unternehmen und geschützte Kunden wie soziale Dienste oder Krankenhäuser reserviert. Rund neun TWh der Ende Juni eingespeicherten Menge waren laut der Regulierungsbehörde E-Control mit hoher Wahrscheinlichkeit für den österreichischen Markt vorgesehen.

 In der gesamten EU liegt der Speicherfüllstand derzeit bei rund 50 Prozent. 

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Versorgungssicherheit ist eine staatspolitische Aufgabe über Parteigrenzen hinweg.

Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer appelliert an Grüne und FPÖ, der Verlängerung der Gasreserve zuzustimmen

Europas Raffinerien produzieren mehr Kerosin
Bei Kerosin ist der Lagerbestand im Mai um 56,6 Prozent gegenüber April gestiegen, bei Diesel um 36 Prozent. Hattmannsdorfer hatte zuvor einen Diesel- und Kerosinengpass für Mai prognostiziert, der aber nicht eingetreten war. Nun teilte das Wirtschaftsministerium mit, dass weder bei Diesel noch bei Kerosin von einem Mangel in Österreich auszugehen sei.

Laut Angaben von Shell haben die Raffinerien in Europa nach der Schließung der Straße von Hormuz ihre Produktion angepasst, um möglichst viel Kerosin (Jet A-1) erzeugen zu können. Der Kriegsbeginn im Iran hatte in ganz Europa zur zweiten Energiekrise innerhalb von vier Jahren geführt. Die Folgen waren erneut hohe Preise für Benzin, Diesel und Erdgas.

Verbrauch gesunken
Die Regulierungsbehörde E-Control teilte mit, dass der Gasverbrauch in Österreich im Mai deutlich gesunken sei. Im Vergleich zum Vorjahresmonat haben die Menschen hierzulande um 8,7 Prozent weniger Gas verbraucht. Im Mai sei weniger Gas aus dem benachbarten Ausland importiert und auch weniger exportiert worden, heißt es.

Kerosin-Notreserven wohl nötig
Laut dem Wirtschaftsministerium können die Gasspeicher bis zum Jahresende noch zu 80 Prozent voll werden, wenn sich die Einspeicherrate nicht verändert. Auch bei Kerosin sei der Verbrauch im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückgegangen. „Rund 15 bis 20 Prozent des EU-Verbrauchs stammten aus dem Persischen Golf, Ersatzlieferungen aus den USA und Nigeria kompensierten bisher rund die Hälfte der ausgefallenen Mengen. Im Best Case einer Öffnung ab Juli bleibt ein Engpass aus, erfordert aber den Einsatz von europäischen Kerosin-Notreserven“, teilte das Wirtschaftsministerium am Sonntag in einer Aussendung mit.

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