Rüstungsmesse

Autonome Panzer ohne Personal auf dem Vormarsch

Digital
19.06.2026 12:33
Porträt von krone.at
Von krone.at

Europas Rüstungsbranche setzt verstärkt auf autonome Militärfahrzeuge ohne Fahrer. Mit KI-Funktionen ausgestattet, kurven die Panzer und Multifunktionsfahrzeuge selbstständig durch das Gelände, um Minen zu räumen, Verwundete zu bergen oder Nachschub zu liefern. Bewaffnet sind manche dieser Fahrzeuge auch: Mit Bordkanone oder Raketenwerfer sollen etwa Drohnen abgeschossen werden.

Auf der Rüstungsmesse Eurosatory, die am Freitag bei Paris endet, stellten Hersteller solche Fahrzeuge vor, von den deutschen Firmen Rheinmetall und Renk bis hin zur estnischen Firma Milrem Robotics. Auch Otokar aus der Türkei war vor Ort; das Unternehmen hatte schon 2024 einen autonomen Kettenpanzer mit Kanone an Bord präsentiert. Die britische Tochter der US-Firma General Dynamics hat ein autonomes Multifunktionsfahrzeug im Portfolio, das mit Maschinengewehr und Granatwerfer bestückt werden kann.

  Im Fachjargon geht es um „Unmanned Ground Vehicles“ (UGV), also das Gegenstück zu Drohnen in der Luft. Rheinmetall hat ein autonomes Minenräumfahrzeug sowie ein Multifunktionsfahrzeug namens Mission Master entwickelt. Der Mission Master ist mit Kameras und Sensoren ausgestattet, er soll der Truppe an der Front Nachschub bringen oder Verwundete aus dem Gefechtsfeld holen. Landen Soldaten an der Küste, kann er als amphibisches Fahrzeug mitschwimmen und militärische Ausrüstung an Land bringen.

Milrem Robotics aus Tallinn stellt einen Mini-Panzer her, der bis zu 20 km/h schnell ist und mit Zuladung knapp drei Tonnen wiegt. Er ist zweieinhalb Meter lang und zwei Meter breit. Die Firma bewirbt das bereits bei NATO-Armeen eingesetzte Fahrzeug als kosteneffizient und robust, eine Bordkanone soll Drohnen zerstören.

Demonstration des autonomen Transportfahrzeuges „Probot“.
Demonstration des autonomen Transportfahrzeuges „Probot“.(Bild: APA/AFP/Kenzo TRIBOUILLARD)

NATO sieht Technologie positiv
Die NATO hat das Potenzial autonomer Fahrzeuge erkannt. In einem Bericht eines Gremiums des Verteidigungsbündnisses von 2025 heißt es, unbemannte Systeme könnten besonders da von Nutzen sein, wo sie Menschen aus gefährlichen Situationen heraushielten. Es gehe um Aufklärung, Minenräumung, Munitionstransport und Nachschub. UGVs könnten in Hochrisiko-Situationen mit Waffen ausgerüstet werden.

„Das würde letzten Endes Soldaten schützen, indem man sie aus dem Gefahrenumfeld herausnimmt“, heißt es in dem Bericht mit dem Titel „Die Zukunft der unbemannten Kriegsführung meistern“.

  Verstärkt wurde der Trend zu UGVs durch den Ukraine-Krieg. Dort werden nicht nur massenhaft Drohnen in der Luft eingesetzt, sondern es kommen auch unbemannte Bodensysteme zur Anwendung.

Sorgen von Friedensaktivisten
Pazifisten sehen den Trend zu autonomen Militärfahrzeugen mit Bauchschmerzen. Die Technologie könne zwar sinnvoll eingesetzt werden, wenn dadurch Verwundete geborgen und Minen sicher entschärft werden, sagt Marius Pletsch von der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen. „Aber das Zurschaustellen dieser Verwendungszwecke scheint eher eine Beruhigungspille für die öffentliche Debatte zu sein.“

Man beobachte ein großes Interesse von Rüstungsfirmen und Militärs, die autonomen Fahrzeuge zu bewaffnen und diese Waffengewalt perspektivisch im größeren Stil einsetzen zu können. Die Entscheidung, wer oder was Ziel eines Angriffes wird, dürfe nicht an Maschinen delegiert werden. Genau das drohe aber mit der Beschleunigung der Kriegsführung durch mehr Autonomie in Waffensystemen. Pletsch hofft auf klare Leitlinien von den Vereinten Nationen.

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