Das Grazer Bruseum rückt in seiner aktuellen Schau „Das Bleiben im Rahmen des Unmöglichen“ Günter Brus‘ Leben und Arbeiten in prekären Verhältnissen, aber auch die eigene Verantwortung der Sammlung gegenüber in den Fokus. Dazu gibt es jede Menge übergriffiger Zitate.
Das Bruseum erfährt aktuell nicht nur eine räumliche Auffrischung, die Verantwortlichen denken nach dem Tod des Künstlers (2024) und seiner Frau (2025) auch über die Entwicklung des Museums nach. „Die Gespräche mit den beiden, ihre Erinnerungen und Anekdoten haben viele Ausstellungen bestimmt“, sagt Kurator Roman Grabner.
Gespräche, die auch oft die prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen des Künstlers und seiner Mitstreiterin zum Thema hatten. Auf ihnen liegt der Fokus dieser Schau, die unter dem Titel „Das Bleiben im Rahmen des Unmöglichen“ Arbeiten von Günter Brus aus den eigenen Beständen sowie aus Schenkungen und Dauerleihgaben zusammenführt.
Zu sehen sind Arbeiten, die den Mangel dokumentieren, der sich meist im Material oder in unsachgemäßer Lagerung äußert. Und Grabner nutzt dafür Wände mit abgeschlagenem Putz – nicht zuletzt als Verweis auf die Verantwortung, die so eine Sammlung für ein Museum mit sich bringt. Denn auch das Bewahren, Konservieren und Ausstellen kosten Geld. In Zeiten der vielen Sparprogramme wird das fast schon zu einer neuen Unmöglichkeit.
Faszinierendes Werk, abstoßende Zitate
Faszinierend ist in dieser Schau nicht nur das unglaublich konsequente Schaffen eines Menschen mit zutiefst humanistischem Ansatz und einer politischen Einstellung, die sich in jedem Werk gegen die immer noch gegenwärtige nationalsozialistische Kontinuität richtet. Auch die vielen Zitate aus Kritiken, Leserbriefen und anderen Urteilen fallen bezeichnend aus. Etwa ein ins Persönliche gehender Verriss aus den 1980ern von Klaus Albrecht Schröder, der heute das Wiener Aktionismus-Museum mit einer umfangreichen Brus-Sammlung leitet. Oder das offizielle psychologische Gutachten über Brus von Heinrich Groß, der in der NS-Zeit zahlreiche Verbrechen an der Euthanasie-Klinik „Am Spiegelgrund“ beging.
Eine sehenswerte Schau, die Günter Brus ins Zentrum stellt und gleichzeitig den Weg für ein neues Kapitel öffnet. Ab November wird im Bruseum die erste große Werkschau von Maria Legat und somit die erste Personale einer Künstlerin gezeigt.
Eröffnet wird „Das Bleiben im Rahmen des Unmöglichen am 28. Mai um 19 Uhr, zu sehen ist die Ausstellung bis 26. Oktober.
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