Es ist hochbrisant, was sich derzeit auf dem glatten diplomatischen Parkett hinter den Kulissen zwischen Wien und Moskau abspielt. Seit dem Angriff auf die Ukraine wurden Putins Gesandten bereits in Dutzenden Fällen die Visa verweigert. Die „Krone“ kennt die Hintergründe des „Kalten Diplomatenkrieges“.
Im Kreml-treuen Propagandamedium „Iswestija“ machte der russische Botschafter in Wien, Andrej Jurjewitsch Grosow, seinem Ärger Luft: „Die Visafrage bleibt der heikelste Bereich, und wir fordern Wien zur Einhaltung seiner Verpflichtungen auf. Insbesondere derjenigen, die sich aus seiner Rolle als Gastgeberland für internationale Organisationen ergeben.“
Für Russland ist heimische Visapolitik „empörend“
Schon zuvor hatte der russische Ständige Vertreter in Wien, Michail Uljanow, die österreichische Visapolitik für russische Diplomaten als „empörend“ bezeichnet. Dahinter steckt freilich eine äußerst delikate Angelegenheit, die neben dem Außenministerium auch den heimischen polizeilichen Geheimdienst, die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), beschäftigt.
70 Moskau-Diplomaten bei Sicherheitscheck durchgefallen
Konkret geht es um den Sicherheitscheck von russischen Diplomaten bzw. Botschaftsangehörigen oder UNO-Mitarbeitern, die für ihre Arbeit in Wien eine Einreiseerlaubnis benötigen. Wie aus gut informierten Kreisen der „Krone“ bestätigt wurde, fielen dabei 70 von Putin nach Österreich abkommandierte Personen durch.
Die Visafrage bleibt der heikelste Bereich, und wir fordern Wien zur Einhaltung seiner Verpflichtungen auf.

Russlands Botschafter Andrej Grosow
Bild: Russische Botschaft Wien
Hinzu kommen noch 15 ausgewiesene Diplomaten, die zu „Personae non gratae“, also „unerwünschte Personen“, erklärt worden seien. Das alles nur seit dem vom Kreml-Zaren in Moskau angeordneten Einmarsch in die Ukraine in den Morgenstunden des 24. Februars. Die brisante Begründung: „Gefahr für die nationale Sicherheit“! In durchwegs allen Fällen geht es um das mögliche Ausspähen von Staatsgeheimnissen.
Donaumetropole gilt als Europas Hauptstadt der Spione
Wien gilt aufgrund des Sitzes vieler internationaler Organisationen hier und auch der geopolitischen Lage in der Mitte von Europa traditionell als Hauptstadt der Spione. Nicht nur der von russischen Seiten. Sicherheitsexperten schätzen, dass sich in den Botschaften und Konsularen bis zu 7000 getarnte Agenten als Diplomaten oder „einfaches Personal“ tarnen.
Und seit dem Ukraine-Krieg hat die Bundeshauptstadt als Stützpunkt speziell für Putin eine noch größere Bedeutung bekommen. Kritiker vertreten die Meinung, dass Wien ein wahrer Flugzeugträger für russische Spione geworden ist. So habe alleine die Kulturabteilung in der russischen Botschaft – insgesamt alleine 50 Diplomaten – überproportional viele Mitarbeiter. Rund ein Drittel davon soll die Klaviatur der Informationsbeschaffung ganz hervorragend spielen. Solange der Ukraine-Krieg tobt, wohl noch länger ...
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