Wie berichtet, wird in der Bundesorganisation der Wirtschaftskammer Österreich bis Ende 2027 jeder vierte Job gestrichen. Laut WKO-Chefin Martha Schultz solle der Abbau mittels Sozialplan und in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat erfolgen. Doch gerade dieser steigt nun auf die Barrikaden.
Der Obmann des Konzernbetriebsrats der WKO, Andreas Taust, hat nach einer Betriebsversammlung am Mittwoch in der Kammer „keinen neuen Sachstand“ zum angekündigten Abbau von 200 der 800 Jobs in der WKO-Zentrale gehabt.
Welche 200 von 800 Personen ihren Job verlieren, ist noch offen
„Die Rahmenbedingungen eines Sozialplans sind immer noch nicht da“, betonte er. Und fügte hinzu: „In den Reformprozess sind wir nicht eingebunden.“ Welche Personen ihren Job verlieren, sei offen.
Man suche das Gespräch mit der Kammerspitze, um eine sachliche und rechtliche Bewertung des Stellenabbauplans vorzunehmen, sagte Taust. Er hofft, dass dies nächste Woche möglich werde. „Wir sind bemüht, einen aktiven Beitrag zur Sozialverträglichkeit zu leisten.“
Betriebsrat schließt aktivistische Maßnahmen nicht aus
Noch sei „gar nicht einschätzbar, wer betroffen ist“ vom Stellenabbau, sagte der Betriebsrat. „Es ist eine menschliche Katastrophe. Die Stimmung ist äußerst gedrückt.“ Der Betriebsrat sei vom Vorhaben der Kammerchefin Martha Schultz, das am Dienstag öffentlich bekannt geworden war, „sehr kurzfristig vorab informiert“ worden. Auf die Frage, ob aktivistische Maßnahmen bevorstehen könnten, sagte Taust, dass zuerst der konkrete Plan vorliegen und dieser bewertet werden müsse.
Die Rahmenbedingungen eines Sozialplans sind immer noch nicht da. In den Reformprozess sind wir nicht eingebunden.
Andreas Taust, Obmann des Konzernbetriebsrats der WKO
Betriebsrat muss Sozialplan nicht zustimmen
Fest steht laut WKO-Spitze: Schon im zweiten Halbjahr soll mit dem Stellenabbau begonnen werden. Das Gros des Abbaues geschieht über Kündigungen, nur ein kleinerer Teil geschieht über Nicht-Nachbesetzungen bei Pensionierungen. Zustimmen muss der Betriebsrat dem Sozialplan in der Kammer schlussendlich aber nicht. Die direkten Dienstnehmer unterliegen keinem Kollektivvertrag.
WKO-General: „Entscheidung ist alternativlos“
WKO-Generalsekretär Jochen Danninger, wie Schultz vom ÖVP-Wirtschaftsbund, bezeichnete die Entscheidung als „alternativlos“. Danningerweiter: „Wir müssen schlanker, sparsamer und stärker werden“, verwies er auf Schultz‘ Vorgaben. „Das gelingt nicht mit dem Drehen an ein paar kleinen Schrauben. Dafür braucht es eine gesamte Neuaufstellung durch strukturelle Veränderungen.“ Diese Veränderungen müssten sich an den Bedürfnissen der Betriebe orientieren.
Wir müssen schlanker, sparsamer und stärker werden. Das gelingt nicht mit dem Drehen an ein paar kleinen Schrauben.

