Nationalbankgouverneur Martin Kocher sieht in einer EU-Erweiterung „erhebliche Wachstumschancen für die österreichische Wirtschaft“. Zuvor müssten die Staaten aber alle Beitrittskriterien erfüllen. Kocher bezog sich unter anderem auf die Westbalkanländer.
Damit sind die Nachfolgestaaten Jugoslawiens und Albaniens gemeint, die noch nicht der Europäischen Union beigetreten sind. Dazu zählen Albanien, Bosnien und Herzegowina, der Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien. Zu den aussichtsreichsten Anwärtern gehören Montenegro und Albanien, die bis 2028 beziehungsweise 2030 beitreten wollen. Beide hätten in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht, sagte Kocher. Es bräuchte unter anderem noch mehr Investitionen aus der EU und mehr Kooperation in Handelsfragen.
Die Nationalbank hat einen langjährigen Schwerpunkt auf Zentral-, Ost- und Südosteuropa und international anerkannte Fachleute zur Region. Laut Kocher engagieren sich österreichische Banken und Versicherungen bereits stark in den Westbalkanstaaten. Das Potenzial könnte aber noch stärker genutzt werden, ist der Nationalbankgouverneur überzeugt. Als Beispiele nannte er unter anderem mehr Möglichkeiten, europaweit tätig zu sein, weniger Fragmentierung und weniger Grenzen des Binnenmarkts.
Auch die Erweiterung in Richtung Osten sprach er an. Frühere Osterweiterungsrunden hätten Wachstumsschübe für viele europäische Staaten gebracht, sagte Kocher. Frühere Osterweiterungsrunden hätten Wachstumsschübe für viele europäische Staaten gebracht. Im Osten sind zum Beispiel die Ukraine und Georgien EU-Beitrittskandidaten.
Euro in Montenegro und Kosovo
Unter den Beitrittskandidaten am Westbalkan ist Montenegro ein Sonderfall. Dort wird bereits seit 2022 der Euro als Zahlungsmittel verwendet, obwohl das kleine Land kein Mitglied der Eurozone ist. Nach Einführung des Euro sei dieser automatisch übernommen worden, allerdings einseitig und ohne Währungsvereinbarung mit der Europäischen Union, sagte Kocher. Mehrere Staaten würden aus Stabilitätsgründen oder wegen enger wirtschaftlicher Verflechtungen fremde Währungen verwenden. Auch der Kosovo hat den Euro bereits einseitig eingeführt.
Kocher plädierte für „eine pragmatische Lösung aufgrund dieses historisch gewachsenen Sonderfalls“, bei der nicht anwendbare Kriterien durch inhaltlich ähnliche ersetzt werden sollten. Um den Euro, wie zuletzt Bulgarien, einzuführen, müssen Staaten bestimmte Voraussetzungen erfüllen, wie Preisstabilität und stabile Wechselkurse.
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