Außerhalb der Landeshauptstadt reibt man sich ungläubig die Augen – in Graz aber wundert der gestrige Erdrutschsieg der kommunistischen Bürgermeisterin kaum jemanden. Warum das so ist.
Eine Kommunistin, die jeden dritten Wähler von ihrer Politik begeistern kann: Das gibt es nur in Graz. Doch so wirklich wundert das keinen mehr. Die steirische Hauptstadt ist und bleibt anders, ein politisches Chamäleon, eine dunkelrote Exklave in einem dunkelblauen Land.
Wie ist Kahrs Triumphzug an der Mur zu erklären, außer, dass sie eine sympathische Frau ist? Nun, offensichtlich reicht es den mittlerweile völlig politikverdrossenen Menschen in unserem Land, wenn man sich als alles Mögliche gibt: nur nicht als Politiker(in). Kahr geht als die liebe Nachbarin von nebenan durch, die gerne Kuchen vorbeibringt, als die Hausmeisterin, die im Gemeindebau die Glühbirnen kontrolliert, als gute Freundin, bei der man sich ausweinen kann, wenn einem das Leben übel mitspielt.
Als Politikerin wird „die Elke“ von der Bevölkerung nicht wahrgenommen, und sie will es auch nicht. Kahr geht auf keine Opernredoute und lässt sich nicht vor dem Rathaus fotografieren – das könnte abgehoben wirken. Den Grazern reicht es, wenn ihre Stadt solide verwaltet wird, möglichst ohne viel Getöse und skandalfrei.
Graz hat nicht die Veränderung gewählt, sondern dass alles so bleibt, wie es ist.
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