WKO-Generalsekretär Jochen Danninger
Bild: WKO/Marek Knopp
Einsparungen: Auch Landeskammern gefordert
Unterdessen haben FPÖ, Grüne und UNOS (NEOS in der Wirtschaftskammer) die Einsparungen goutiert. Es könne sich aber nur um einen ersten Schritt handeln, so Grüne und UNOS. In der WKO müsse mehr geschehen. Zudem müssten die Länderkammern dem Beispiel im Bund folgen.
Freiheitliche zu Jobabbau: „Auf jeden Fall angemessen“
Matthias Krenn, Chef der Freiheitlichen in der Wirtschaftskammer, sagte im Ö1-„Morgenjournal“, dass der Mitarbeiterabbau auf „jeden Fall angemessen“ sei. „Ohne dem geht es nicht, wenn wir die Mitglieder entlasten und uns in Zukunft auf Kernaufgaben konzentrieren wollen.“
Ohne Mitarbeiterabbau geht es nicht, wenn wir die Mitglieder entlasten und uns in Zukunft auf Kernaufgaben konzentrieren wollen.

Matthias Krenn, Chef der Freiheitlichen in der Wirtschaftskammer
Bild: Marek Knopp
Grüne sehen Einsparungspotenzial von 175 Millionen Euro
Die WKO hat österreichweit laut Grünen aktuellen Voranschlägen zufolge Gesamteinnahmen von über 1,3 Milliarden Euro, mehr als 1000 Gremien, über 12.000 Funktionäre sowie bisher mehr als 5500 Mitarbeitende. Die Grüne Vorsitzende, Sabine Jungwirth, fordert unter anderen Punkten „eine massive Verschlankung durch das Zusammenführen der zehnfachen Strukturen bei den Fachorganisationen und Branchengremien“. Man habe dabei ein Kostenreduktionspotenzial von 175 Millionen Euro identifiziert.
„Gesamte Organisation betrachten“
„Wer von einer schlankeren und effizienteren Wirtschaftskammer spricht, muss die gesamte Organisation betrachten“, fordert UNOS-Bundessprecher Michael Bernhard. „Gerade in den Landeskammern gibt es ausreichend Doppelstrukturen und Verwaltungsebenen, bei denen ein konsequenter Personalabbau möglich und auch notwendig wäre.“ Also seien nun die Landeskammern gefordert, „ebenfalls jeden vierten Arbeitsplatz sozial verträglich bis Ende 2027 einzusparen“.
In den Landeskammern gibt es ausreichend Doppelstrukturen und Verwaltungsebenen, bei denen ein konsequenter Personalabbau möglich und auch notwendig wäre.

UNOS-Bundessprecher Michael Bernhard
Bild: APA/HELMUT FOHRINGER
Grünen-Sprecherin Jungwirth erinnerte auch, dass die bisher angekündigten Einsparungen von 100 Millionen Euro für die Unternehmen vornehmlich über die Kammerumlage 2 (KU2) geplant sind und damit Einpersonenunternehmen nicht entlastet würden. Die KU2 wird nach Mitarbeitenden verrechnet. Dabei stellten EPU 95 Prozent der WKÖ-Pflichtmitgliedsbetriebe.
WK Vorarlberg will sparen, aber ohne Kündigungen auskommen
Erste interne Reaktionen aus den Bundesländern gibt es bereits. Die Bundesländer werden ihren Teil zu den Einsparungen beitragen müssen, sagte Karlheinz Kopf, Präsident der Vorarlberger Wirtschaftskammer, gegenüber dem ORF Vorarlberg. Für das Bundesland rechne er mit einem Anteil von etwa dreieinhalb Millionen Euro. Auch Personaleinsparungen soll es in Vorarlberg geben, aber keine Kündigungen, sagte Kopf.
Die Bundesländer werden ihren Teil zu den Einsparungen beitragen müssen.

Karlheinz Kopf, Präsident der Vorarlberger Wirtschaftskammer
Bild: Marek Knopp
Es werde gerade an einem Konzept gearbeitet, durch das die Einsparungen sowohl beim Personal- als auch beim Sachaufwand „sehr verträglich und über die Jahre verteilt“ erreicht werden sollen. Von Kündigungszahlen, wie sie bei der Bundeskammer geplant sind, sei man weit entfernt, sagte Kopf: Kündigungen seien nicht geplant, die Einsparungen sollen über „natürliche Abgänge“ erreicht werden. Er gehe davon aus, dass das gelinge.
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