Die Liste wird länger

Dieser Medienmanager (57) will ORF-Chef werden

Innenpolitik
22.05.2026 07:34

Im Rennen um den Posten des neuen ORF-Generaldirektors ist die Kandidatenliste seit Freitagfrüh um einen prominenten Namen reicher. „Die Medienvielfalt in Österreich ist bedroht“, warnt Puls4-Gründer Markus Breitenecker in seinem offiziellen Bewerbungsvideo (siehe oben).

Markus Breitenecker, der 57-jährige Medienmanager und ehemalige Chef der Privatsendergruppe ProSiebenSat.1Puls4, gab in einem dreiminütigen Video seine Kandidatur bekannt.

Noch am Donnerstag hatte Breitenecker beim Mediengipfel in Seefeld  gemeint, dass er eine Bewerbung für die Generaldirektion des ORF „nicht mehr ausschließe“.

Breitenecker veröffentlichte seine Bewerbung auf seinem LinkedIn-Profil:

„Für einen souveränen und starken ORF“
In seiner Videobotschaft plädiert Breitenecker für einen „souveränen und starken ORF, der uns durch diese Zeit trägt“. Gleichzeitig erkennt er Handlungsbedarf: „Der ORF steckt in einer veritablen Krise. Nicht zuletzt die Ereignisse der vergangenen Wochen haben den Fokus auf das Wesentliche verstellt: die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags für das österreichische Publikum.“

Ihm zufolge stehe das Land vor enormen ökonomischen Herausforderungen, „die Medienvielfalt in Österreich ist bedroht – und mit ihr das Fundament unseres demokratischen Zusammenlebens.“

Zitat Icon

Kooperation statt Konkurrenz: Ich bin überzeugt davon, dass darin auch der Grundstein für ein neues, zukunftsgerichtetes Selbstverständnis des ORF liegt.

Markus Breitenecker in seiner Videobotschaft

Mehr als 30 Jahre TV-Erfahrung
Er wolle daher „meine gesamte Erfahrung einbringen und mein Wissen dem ORF zur Verfügung stellen: mehr als 30 Jahre TV-Erfahrung, die Führung eines großen Medienunternehmens mit Tausenden Mitarbeitenden sowie die Umsetzung der digitalen Streaming-Transformation“.

Markus Breitenecker
Markus Breitenecker(Bild: Christof Birbaumer)

Mehr als 30 Jahre Berufserfahrung
Zuletzt war der studierte Jurist Mitglied des Vorstands der ProSiebenSat.1 Media SE mit rund 7000 Mitarbeitenden. In seiner Rolle als COO verantwortete er die Bereiche Streaming und Digitalstrategie, Tech und AI, Vertrieb, Marketing und Medienpolitik sowie Österreich und die Schweiz.

2025 ging er dort allerdings nach der Übernahme des italienischen Medienkonzerns MFE der Familie Berlusconi, der das Topmanagement austauschte, wieder von Bord – in „bestem gegenseitigem Einvernehmen“, wie es hieß. Seine Stelle wurde auf Vorstandsebene nicht nachbesetzt.

Zur Person

  • Markus Breitenecker, geboren am 28. November 1968 in Wien, kann auf ein abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften verweisen. 
  • Schon in den 1990er-Jahren war er erstmals mit der Führung eines Fernsehsenders betraut: dem Wetterkanal von Rudi Klausnitzer. Dort hielt es ihn aber nicht lange, dockte er doch 1997 in der Geschäftsleitung von Kabel 1 an. Breitenecker arbeitete an einem Österreich-Werbefenster für ProSieben – und später auch an einem für Programm.
  • Mit der Gründung von ProSieben Austria 1998 startete der heute 57-Jährige dort als Geschäftsführer durch. Unter ihm gesellten sich die Österreichsender Puls 4 (früher: Puls TV), ATV, ATV2 und Puls 24 zur ProSiebenSat.1 Group hinzu, die seit vielen Jahren nun schon ProSiebenSat.1Puls4 heißt.
  • 2017 bewegte er sich ins Streaminggeschäft und gründete die Plattform Zappn, die mittlerweile in Joyn überführt wurde und von der Privatsendergruppe als Sammelbecken für mittlerweile 150 Live-Sender und 70 Mediatheken geführt wird – mit dabei auch der ORF und ServusTV.
  • 2024 beendete Breitenecker seine Tätigkeit als ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer und wechselte nach Deutschland zum Mutterkonzern ProSiebenSat.1Media SE, wo er sich im Konzernvorstand als Chief Operating Officer (COO) des Entertainmentbereichs annahm.
  • 2025 ging er dort allerdings nach der Übernahme des italienischen Medienkonzerns MFE der Familie Berlusconi, der das Topmanagement austauschte, wieder von Bord.
  • In seiner Karriere wurde er zweimal vom Branchenmagazin „Österreichs Journalist:in“ zum Medienmanager des Jahres gekürt: 2017 und 2013. Die Begründung bei der jüngeren der beiden Auszeichnungen: „Weil er Leidenschaft, Leadership, Visionen und Chuzpe so mischt, dass man ihm sogar zutraut, den Kampf gegen Google & Co. gewinnen zu können.“ Für seine Programmideen zur Start-up-Show „2 Minuten 2 Millionen“ und „Ninja Warrior Austria“ wurden ihm in den 2010er-Jahren zwei Romy-Auszeichnungen zuteil.

Auch Totzauer-Kandidatur fix
Lange war der 57-Jährige einer der eifrigsten Kämpfer für die Interessen des Privatsektors, jetzt will Breitenecker öffentlich-rechtliche Medienluft schnuppen – und zwar von der Spitze des ORF als Generaldirektor. Vor ihm hatte sich mit ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer erst eine aussichtsreiche Bewerberin offiziell ins Rennen um den Chefsessel des öffentlich-rechtlichen Medienhauses begeben. Die Ausschreibung für den Posten ab 2027 ist bereits Ende April veröffentlicht worden.

Bewerbungen bis 28. Mai möglich
Für weitere Interessenten ist aber noch bis 28. Mai Zeit, um Unterlagen einzureichen. In Seefeld haben sich am Donnerstag auch die aktuelle ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher und APA-CEO Clemens Pig ausführlich über die Lage des ORF geäußert, sich zu ihren eventuellen Bewerbungen aber noch nicht deklariert.

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