„Warnsignal“

Musks KI-Chatbot Grok bei US-Regierung unbeliebt

Digital
22.05.2026 07:54
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die anvisierte Billionen-Bewertung der Weltraumfirma SpaceX beim geplanten Börsengang basiert unter anderem auf dem Versprechen künftiger Milliardenumsätze der KI-Tochter xAI. Deren Software kommt bei einem der weltweit wichtigsten Kunden jedoch kaum zum Einsatz: der US-Regierung.

Dies ergaben am Donnerstag veröffentlichte Reuters-Recherchen. Die Nachrichtenagentur führte zahlreiche Gespräche mit Behördenvertretern und wertete Daten zum Einsatz Künstlicher Intelligenz in Behörden aus. Der Grund für die geringe Akzeptanz sind demnach Zweifel an der Leistungsfähigkeit des KI-Modells Grok - trotz öffentlicher Lobbyarbeit durch SpaceX-Gründer Elon Musk und seine Mitstreiter.

Beschäftigte der US-Regierung können Grok und Konkurrenzprodukte wie ChatGPT von OpenAI oder Gemini von Google über die staatliche Plattform OneGov nutzen. xAI verlangt hierfür nur eine symbolische Gebühr von 0,42 Dollar (0,36 Euro) je Behörde. Derartige Sonderangebote sind für US-Technologiefirmen nicht ungewöhnlich, wenn sie Regierungsstellen von ihren Produkten überzeugen wollen.

„Das Ziel ist es, die Nutzung voranzutreiben, damit sich Bundesbedienstete ihre Arbeit ohne generative KI gar nicht mehr vorstellen können“, sagte Valerie Wirtschafter, eine Forscherin an der Denkfabrik Brookings Institution.

Auswertung: Grok kam nur in drei von über 400 Fällen zum Einsatz
Einer vom US-Haushaltsbüro OMB zusammengestellten Auswertung zufolge kam Grok bei US-Behörden jedoch gerade einmal in drei von über 400 Anwendungsfällen zum Einsatz. Dabei hat Musk öffentlich das Potenzial von Grok angepriesen und sich für dessen breite Einführung in der US-Regierung eingesetzt. Die zeitweise von dem Milliardär geleitete US-Effizienzbehörde Doge soll Insidern zufolge das Heimatschutzministerium zur Nutzung von Grok gedrängt haben, obwohl die erforderlichen Genehmigungen noch nicht vorlagen.

  Brookings-Expertin Wirtschafter wies jedoch darauf hin, dass die Daten einige Unstimmigkeiten aufwiesen. So werde oft nicht aufgeschlüsselt, welcher Dienst konkret genutzt wird. Zudem gebe es offenbar unterschiedliche Definitionen für KI. Dennoch handle es sich um das „umfassendste Verzeichnis von KI-Anwendungsfällen außerhalb des Militärs und der Nachrichtendienste, über das wir verfügen.“ Weder xAI noch das OMB waren für eine Stellungnahme zu erreichen.

Größter Börsengang aller Zeiten?
„Die mangelnde Begeisterung für Grok ist ein Warnsignal“, sagte Vineet Jain, Mitbegründer und Chef von Egnyte, einem Anbieter KI-gestützter Firmensoftware. Es deute darauf hin, dass bei Grok die für den Regierungseinsatz erforderlichen Sicherheitsmechanismen fehlten. Ohne ein staatliches Gütesiegel erscheine der angestrebte SpaceX-Börsenwert von 1,75 Billionen Dollar eher als eine Obergrenze denn als Basis für weitere Kursgewinne.

Dabei beschreibt die Weltraumfirma dieses Geschäftsfeld in ihrem Emissionsprospekt als Wachstumsfeld. xAI soll langfristig zum wichtigsten Umsatzbringer werden. Bisher ist dies der Satellitenbetreiber Starlink, der bis zu 80 Prozent zu den Konzernerlösen beisteuert und Milliardengewinne erwirtschaftet. xAI schreibt dagegen Verluste. Musk hatte seine KI-Firma Anfang des Jahres in einer 1,25 Billionen Dollar schweren Transaktion mit SpaceX verschmolzen. Bei dieser Transaktion wurde xAI mit 250 Milliarden Dollar bewertet.

SpaceX will bei dem für den 12. Juni anvisierten Börsengang 75 Milliarden Dollar erlösen. Dieses Emissionsvolumen würde den bisherigen Weltrekord um das Dreifache übertreffen.

Zögerliche Regierungsstellen, unzuverlässige Datenlage
Zwar erhielt xAI zu Jahresbeginn einen 200 Millionen Dollar schweren Auftrag des US-Verteidigungsministeriums, der in der OMB-Datenbank nicht enthalten ist. Grok wurde zudem neben anderen KI-Modellen für den Umgang mit geheimen Informationen freigegeben. Einem Insider zufolge kann Grok mit der Konkurrenz jedoch nicht mithalten. Bei der US-Rüstungsagentur Darpa werde die Software daher nicht einmal in Betracht gezogen. Die Beschäftigten dort nutzten hauptsächlich Claude von Anthropic, Gemini und ChatGPT. Das US-Verteidigungsministerium und Darpa reagierten nicht auf eine Anfrage.

In anderen US-Regierungsstellen werde Grok lediglich in Pilotprojekten getestet oder für wenig anspruchsvolle Aufgaben wie die Erstellung von E-Mails oder Beiträgen für sozialen Medien eingesetzt. Das Veteranenbüro entschied sich einem anderen Insider zufolge bei einer Ausschreibung gegen die Software, weil sie den Anforderungen nicht genügte. Die Behörde beantwortete die Frage nach Grok nicht direkt, sondern betonte, dass man sich nicht auf ein KI-Modell konzentrieren dürfe.

Auf dem gewinnträchtigen Markt für Firmensoftware ist Grok ebenfalls praktisch bedeutungslos. Dem Branchendienst Netskope zufolge setzten lediglich zwei von 1000 Nutzerinnen und Nutzer die xAI-Software ein. Dabei verbrächten sie weniger als halb so viel Zeit mit diesem Chatbot wie mit ChatGPT, ergänzte Netskope-Manager Ray Canzanese. Er bezweifle daher, dass Grok in der Wirtschaft große Verbreitung finden werde.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

krone.at
krone.at
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung