In Graz wurde am Dienstag wurde das Dramatiker|innen-Festival mit einem inklusiven Reigen eröffnet. Bis Sonntag wartet auf Besucher ein buntes Programm voll zeitgenössischer Dramatik.
„Kwitschi. Kwitschi. Ich bin die Tür und ich bin offen.“ In ihrem inklusiven Theaterstück „Leichter Gesang“ lässt Nele Stuhler die Dinge des Alltags sprechen. Türe, Tisch, Bett und Stuhl erzählen von den Grundlagen ihrer Existenz. Wie sind sie entstanden, welche Aufgaben erfüllen sie (oder auch nicht) und wie wird über sie gesprochen. Doch es gibt ein Problem: Wir leben in einer zerrütteten Welt voller unterschiedlicher Menschen und eine gemeinsame Sprache für die Dinge des Alltags zu finden, ist gar nicht so leicht.
Doch genau diese Wirren der Verständigung und das kreative Potenzial des Missverständnisses macht Stuhler zum Thema ihres humorvoll sprachspielerischen Texts, der stets am korrekten Wort vorbei hin zu neuen Bedeutungsebene mäandert. Damit bietet sie auch die perfekte Grundlage für das von Regisseurin FX Mayr mit Verve verflochtene Zusammenspiel von Darstellern des inklusiven Ramba Zamba Theaters mit Darstellern des Deutschen Theaters Berlin.
Das Gastspiel im Grazer Orpheum war damit das perfekte Eröffnungsstück für das heurige Dramatiker|innen-Festival, das sich bis zum Sonntag genau diesen „Verflechtungen“ zwischen unterschiedlichen Menschen, aber auch von Menschen mit der Natur widmet. „Eine diverse Gesellschaft braucht diverse Kunst“, plädierte Festivalleiterin Edith Draxl bei der Eröffnung für eine offene Kulturlandschaft und gegen die Sparmaßnahmen, die bei Bund, Land und Stadt drohen.
Als ein starkes Beispiel holte sie etwa das DWAKS Ensemble (eine Kooperation von Griessner Stadl und Lebenshilfe Murau) auf die Bühne, das mit einem Rap über ein selbstbestimmtes Leben und einem poetischen Listicle über die Buntheit des Lebens das Publikum genauso begeisterte, wie die taubblinde Schauspielerin Tanja Hameter mit ihrer Eröffnungsrede. Darin legte sie dar, was für ein Türöffner zur Welt hinaus die Kunst für sie darstellt. Oder wie Nele Stuhler es sagen würde: „Kwitschi, Kwitschi! Ich bin die Tür und ich bin offen.“
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