Nach Kiewer Machtkampf

Ukraine: Neuer Armeechef „hat nichts zu verlieren“

Ukraine-Krieg
22.07.2026 11:36

Nach der durch Proteste erzwungenen Entlassung von Olexander Syrskyj ist Mychajlo Drapatyj zum neuen ukrainischen Armeechef ernannt worden. Ihm fällt jetzt die schwierige Aufgabe zu, das Land gegen die russische Aggression zu verteidigen. Vom populären Vorvorgänger Walerij Saluschnyj gab es Mahnung und Lob zugleich.

Drapatyj, der zuvor das Heer und die Vereinten Kräfte kommandierte, folgt Syrskyj nach, der von Präsident Wolodymyr Selenskyj nach tagelangen Protesten entlassen wurde. Tausende Menschen hatten in Kiew und anderen Städten die Wiedereinsetzung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow gefordert. Der junge und beliebte Minister stand für die viel beachteten Einsätze ukrainischer Drohnen und für Reformen.

„Kann hart sein“
Mit dem 60 Jahre alten, noch zu Sowjetzeiten ausgebildeten Syrskyj stand Fedorow wegen unterschiedlicher Ansichten zur Kriegsführung im Konflikt. Der jetzt abgetretene Armeechef bestätigte die Meinungsverschiedenheiten, zeigte sich aber „überrascht“, dass es einen Konflikt gegeben. „Ich kann hart sein“, entschuldigte er sich beim Ex-Verteidigungsminister in einem Gastbeitrag für das Medium „Militarnyi“.

Streitkräfte in der Offensive
Zum Abschied fasste Syrskyj seine Erfolge am Schlachtfeld zusammen und betonte, dass er seinem Nachfolger Streitkräfte übergebe, die nun in der Offensive seien. „Ich hoffe aufrichtig, dass diese Offensive fortgesetzt wird“, betonte er.

Diese Aufgabe fällt nun dem 43 Jahre alten Mychajlo Drapatyj zu, der schon seit 2014 im Krieg gegen Russland Erfahrung am Schlachtfeld gesammelt hat. Sein Vorvorgänger Walerij Saluschnyj hieß ihn im neuen Posten willkommen, indem er auf Facebook ein Foto postete, das die beiden zeigt, wie sie sich umarmen.

Drapatyj (li.) mit Saluschnyj
Drapatyj (li.) mit Saluschnyj(Bild: Facebook/Walerij Saluschnyj)

„Vor immensen Schwierigkeiten“
„Der neue Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine wird vor immensen Schwierigkeiten stehen. Weitaus größeren, als er sich vorstellen kann. Aber Mychajlo wird sicherlich niemals Grund haben, sich zu schämen“, schrieb Saluschnyj, jetzt ukrainischer Botschafter in London, dazu. Weiter erklärte der Ex-Armeechef, dem Ambitionen für das ukrainische Präsidentenamt nachgesagt werden: „Ein Mann der Ehre hat kein Idol, daher hat er nichts zu verlieren. Das Einzige, was er hat, ist seine Pflicht.“

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