Amazon-Manager warnt:

Paketsteuer trifft kleine Anbieter besonders hart

Wirtschaft
27.05.2026 16:21

Onlineriese Amazon muss sich wegen seiner Marktmacht immer wieder Kritik gefallen lassen. Doch für viele unserer kleinen Händler ist die Plattform ein wichtiger Ansatzkanal. 2025 haben Österreichs KMU dort Waren um über 730 Millionen Euro verkauft. Die geplante Paketsteuer könnte unsere Betriebe jedoch teuer zu stehen kommen, warnt Amazon-Österreich-Chef Yorck von Mirbach.

Keine Frage, Online-Riese Amazon ist ein starker Konkurrent für den stationären Handel. Doch immer mehr Unternehmen nutzen die Web-Plattform als Absatzkanal und bieten ihre Waren auch dort an. „60 Prozent der verkauften Produkte bei uns sind von Verkaufspartnern“, betont Yorck von Mirbach, Amazon-Chef von Österreich und der Schweiz. Österreichs Klein- und Mittelbetriebe vertreiben mehr als 20 Millionen Produkte über die Plattform in mittlerweile über 150 Länder der Welt.

Von den mehr als 730 Millionen Euro Umsatz 2025 wurden 640 Millionen im Ausland erzielt – das entspricht einem Exportanteil von stolzen 88 Prozent. Im Vorjahr betrug das Exportplus satte sechs Prozent. „Das ist im aktuellen Umfeld ein echter Erfolg“, so von Mirbach.

Amazon dient kleineren Unternehmen als Schaufenster.
Amazon dient kleineren Unternehmen als Schaufenster.(Bild: Amazon)

Paketsteuer trifft KMU besonders hart
Die geplante Paketsteuer von zwei Euro je Paket sehen sowohl die Wirtschaftskammer als auch die heimischen Händler und der Amazon-Manager kritisch. „Die Abgabe von zwei Euro fällt bei einer Bestellung um fünf Euro, wie auch bei 500 Euro an“, betont Yorck von Mirbach. Das trifft vor allem kleine Händler stark, wo die Bestellsummen oft geringer sind.

Amazon-Österreich-Chef Yorck von Mirbach bei der Pop-uo-Shoperöffnung in Wien Mariahilf.
Amazon-Österreich-Chef Yorck von Mirbach bei der Pop-uo-Shoperöffnung in Wien Mariahilf.(Bild: Amazon)

Ferner sorgt sie für einen Wettbewerbsnachteil unserer Anbieter im Vergleich zum Ausland. Schlussendlich werden jedenfalls wieder die Konsumenten zur Kasse gebeten, die die Abgabe tragen werden. Die Wirtschaftskammer betont obendrein, dass dadurch die Digitalisierung, die bei uns ohnehin noch Aufholbedarf hat, gebremst wird.

75 Prozent der Händler außerhalb von Wien
Drei Viertel der österreichischen KMU, die auf Amazon verkaufen, sind außerhalb von Wien ansässig. Mit knapp 200 Millionen Euro machen Wiener KMU aber den meisten Umsatz auf der Plattform. Dahinter folgen die Steiermark (90 Millionen), Oberösterreich (84 Millionen), Niederösterreich (78 Millionen) und Salzburg (61 Millionen). Im Export verzeichneten jedoch burgenländische Händler auf Amazon das größte Geschäftsplus im Vorjahr von stolzen 42 Prozent. Die wichtigsten Länder für unsere Online-Händler sind Deutschland, gefolgt von Frankreich, Italien, England und den USA. 

Erfolgsbeispiele aus Österreich
Zahlreiche bekannte und auch weniger bekannte Unternehmen profitieren vom US-Riesen. Beispielsweise hat Amazon das Wiener Start-up Waterdrop zum international wachsenden Unternehmen begleitet. „Amazon spielt insbesondere in unserer internationalen Expansion eine entscheidende Rolle. Der Marktplatz ermöglicht es uns, neue Märkte schnell und effizient zu erschließen, Nachfrage frühzeitig zu validieren und die Markenpräsenz in unterschiedlichen Regionen aufzubauen“, erklärt Lukas Grubauer, Global Chief Online Officer von Waterdrop.

Das Start-up verkauft „Trinkwürfel“ bereits in 12 Ländern, darunter die USA und auch Australien, und hat im Vorjahr zweistellig zulegen können. Aber auch das Wiener Traditionsunternehmen, der Hutspezialist Mauerer, verkauft über Amazon erfolgreich. Weitere Erfolgsbeispiele sind Gmundner Keramik, das Tiroler Lightning-Start-up Mato, welches in kurzer Zeit über 50.000 Kunden zählte oder das niederösterreichische Spielwarenunternehmen Biblo, das seit 2022 Amazon als Vertriebskanal nutzt und zuletzt erneut zweistellig zulegte.

Amazon-Österreich-Chef Yorck von Mirbach (li.) mit Andi Herzog und Toni Polster (re.) vor dem ...
Amazon-Österreich-Chef Yorck von Mirbach (li.) mit Andi Herzog und Toni Polster (re.) vor dem Amazon-Pop-up-Store in Wien Mariahilf.(Bild: Maximilian Lottmann)

Erste Pop-up-Store von Amazon in Wien
Bis zum 2. Juni sind Produkte von über 60 heimischen Anbietern im Pop-up-Store von Amazon auf der Wiener Mariahilferstraße sichtbar. Zu sehen sind dabei auch die Lieblingsprodukte von Fußball-Legende Toni Polster.

Amazon senkt Gebühren und investiert weiter
Seit dem Start von Amazon in Österreich hat der US-Riese bei uns rund eine Milliarde Euro in Logistik-, Verteil- sowie Forschungs- und Entwicklungszentren investiert. Alleine im letzten Jahr waren es 265 Millionen Euro, etwa in den Ausbau von Enns in Oberösterreich. „Obendrein haben wir die Verkaufsgebühr je Einheit um durchschnittlich 17 Cent gesenkt“, so von Mirbach. Dies sei eine der größten Gebührensenkungen der letzten Jahre gewesen. 

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