Die ganze Welt schaut dieser Tage in die Bundeshauptstadt. Wenn morgen in der Wiener Stadthalle der „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ über die Bühne geht, ist ein Millionenpublikum via TV und online live dabei. Dabei hätte die größte Musikshow der Welt mit etwas Fantasie auch in Graz stattfinden können.
Eines gleich vorweg: Ich persönlich zähle nicht zu diesen ESC-Groupies, die schon Tage und Wochen vorher im Song Contest-Fieber sind. Aus rein subjektiver Sicht wurde nämlich mit „Gente di Mare“ 1987 bereits der musikalische Zenit erreicht und auch sonst hat dieser Ländervergleich wenig Fesselndes. Doch das sehen eben bei Weitem nicht alle so – ganz im Gegenteil. Der ESC ist die größte Musikveranstaltung der Welt. Für die Live-Shows in Wien wurden rund 100.000 Tickets verkauft, nach ersten Hochrechnungen kommen 88.000 zusätzliche Touristen in die Stadt. Mehr als 180 Millionen sind jedes Jahr vor den TV-Geräten dabei. 2025 wurde der Werbewert der Veranstaltung in Basel mit stolzen 730 Millionen Euro berechnet.
In Graz hat man sich relativ früh selbst aus dem Veranstalter-Rennen genommen. Für die Stadtregierung standen die zu stemmenden Kosten in Höhe von rund 30 Millionen Euro nicht dafür. Egal, ob der ORF letztlich ernsthaft einen anderen Kandidaten als Wien in Betracht gezogen hätte, es ist schon schade, dass man bei so einer Veranstaltung nur die Risiken sieht und nicht die Chancen, die so ein Mega-Event mit sich bringt.
Veranstaltungstechnisch bleibt Graz mit dieser Denke tiefste Provinz. Das liegt zum einen an fehlenden Event-Locations, sowohl das Stadion als auch die Stadthalle sind für echte Top-Events schlichtweg ungeeignet und/oder zu klein dimensioniert – andererseits aber eben auch am fehlenden politischen Willen. Klar, Ex-Bürgermeister Siegfried Nagl hat mit seinen Visionen (Olympia, U-Bahn, Murgondel etc.) vielen Bewohner in Graz am Ende den letzten Nerv gezogen – doch so ganz ohne große Ideen wird die Murmetropole den provinziellen Charme nicht mehr ablegen.
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