Gelsen als Überträger

Mysteriöses Rindervirus in Süddeutschland entdeckt

Ausland
03.08.2026 20:38
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein bislang unbekanntes Virus sorgt bei Rindern in Süddeutschland für Aufsehen. Die Tiere leiden unter Fieber und Durchfall, bei Milchkühen geht zudem die Milchleistung zurück. Besonders brisant: Der von Mücken übertragene Erreger könnte für ungeborene Kälber weitreichende Folgen haben – und seine weitere Ausbreitung ist derzeit schwer abzuschätzen.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit in Deutschland, hat den Erreger in Proben aus vier betroffenen Rinderbeständen in Baden-Württemberg nachgewiesen. Es handelt sich um ein bislang nicht näher charakterisiertes Orthobunyavirus aus der sogenannten Simbu-Serogruppe. Viren dieser Gruppe kommen vor allem in Afrika, Asien und Australien vor.

Übertragen wird der Erreger durch blutsaugende Gnitzen der Gattung Culicoides. Ähnliche Erkrankungen bei Rindern waren zuvor bereits in der Schweiz und Frankreich aufgefallen. Im Juli wurden dann zahlreiche betroffene Bestände in Süddeutschland gemeldet, insbesondere in Baden-Württemberg.

Ähnlichkeiten mit bekanntem Schmallenberg-Virus
Die Symptome erinnerten zunächst an das Schmallenberg-Virus (SBV), das 2011 nach Deutschland gelangte und in den folgenden Jahren vor allem bei Schafen für Fehlgeburten und Missbildungen sorgte. Damals waren mehr als 2000 Höfe betroffen.

Das nun nachgewiesene Virus gehört ebenfalls zur Simbu-Serogruppe. Untersuchungen des FLI ergaben schließlich eine große genetische Übereinstimmung mit sogenannten Shamonda-Viren. Das Institut bezeichnet den neuen Erreger daher als „Shamonda-like“, also „Shamonda-ähnlich“.

Infektionen mit Viren dieser Gruppe betreffen überwiegend Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen. Antikörper wurden außerdem bei Alpaka, Bison sowie verschiedenen Wildtierarten nachgewiesen.

Gefahr für ungeborene Kälber
Bei erwachsenen Tieren verlaufen Infektionen mit Viren dieser Gruppe normalerweise mild bis moderat. Besonders aufmerksam beobachten die Forscher jedoch mögliche Folgen während einer Trächtigkeit. Je nachdem, wann sich ein Tier infiziert, können bei verwandten Viren Aborte, Totgeburten und schwere angeborene Fehlbildungen auftreten.

Ob solche Folgen auch beim jetzt entdeckten „Shamonda-like“-Virus auftreten, ist allerdings noch offen. Das FLI untersucht diese Frage derzeit.

Auch eine weitere Ausbreitung wird erwartet. Da die entsprechenden Gnitzen noch bis November aktiv sind, könnte sich der Erreger weiter und möglicherweise rasch verbreiten. „Wir wissen noch nicht genau, welches Potenzial das Virus in sich trägt“, sagte eine Sprecherin des FLI. Möglich sei daher auch die Entwicklung eines Impfstoffs.

Für Menschen derzeit kein relevantes Risiko
Nach bisherigem Kenntnisstand besteht für Menschen kein relevantes Infektionsrisiko. Das FLI betont allerdings, dass diese Frage noch genauer untersucht werden müsse.

Für Österreich sind derzeit keine bekannten Fälle des neuen Erregers verzeichnet. Das FLI will in den kommenden Wochen unter anderem klären, wie schnell sich das Virus ausbreitet, welche Tierarten besonders betroffen sind und welche konkreten Folgen die Infektionen haben.

Martin Beer, Vizepräsident des FLI, spricht bereits von einem erneuten Auftreten eines exotischen Orthobunyavirus in Europa. Nach dem Schmallenberg-Virus im Jahr 2011 müsse nun beobachtet werden, wie sich der neue Erreger entwickelt.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung