Hantavirus-Ausbruch

Passagier wohl bei Vogelbeobachtung infiziert

Ausland
15.05.2026 23:03
Porträt von krone.at
Von krone.at

Bei dem Hantavirus-Ausbruch auf einer Atlantik-Kreuzfahrt war nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wohl keine gefährlichere Mutation des Virus im Spiel.

Genetische Analysen und Vergleiche mit früheren Stichproben hätten bisher keinen Hinweis auf eine leichtere Übertragbarkeit oder schwere Krankheitsfälle im vorliegenden Ausbruch ergeben, sagte WHO-Expertin Maria Van Kerkhove in Genf. Im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ gibt es laut den jüngsten Daten der WHO zehn Hantavirus-Fälle, von denen acht in Labors bestätigt wurden. Bei einer elften Person aus den Vereinigten Staaten habe sich ein ursprünglicher Infektionsverdacht nach mehreren Tests nicht bestätigt, schilderte Van Kerkhove.

Drei Infizierte sind gestorben, darunter eine Frau aus Deutschland. Alle drei sind mittlerweile laborbestätigt. Auf dem Schiff kursierte das südamerikanische Andesvirus. Es wird wie alle Hantavirus-Typen in der Regel von Nagetieren übertragen, etwa über Kotpartikel in aufgewirbeltem Staub. Beim Andesvirus sind vereinzelt auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen möglich, doch normalerweise braucht es dazu andauernden, engen Kontakt.

Die Erklärgrafik stellt die Übertragung des Hantavirus dar. Das Virus wird meist durch Kontakt mit Ausscheidungen von infizierten Nagetieren auf den Menschen übertragen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist selten. Symptome sind zunächst grippeähnlich, anschließend oft schwere Atemwegserkrankung. Die Sterblichkeit liegt zwischen 25 und 40 Prozent der Fälle. Quelle: APA/Ages.

Weitere Infektionen anscheinend von Mensch zu Mensch entstanden
Es seien aber noch Fragen zu möglichen Infektionen mit weniger intensivem Kontakt offen, räumte Van Kerkhove ein. Es sei nämlich auch ein vergangener Ausbruch im Zusammenhang mit einer Geburtstagsfeier bekannt, sagte sie. Die WHO geht davon aus, dass sich ein Passagier aus den Niederlanden in Südamerika an Land infiziert hatte, bevor er in Argentinien an Bord ging. Erste Erkenntnisse zu seinen Aktivitäten weisen laut der WHO darauf hin, dass er vor der Kreuzfahrt möglicherweise bei Vogelbeobachtungen im Süden Südamerikas mit Nagetieren in Kontakt gekommen war. Gen-Analysen haben den Angaben zufolge ergeben, dass die weiteren Infektionen wohl von Mensch zu Mensch passierten. Der Niederländer und seine Frau sind verstorben.

Die „Hondius“ mit insgesamt etwa 150 Menschen an Bord hatte zuletzt vor Teneriffa geankert. Die Passagiere wurden evakuiert und in ihre Heimatländer transportiert, wo sie unter Quarantäne gestellt wurden. Wegen der mehrwöchigen Inkubationszeit des Virus könnten unter den ehemaligen Passagieren noch weitere Fälle bekannt werden, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Dies sei aber kein Zeichen für einen wachsenden Ausbruch, sondern für funktionierende Überwachungsmaßnahmen.

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