Am heutigen Montag will der Nationalrat die Verlängerung der staatlichen Gasreserve beschließen. Dafür ist eine Zweidrittelmehrheit nötig. Derzeit seien die Gasspeicher wieder zu 54 Prozent voll, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖPV).
Bei Kerosin sei der Lagerbestand im Mai um 56,6 Prozent gegenüber April gestiegen, bei Diesel um 36 Prozent. Hattmannsdorfer hatte zuvor einen Diesel- und Kerosinengpass für Mai prognostiziert, der aber nicht eingetreten war. Nun teilte das Wirtschaftsministerium mit, dass weder bei Diesel noch bei Kerosin von einem Mangel in Österreich auszugehen sei.
Laut Angaben von Shell haben die Raffinerien in Europa nach der Schließung der Straße von Hormuz ihre Produktion angepasst, um möglichst viel Kerosin (Jet A-1) erzeugen zu können. Der Kriegsbeginn im Iran hatte in ganz Europa zur zweiten Energiekrise innerhalb von vier Jahren geführt. Die Folgen waren erneut hohe Preise für Benzin, Diesel und Erdgas.
Versorgungssicherheit ist eine staatspolitische Aufgabe über Parteigrenzen hinweg.
Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer appelliert an Grüne und FPÖ, der Verlängerung der Gasreserve zuzustimmen
Strategische Reserve seit 2022
Vor vier Jahren war die strategische Reserve für Erdgas nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine eingeführt worden. Die Menge von 20 Terawattstunden (TWh) reicht für bis zu zwei Wintermonate. Nun soll die Reserve nach den Plänen der Regierung bis 2029 verlängert werden. Da eine Zweidrittelmehrheit nötig ist, appellierte Hattmannsdorfer an FPÖ und Grüne, zuzustimmen. „Versorgungssicherheit ist eine staatspolitische Aufgabe über Parteigrenzen hinweg“, sagte er.
Die Regulierungsbehörde E-Control teilte mit, dass der Gasverbrauch in Österreich im Mai deutlich gesunken sei. Im Vergleich zum Vorjahresmonat haben die Menschen hierzulande um 8,7 Prozent weniger Gas verbraucht. Im Mai sei weniger Gas aus dem benachbarten Ausland importiert und auch weniger exportiert worden, heißt es.
Kerosin-Notreserven wohl nötig
Laut dem Wirtschaftsministerium können die Gasspeicher bis zum Jahresende noch zu 80 Prozent voll werden, wenn sich die Einspeicherrate nicht verändert. Auch bei Kerosin sei der Verbrauch im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückgegangen. „Rund 15 bis 20 Prozent des EU-Verbrauchs stammten aus dem Persischen Golf, Ersatzlieferungen aus den USA und Nigeria kompensierten bisher rund die Hälfte der ausgefallenen Mengen. Im Best Case einer Öffnung ab Juli bleibt ein Engpass aus, erfordert aber den Einsatz von europäischen Kerosin-Notreserven“, teilte das Wirtschaftsministerium am Sonntag in einer Aussendung mit.
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