Einmal im Monat Besuch

Ex-Wirecard-Chef Braun fühlt sich in Haft einsam

Ausland
08.07.2026 19:55
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der ehemalige Wirecard-Chef Markus Braun fühlt sich nach sechs Jahren Untersuchungshaft einsam, aber ungebrochen. „Die Hauptherausforderung ist, dass man komplett aus der Familie herausgerissen wird“, sagte er am 270. Verhandlungstag in München.

Er ist mittlerweile geschieden, aber nicht wegen Entfremdung, wie der Angeklagte betonte. „Das Verhältnis zu meiner Frau und Familie ist unverändert stark“, sagte Braun. Er bekomme einmal im Monat Besuch von seiner Ex-Frau und seiner acht Jahre alten Tochter. Überhaupt sei die Untersuchungshaft für ihn belastend, der Gefängnis-Alltag in der Anstalt Stadelheim in München eintönig. „Dass man sich nicht emotionalisieren lässt und immer wieder in einen konstruktiven, rationalen Zustand zurückfindet, ist eine tägliche Herausforderung“, sagte Braun, der wegen Milliardenbetrugs angeklagt ist.

Die Staatsanwaltschaft hält Braun für den Haupttäter im Wirecard-Skandal, dem mutmaßlich größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte. Braun und seine Komplizin sollen jahrelang Umsätze in Milliardenhöhe erdichtet und die Konzernbilanzen frisiert haben, um den eigentlich defizitären Konzern mithilfe hoher Bankkredite über Wasser zu halten. Der mutmaßliche Schaden beträgt drei Milliarden Euro.

Will nach Haft wieder arbeiten
Braun bestreitet die Vorwürfe und sieht sich als Opfer einer Betrügerbande um den abgetauchten früheren Vertriebsvorstand Jan Marsalek, dem Geheimdienstkontakte nachgesagt werden. Der gebürtige Österreicher Braun sitzt derzeit gemeinsam mit zwei weiteren früheren Wirecard-Managern auf der Anklagebank. Einer der beiden beschuldigt ihn als Mittäter und Mitwisser.

Die Kammer hatte ursprünglich einmal gehofft, den Prozess Ende 2025 abschließen zu können. Bisher gibt es aber weder Termine für Plädoyers noch für ein Urteil. Der ehemalige Manager sitzt seit Juli 2020 durchgehend in Untersuchungshaft. Nach dem Ende will er laut eigener Aussage wieder arbeiten. „Ich habe überhaupt keine Zweifel, dass ich in kürzester Zeit wieder etwas Konstruktives machen würde“, sagte er bei einer früheren Befragung. Er sei „weiter sehr energetisch“.

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