Dass Volkswagen seit Jahren gegen einen Abwärtstrend zu kämpfen hat, ist kein Geheimnis. Eine interne Umfrage unter den mächtigsten Managern des Konzerns kommt jedoch besonders explosiv daher. Der Zustand des Autogiganten ist offenbar noch kritischer als angenommen ...
Wie das „Manager-Magazin“ enthüllte, haben selbst Vorstand und Aufsichtsrat massive Zweifel am Zustand und Kurs des Autogiganten. Die Ergebnisse einer anonymen Befragung, die bereits Ende 2025 stattgefunden haben soll, sind alarmierend: Sechs von neun Konzernvorständen stuften das Unternehmen als „existenzgefährdet“ ein. Die übrigen drei bezeichneten die Lage immerhin als „angespannt“.
Umfrage sorgt für VW-Beben
Der eigentliche Zweck der ungewöhnlichen Erhebung war es, den internen Zusammenhalt an der Konzernspitze zu messen. Die Antworten fielen jedoch weitaus dramatischer aus als erwartet und deckten auch interne Unstimmigkeiten über die unmittelbare Zukunft auf.
Einig sei man sich nur in der extrem kritischen Sicht auf den Konzern. Wie der Weg aus der Misere bestritten werden soll, ist offenbar unklar. Radikal müsse er aber sein. Vier Vorstandsmitglieder gaben an, dass sich die Top-Manager uneinig seien. Vier weitere meinten, man sei sich nur in wesentlichen Fragen einig. Ein ähnliches Bild der Zerstrittenheit zeigte sich im Aufsichtsrat.
Insbesondere die bisherigen Konzepte für die entscheidenden Märkte in China und Nordamerika wurden dem Bericht zufolge als mangelhaft bewertet. Die schonungslose Analyse wurde von der Boston Consulting Group aufbereitet und von Konzern-Chef Oliver Blume dem Aufsichtsrat im April vorgelegt. Das Fazit: Der Konzern sei zu groß, zu teuer und ineffizient.
Werke in Deutschland auf dem Prüfstand
Das bisherige Geschäftsmodell sei aus der Zeit gefallen, wird zunehmend auch öffentlich betont. In Deutschland entwickeln, in Europa bauen und in der Welt verkaufen – diese Zeiten sind auch laut Blume im VW-Konzern vorbei.
Besonders kostenintensive deutsche Werke wie jene in Emden, Zwickau, das Nutzfahrzeugwerk in Hannover und die Audi-Fabrik in Neckarsulm geraten zunehmend ins Visier – was auch unmittelbare Auswirkungen auf die österreichische Zuliefererindustrie hat.
Diese schonungslose interne Abrechnung gewinnt zusätzlich an Brisanz, da sie in eine Phase fällt, in der mehrere Marken des Konzerns enttäuschende Quartalszahlen vorlegen mussten. Diese Abwärtsspirale führte in jüngster Vergangenheit auch zu einem kontinuierlichen Absturz der VW-Aktie. Das Wertpapier ist heute knapp 60 Prozent weniger wert als noch vor fünf Jahren.
Kerngeschäft in China leidet
„Der chinesische Automobilmarkt steht unter zunehmendem Druck“, teilte der Volkswagen-Konzern in Peking kürzlich mit. Zudem sei nicht zu erwarten, dass sich der Markt im Jahresverlauf erhole und Verluste wieder aufgeholt werden könnten. Die Wolfsburger rechnen damit, dass der Gesamtmarkt für Neufahrzeuge auf unter 21 Millionen Fahrzeuge zurückgehen wird.
„Die Volkswagen Group China kann sich diesem Trend nicht entziehen. Wir passen unsere Pläne entsprechend an“, erklärte Deutschlands größter Autobauer. Zuvor hatte Chinas Verband für Personenkraftwagen (CPCA) für die ersten fünf Monate dieses Jahres einen Absatzrückgang von 19,5 Prozent verglichen mit demselben Vorjahreszeitraum vermeldet.
Als Gründe für die Marktentwicklung führte Volkswagen Änderungen in der Förder- und Steuerpolitik, steigende Kraftstoffpreise und den anhaltenden Preiswettbewerb an, die das Verbrauchervertrauen beeinflusst und die Gesamtnachfrage belastet hätten.
Wie soll es also weitergehen?
Zwar will der Konzern in den nächsten fünf Jahren global 160 Milliarden Euro investieren, was weniger ist als früher. Doch sowohl im Vorstand als auch im Aufsichtsrat bestehen erhebliche Zweifel, ob diese Summe ausreicht, um die gewaltigen Herausforderungen zu stemmen.
Die Blicke richten sich nun auf die Aufsichtsratssitzung am 9. Juli, bei der es um weitere Kostensenkungen gehen dürfte. Finanzchef Arno Antlitz kündigte bereits im April an: „In den kommenden Monaten müssen Entscheidungen getroffen werden. Wir wollen bis zum Sommer konkreter werden.“
Was genau beschlossen wird, ist offen. Die Enthüllung der internen Kritik könnte auch ein strategischer Schachzug sein, um den Boden für harte Reformen zu bereiten und den Druck auf die Arbeitnehmerseite zu erhöhen, berichtet die gut vernetzte „Wolfsburger Allgemeine“. Aus Unternehmenskreisen wurde die Echtheit der Umfrage zumindest bestätigt.
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