15 Wohnungen in Wien

Chance auf Neustart für Mütter nach dem Gefängnis

Wien
25.06.2026 19:00

Rund sieben Prozent der österreichischen Häftlinge sind weiblich, einige von ihnen Mütter mit kleinen Kindern. In der Resozialisierung wurden sie bisher großteils übersehen. Nun gibt es in Wien das erste Mutter-Kind-Haus, das ihnen – und so auch ihren Kindern – eine neue Chance bietet.

Schon bisher fanden Frauen in Not in der Wiener Burggasse eine Anlaufstelle: Die St. Elisabeth-Stiftung der Erzdiözese Wien bietet dort neben anderen sozialen Angeboten auch Müttern mit Kindern Obdach – ab nun auch solchen, die direkt aus dem Gefängnis kommen. Nicht zuletzt soll so auch den Kindern dieser Frauen geholfen werden, die es ohne jede Schuld weit schwerer im Leben haben als andere.

Erstes maßgeschneidertes Angebot in Österreich
In Justizanstalten sind Mütter mit obsorgepflichtigen Kindern eine Minderheit innerhalb einer Minderheit: Dass sie unter den verhältnismäßig wenigen weiblichen Strafgefangenen noch einmal nur einen Bruchteil ausmachen, führte bisher auch zu einem Mangel an maßgeschneiderten Hilfsangeboten, damit sie ihr Leben nach der Haft wieder in den Griff bekommen. Nicht umsonst unterstützt neben der privatwirtschaftlichen Collegialität-Stiftung auch das Justizministerium das somit erste Mutter-Kind-Haus Österreichs für haftentlassene Frauen. 

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Es geht nicht nur um die Frauen und Kinder, sondern auch die Sicherheit unserer Gesellschaft, weil erfolgreiche Resozialisierung Rückfälle verhindert.

Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ)

Im Haus „Justitia Collegialität“ geht es nicht nur um die 15 Wohneinheiten für Mütter mit jeweils ein bis drei Kindern. Fast noch mehr geht es um ein engmaschiges Betreuungsnetz, das den Frauen beim Meistern ihrer ganz speziellen Herausforderungen helfen soll: Sozialarbeit, Arbeitsintegration und stabile Lebensverhältnisse und Angebote zur Stärkung der Mutter-Kind-Beziehung sollen Rückfälle und so auch Kindesabnahmen und damit einen Kreislauf der Belastungen in der nächsten Generation vermeiden.

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Es ist unsere Kernaufgabe als Kirche, Menschen am Rand der Gesellschaft zu begleiten und ihnen zu zeigen: Wichtiger als deine Vergangenheit ist deine Zukunft.

Wiens Erzbischof Josef Grünwidl

Fünf der Wohneinheiten sind schon belegt, für vier weitere gibt es bereits Kandidatinnen. Bevor sie einziehen, werden mehrere Gespräche mit ihnen geführt, um festzustellen, ob das Angebot für beide Seiten passt. Ein striktes Tabu gibt es nur für suchtkranke Frauen, die an diesem Problem nicht arbeiten wollen, und für Frauen, deren Haftgrund mit Kindesmisshandlung zu tun hatte.

Weil es bei Hilfe für haftentlassene Mütter eben nicht nur um die Mütter allein geht, ist Nicole Meissner von der St. Elisabeth-Stiftung von dem neuen Hilfsangebot überzeugt: „Was hier im Kleinen beginnt, wirkt weit in unsere Gesellschaft hinein.“ Es gehe um das Schaffen eines „Orts der Sicherheit, Orientierung und Zuversicht“ – für viele der Frauen und ihre Kinder zum ersten Mal in ihrem Leben.

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