Die Salzburger Festspiele starten heute mit einer mehrfach außergewöhnlichen „Carmen“ in ihr diesjähriges Opernprogramm: Asmik Grigorian singt die Partie erstmals, Teodor Currentzis dirigiert.
„Sie glaubt an die Freiheit und fürchtet sich nicht vor dem Tod. Ihr ist wichtiger, bei sich selbst zu bleiben.“ Mit seiner selbstbewussten und kompromisslos liebenden „Carmen“ hat Georges Bizet eine Opernfigur geschaffen, die jede Generation neu dazu einlädt, sich am eigenen Frauenbild und an der Betriebstemperatur zwischen den Geschlechtern abzuarbeiten. Die aus Argentinien stammende Choreografin Gabriela Carrizo zeigt ab heute ihre Bestandsaufnahme davon in Salzburg – in einer mehrfach außergewöhnlichen Produktion im Großen Festspielhaus.
Neue psychologische Aspekte
Für Carrazio, Mitbegründerin des belgischen Tanz-Kollektivs Peeping Tom ist es die erste Opernregie. Mit rund hundert Mitwirkenden – Chöre, Sänger und Tänzer – will sie neue, visuelle und psychologische Aspekte herausarbeiten und durch „Heranzoomen“ das Innere der Figuren besser sichtbar machen, erklärte sie ihr Konzept vor der Premiere.
„Wie bei Peeping Tom arbeiten wir mit einer extremen Körperlichkeit. Wir haben uns vom Kino inspirieren lassen.“ Mit einer Kamera könne man sich den Menschen nähern. „Genauso machen wir das auch in der Oper.“ Mithilfe von Bewegung und Beleuchtung könne man das Innere der Figuren besser sichtbar machen.
Drift ins Surreale und zurück
Es werde nicht die bekannte Carmen zu sehen sein, das Ende werde anders, so Carrizo: „Es gibt einen gewissen Drift von der Realität ins Surreale und wieder zurück.“ Auch musikalisch verspricht die Produktion außergewöhnlich zu werden: Teodor Currentzis am Pult seines Utopia Orchesters bürgt jedenfalls für klangliche Intensität.
Mit Spannung sehen Opernfreunde dem Rollendebüt von Asmik Grigorian entgegen, die sich als Charakterdarstellerin starker Frauenfiguren einen Namen gemacht hat. Auch Tenor Jonathan Tetelman, der Carmens Geliebten und späteren Mörder Don José verkörpert, äußerte sich vorab: „Wir sind von der Choreografie vollkommen umgeben, haben viele Freiräume, wie wir uns bewegen.“
Erziehung zur Gewalt
Die Oper erscheint als eine zeitlose Geschichte über Freiheit, Begierde und Liebe, so das Resümee der Regisseurin. Don José existiere auch in unserer heutigen Gesellschaft, gab sie zu bedenken. Gewalt ergebe sich auch aus der Erziehung und der Gesellschaft, die einen umgibt.
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