Pädophilie-Sager

Rahel rudert nach Austropop-Eklat (etwas) zurück

Adabei Österreich
03.08.2026 22:45
Porträt von krone.at
Von krone.at

Mit heftigen Aussagen über Austropop-Legenden wie Ludwig Hirsch und Georg Danzer löste Sängerin Rahel zuletzt eine Welle der Empörung aus. Nun räumt die 31-Jährige ein, bei den beiden Musikern die falschen Beispiele gewählt zu haben. Ihr eigentliches Anliegen will sie dennoch nicht zurücknehmen: Rahel fordert weiterhin, den Austropop kritischer zu hinterfragen.

Rahel hatte in einem Instagram-Video dazu aufgerufen, „aufzuhören, Austropop zu verklären“. Unter anderem warf sie Ludwig Hirsch vor, mit „Spuck den Schnuller aus“ Pädophilie zu „zelebrieren“. Georg Danzers „Vorstadtcasanova“ bezeichnete sie als „wahnsinnig ekelhaft“. Auch Falco kritisierte sie als misogyn.

Nun zeigt sich die Musikerin deutlich selbstkritischer. In einem Interview mit dem „Standard“ erklärt Rahel, sie habe sich bei Hirsch und Danzer geirrt. Ihr Video sei ein „Schnellschuss“ gewesen. „Ich habe da viel dazulernen dürfen und habe sicherlich falsche Beispiele gewählt. Das Video war ein Schnellschuss, und ich bin froh, dass eine Korrektur stattgefunden hat“, sagt sie.

Dieses Video der Sängerin war Stein des Anstoßes:

Heftige Kritik nach dem Video
Gerade die Aussagen über Hirsch und Danzer hatten für heftigen Widerspruch gesorgt. Kritiker warfen Rahel vor, die Texte aus ihrem Zusammenhang gerissen und ihre Botschaft falsch verstanden zu haben.

Die ehemalige Skirennläuferin Nicola Werdenigg erklärte zudem, Hirschs „Spuck den Schnuller aus“ habe sie als Betroffene sexualisierter Gewalt gerade deshalb als befreiend erlebt, weil das Lied ein Tabuthema angesprochen habe.

Rahel räumt nun selbst ein, dass sie die beiden Künstler als Beispiele falsch gewählt habe. Sie sei mit Austropop nicht sozialisiert worden und habe Hirschs Song erst vor Kurzem kennengelernt. Sie sei deshalb „froh, dass ich mich geirrt habe“, weil sie dadurch etwas über Männer erfahren habe, „die damals progressiv waren“, sagt sie gegenüber dem „Standard“.

„Kontext war nicht ausreichend recherchiert“
Die Sängerin sieht darin auch eine grundsätzliche Lehre aus der Debatte. Auf die Frage, ob Schnellurteile in sozialen Medien häufig zu wenig reflektiert seien, antwortet sie: „Auf jeden Fall. Der Kontext ist immer sehr wichtig, und der war in meinem Video nicht ausreichend recherchiert.“

Trotzdem hält Rahel an ihrer grundsätzlichen Kritik fest. Ihr sei es nicht darum gegangen, Danzer und Hirsch als Menschen schlechtzumachen. Vielmehr störe sie, dass „problematische Männer auf Bühnen bewundert“ und bestimmte Rollenbilder unkritisch weitergetragen würden.

Auch in einem weiteren Instagram-Statement betonte die Musikerin, Sexismus sei im Austropop „regelmäßig ein Thema“. Selbst wenn einzelne Künstler differenzierter betrachtet werden müssten, halte sie das Männerbild, das bei den Hörern am Ende hängenbleiben könne, für problematisch. Deshalb müsse man Austropop ihrer Ansicht nach kritischer hinterfragen, statt ihn aus Nostalgie „in den Himmel zu loben“.

Aufmerksamkeit für Gewalt gegen Frauen
Dass ihr Video derart hohe Wellen schlagen würde, habe sie überrascht. Gleichzeitig glaubt Rahel, dass soziale Medien durch ihre Algorithmen vor allem kurze, emotionalisierende und Empörung auslösende Inhalte fördern.

Den Vorwurf, die Kontroverse sei lediglich eine PR-Aktion gewesen, weist sie zurück. Die Aufmerksamkeit wolle sie vielmehr für ein anderes Thema nutzen: „Worauf ich die Aufmerksamkeit lenken will, ist, dass wir über Femizide reden müssen und darüber, dass statistisch jede dritte Frau ab 15 in Österreich von Gewalt betroffen ist.“

Bei Falco bleibt Rahel kritisch
Während Rahel bei Hirsch und Danzer ihre ursprüngliche Einschätzung korrigiert, bleibt sie bei ihrer Kritik an Falco. Vor allem „Jeanny“ sieht sie als problematisch an. Falco habe das Lied selbst als „Liebeslied“ bezeichnet – für Rahel eine „wirklich problematische Romantisierung“.

Gleichzeitig räumt sie ein, dass Kunst immer im Kontext ihrer Entstehungszeit betrachtet werden müsse. Kunstfreiheit sei „ein wahnsinnig hohes Gut“ und Kunst brauche Freiheit. Sie habe aber auch eine Wirkung. Gerade deshalb müsse darüber gesprochen werden, wie alte Texte heute eingeordnet werden.

Auch bei späteren Coverversionen sieht Rahel eine Verantwortung. Als Beispiel nennt sie Danzers „Vorstadtcasanova“, der von Ernst Molden und Nino aus Wien textlich unverändert gecovert wurde. Wenn ältere Werke heute einem jüngeren Publikum präsentiert würden, könne dies ihrer Ansicht nach funktionieren – allerdings müsse entsprechender Kontext mitgeliefert werden.

„Ich wünsche mir, dass wir konstruktiv diskutieren“
Die Debatte sieht Rahel letztlich auch als Generationenfrage. Sie selbst sei froh gewesen, dass sich mit Nicola Werdenigg auch Frauen ihrer Generation zu Hirsch geäußert hätten. Diese hätten seine Texte teilweise gerade als progressiv wahrgenommen.

Ihre ursprüngliche Kritik an einem unkritischen Umgang mit Austropop will die Sängerin deshalb nicht aufgeben. Sie wünsche sich, dass man über kanonisierte Musiker „konstruktiv“ diskutieren könne. Sie selbst habe durch die Kontroverse viel dazugelernt – und sei überzeugt, dass auch ältere Generationen von jüngeren etwas lernen könnten.

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