Marine Le Pen geht auf volles Risiko: Präsidentschaftskandidatur als verurteilte Straftäterin und unter dem Damoklesschwert einer Fußfessel.
Wild entschlossen hat die Machtfrau sofort ihren Wahlkampf eröffnet, weil sie davon ausgeht, dass ihre Berufung beim Höchstgericht eine strafaufschiebende Wirkung hat. Dies ist aber unter Juristen umstritten. Jedenfalls kann ihre Berufung noch vor der Wahl im April abgelehnt werden. Le Pen hatte einmal erklärt, nicht mit dem Handicap einer Fußfessel zur Kandidatur anzutreten.
Wie auch immer: Ihr trotziges Verhalten mag die Stammwähler erfreuen, könnte aber die notwendige politische Ausweitung in das bürgerlich-konservative Lager behindern. Für die viel beschworene notwendige Erneuerung Frankreichs wäre ihr politischer Ziehsohn Jordan Bardella viel besser in der Lage.
Genau dieses Einsammeln bürgerlicher Stimmen war einmal das Programm dieser Tochter von Jean-Marie Le Pen gewesen. Sie hatte in einem Akt des politischen Vatermordes den Urvater des französischen Rechtsextremismus entmachtet.
Dreimal war die heute 57-jährige Marine Le Pen schon bei Präsidentschaftswahlen angetreten, davon zweimal bis zur Stichwahl. Diesmal wäre die Polit-Veteranin für einen zugkräftigen Kandidaten aus dem bürgerlichen Lager angreifbar, der ihre Chance auf die Stichwahl gegen den Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon erschweren könnte.
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