„Stimmung gedrückt“

Jobabbau: Betriebsrat liest WKO-Chefin die Leviten

Wirtschaft
03.06.2026 11:26
Porträt von krone.at
Von krone.at

Wie berichtet, wird in der Bundesorganisation der Wirtschaftskammer Österreich bis Ende 2027 jeder vierte Job gestrichen. Laut WKO-Chefin Martha Schultz solle der Abbau mittels Sozialplan und in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat erfolgen. Doch gerade dieser steigt nun auf die Barrikaden.

Der Obmann des Konzernbetriebsrats der WKO, Andreas Taust, hat nach einer Betriebsversammlung am Mittwoch in der Kammer „keinen neuen Sachstand“ zum angekündigten Abbau von 200 der 800 Jobs in der WKO-Zentrale gehabt.

Welche 200 von 800 Personen ihren Job verlieren, ist noch offen
„Die Rahmenbedingungen eines Sozialplans sind immer noch nicht da“, betonte er. Und fügte hinzu: „In den Reformprozess sind wir nicht eingebunden.“ Welche Personen ihren Job verlieren, sei offen.

Man suche das Gespräch mit der Kammerspitze, um eine sachliche und rechtliche Bewertung des Stellenabbauplans vorzunehmen, sagte Taust. Er hofft, dass dies nächste Woche möglich werde. „Wir sind bemüht, einen aktiven Beitrag zur Sozialverträglichkeit zu leisten.“

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Die Rahmenbedingungen eines Sozialplans sind immer noch nicht da. In den Reformprozess sind wir nicht eingebunden.

Andreas Taust, Obmann des Konzernbetriebsrats der WKO

Betriebsrat schließt aktivistische Maßnahmen nicht aus
Noch sei „gar nicht einschätzbar, wer betroffen ist“ vom Stellenabbau, sagte der Betriebsrat. „Es ist eine menschliche Katastrophe. Die Stimmung ist äußerst gedrückt.“ Der Betriebsrat sei vom Vorhaben der Kammerchefin Martha Schultz, das am Dienstag öffentlich bekannt geworden war, „sehr kurzfristig vorab informiert“ worden. Auf die Frage, ob aktivistische Maßnahmen bevorstehen könnten, sagte Taust, dass zuerst der konkrete Plan vorliegen und dieser bewertet werden müsse.

Fest steht laut WKO-Spitze: Schon im zweiten Halbjahr soll mit dem Stellenabbau begonnen werden. Zustimmen muss der Betriebsrat dem Sozialplan in der Kammer schlussendlich aber nicht. Die direkten Dienstnehmer unterliegen keinem Kollektivvertrag.

Die WKO-Bundeskammer: 200 von 800 Jobs in Wien-Wieden werden bis Ende 2027 gestrichen. ...
Die WKO-Bundeskammer: 200 von 800 Jobs in Wien-Wieden werden bis Ende 2027 gestrichen. (Symbolbild)(Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)

Einsparungen: Auch Landeskammern gefordert
Unterdessen haben FPÖ, Grüne und UNOS (NEOS in der Wirtschaftskammer) die Einsparungen goutiert. Es könne sich aber nur um einen ersten Schritt handeln, so Grüne und UNOS. In der WKO müsse mehr geschehen. Zudem müssten die Länderkammern dem Beispiel im Bund folgen.

Freiheitliche zu Jobabbau: „Auf jeden Fall angemessen“
Matthias Krenn, Chef der Freiheitlichen in der Wirtschaftskammer, sagte im Ö1-„Morgenjournal“, dass der Mitarbeiterabbau auf „jeden Fall angemessen“ sei. „Ohne dem geht es nicht, wenn wir die Mitglieder entlasten und uns in Zukunft auf Kernaufgaben konzentrieren wollen.“

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Ohne Mitarbeiterabbau geht es nicht, wenn wir die Mitglieder entlasten und uns in Zukunft auf Kernaufgaben konzentrieren wollen.

Matthias Krenn, Chef der Freiheitlichen in der Wirtschaftskammer

Grüne sehen Einsparungspotenzial von 175 Millionen Euro
Die WKO hat österreichweit laut Grünen aktuellen Voranschlägen zufolge Gesamteinnahmen von über 1,3 Milliarden Euro, mehr als 1000 Gremien, über 12.000 Funktionäre sowie bisher mehr als 5500 Mitarbeitende. Die Grüne Vorsitzende, Sabine Jungwirth, fordert unter anderen Punkten „eine massive Verschlankung durch das Zusammenführen der zehnfachen Strukturen bei den Fachorganisationen und Branchengremien“. Man habe dabei ein Kostenreduktionspotenzial von 175 Millionen Euro identifiziert.

„Gesamte Organisation betrachten“
„Wer von einer schlankeren und effizienteren Wirtschaftskammer spricht, muss die gesamte Organisation betrachten“, fordert UNOS-Bundessprecher Michael Bernhard. „Gerade in den Landeskammern gibt es ausreichend Doppelstrukturen und Verwaltungsebenen, bei denen ein konsequenter Personalabbau möglich und auch notwendig wäre.“ Also seien nun die Landeskammern gefordert, „ebenfalls jeden vierten Arbeitsplatz sozial verträglich bis Ende 2027 einzusparen“.

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In den Landeskammern gibt es ausreichend Doppelstrukturen und Verwaltungsebenen, bei denen ein konsequenter Personalabbau möglich und auch notwendig wäre.

UNOS-Bundessprecher Michael Bernhard

Grünen-Sprecherin Jungwirth erinnerte auch, dass die bisher angekündigten Einsparungen von 100 Millionen Euro für die Unternehmen vornehmlich über die Kammerumlage 2 (KU2) geplant sind und damit Einpersonenunternehmen nicht entlastet würden. Die KU2 wird nach Mitarbeitenden verrechnet. Dabei stellten EPU 95 Prozent der WKÖ-Pflichtmitgliedsbetriebe.

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