Wegen Siedlergewalt
Militär sperrt christliches Dorf im Westjordanland
Wegen wiederholter Angriffe durch rechtsextreme israelische Siedler hat Israels Armee nun das Dorf Taybeh im Westjordanland zu einer geschlossenen militärischen Zone erklärt. So soll die dort lebende christlich geprägte Bevölkerung geschützt werden.
Denn die Sperre gilt nur für Nicht-Einwohner und damit für Israelis. Taybeh liegt etwa 15 Kilometer nordöstlich von Ramallah und ist mit rund 1300 bis 1400 Einwohnern das letzte vollständig christliche palästinensische Dorf im Westjordanland. Der Ort ist historisch bedeutsam: Im Neuen Testament wird die Gegend mit Ephraim in Verbindung gebracht, wohin sich Jesus vor seiner Kreuzigung zurückgezogen haben soll. Taybeh besitzt drei Kirchen verschiedener Konfessionen sowie die Ruinen einer byzantinischen Kirche aus dem 5. Jahrhundert.
Pfarrer appelliert an die Welt: „Vergesst uns nicht!“
Das Dorf ist zwar kein typischer Schauplatz des israelisch-palästinensischen Konflikts ist. Die Bewohner beklagen aber, dass ihnen der Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen zunehmend erschwert werde und sie auch bedroht würden. Erst vor wenigen Tagen meldete sich der örtliche Pfarrer Bahsar Fawadleh in einem Interview mit der Nachrichtenseite „Vatican News“ mit einem dringenden Appell an die internationale Gemeinschaft: „Vergesst uns nicht. Lasst uns nicht allein!“ Fawadleh sieht in den Angriffen keine Reihe von Einzelfällen, sondern eine „Strategie der Schikane“, die Angst verbreiten und palästinensische Familien zum Verlassen ihres Landes bewegen solle.
Im seit 1967 von Israel besetzten Westjordanland leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 Israelis. Seit dem Großangriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 kommt es auch im Westjordanland verstärkt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.









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