Erstaunlicher Effekt

Die blaue Potenzpille könnte Krebs schlapp machen

Wissen
03.08.2026 21:18
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die kleine blaue Pille ist seit Jahrzehnten vor allem als Mittel gegen Erektionsstörungen bekannt. Nun sorgt Sildenafil, der Wirkstoff von Viagra, aus einem ganz anderen Grund für Aufmerksamkeit: Forscher haben nun Hinweise gefunden, dass das Medikament die Fähigkeit von Krebszellen zur Ausbreitung im Körper beeinträchtigen könnte. Von einer neuen Krebstherapie ist allerdings noch lange nicht die Rede.

Ein Forschungsteam unter anderem vom Weizmann-Institut für Wissenschaft in Israel und dem US-amerikanischen National Cancer Institute untersuchte, wie sogenannte PDE5-Hemmer wie Sildenafil auf Krebszellen wirken. Im Mittelpunkt stand dabei nicht in erster Linie die Frage, ob ein Tumor kleiner wird, sondern ob sich Krebszellen schlechter im Körper ausbreiten können.

Krebszellen bekommen Probleme mit Cholesterin
Die Forscher stießen auf einen bislang wenig beachteten Vorgang. Sildenafil verändert in den untersuchten Zellen den Umgang mit Cholesterin. Vereinfacht gesagt sorgt der Wirkstoff dafür, dass sich Cholesterin in bestimmten kleinen Zellbestandteilen, den sogenannten Lysosomen, ansammelt und dort schlechter weitertransportiert wird.

Dadurch steht an anderen Stellen der Zelle weniger Cholesterin zur Verfügung. Das kann wichtige Funktionen der Krebszellen beeinträchtigen – unter anderem jene, die sie benötigen, um sich fortzubewegen und neue Bereiche des Körpers zu besiedeln.

Auswirkung vor allem im Frühstadium
Genau diese Ausbreitung von Krebszellen wird als Metastasierung bezeichnet. Die Forscher beobachteten in Experimenten mit menschlichen Krebszellen und Mäusen, dass Sildenafil die Wanderung der Krebszellen und die Bildung von Metastasen deutlich verringerte. Untersucht wurden dabei unter anderem Modelle für Brust-, Lungen-, Dickdarm- und Prostatakrebs.

Der Effekt auf den ursprünglichen Tumor fiel dagegen deutlich geringer aus. Die Ergebnisse deuten somit vor allem auf einen möglichen Einfluss auf die Ausbreitung von Krebs hin – nicht auf eine allgemein wirksame Behandlung von Tumoren.

Eine Kombination besonders interessant
Die Wissenschaftler untersuchten außerdem, was passiert, wenn Sildenafil mit Statinen kombiniert wird. Diese Medikamente werden eingesetzt, um den Cholesterinspiegel zu senken.

Die Idee dahinter: Sildenafil erschwert in den untersuchten Zellen den Abtransport von Cholesterin, während Statine gleichzeitig dessen Neubildung bremsen. In den Experimenten zeigte die Kombination einen zusätzlichen Effekt gegen die Ausbreitung der Krebszellen.

Auch Gesundheitsdaten liefern Hinweise
Neben den Labor- und Tierversuchen werteten die Forscher Gesundheitsdaten von rund fünf Millionen Versicherten des israelischen Gesundheitsdienstes Clalit aus. Darunter waren etwa 40.000 Männer mit einer Krebserkrankung.

Dabei zeigte sich: Krebspatienten, die Sildenafil eingenommen hatten – meist wegen Erektionsstörungen -, wiesen in den ausgewerteten Daten bessere Überlebensraten auf. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei jenen, die zusätzlich Statine einnahmen.

Noch keine Krebstherapie
Allerdings ist dieser Teil der Untersuchung entscheidend einzuordnen: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Die Daten zeigen einen Zusammenhang, beweisen aber nicht, dass Sildenafil für die längere Überlebenszeit verantwortlich war. Es könnten auch andere Unterschiede zwischen den Patientengruppen eine Rolle spielen.

Die Forscher selbst sprechen deshalb lediglich von einer möglichen Strategie, um die Ausbreitung von Krebs einzuschränken. Eine zugelassene Anwendung von Sildenafil zur Vorbeugung oder Behandlung von Metastasen gibt es nicht.

Jetzt müssen weitere Studien her
Auch abgeschlossene große klinische Studien, die einen solchen Nutzen beim Menschen eindeutig belegen würden, liegen bislang nicht vor. Die bisherigen Ergebnisse stammen aus Zell- und Tierversuchen sowie aus der Auswertung bereits vorhandener Gesundheitsdaten.

Bevor Sildenafil tatsächlich als Mittel gegen die Ausbreitung von Krebs eingesetzt werden könnte, müssten klinische Studien klären, ob der beobachtete Effekt beim Menschen tatsächlich besteht, für welche Patienten er relevant wäre, welche Dosierung sinnvoll wäre und wie sich der Wirkstoff mit bestehenden Krebstherapien kombinieren lässt.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung