
Der Tierschutzunterricht eines externen Vereins an einer niederösterreichischen Volksschule sorgte vergangene Woche für Aufsehen, wir haben berichtet. Die „Krone“-Tierecke sprach mit den Verantwortlichen über „blutige“ Bilder und politische Kampfansagen der Schweineindustrie.
„Mama, ich mag kein Schnitzerl mehr!“ – So ähnlich dürfte sich die kindliche Hiobsbotschaft am Esstisch angehört haben. Ob eine Abneigung gegen Kohlsprossen oder Brokkoli ähnlich hohe Wellen geschlagen hätte, kann nur vermutet werden. Aber anstatt mit seinen Kindern über verantwortungsvollen Fleischkonsum und – selbstverständlich altersgerecht – über landwirtschaftliche Nutztierhaltung zu sprechen, riefen besorgte Eltern den Bürgermeister zu Hilfe.
Denn nach dem Vortrag über Tierschutz des „Vereins gegen Tierfabriken“ (VGT) am Welttierschutztag im letzten Oktober an der Volksschule Guntersdorf ist – rund ein halbes Jahr später – nun plötzlich von unzumutbaren Inhalten, blutigen Bildern und grüner Gehirnwäsche die Rede. Die Kinder seien quasi zum Veganismus ermahnt worden, ansonsten wären sie für grausames Tierleid verantwortlich.
Nicht mit Fragen belastbar
Doch könnte ein Verein einfach in Volksschulklassen marschieren und derartige Inhalte ungeprüft verbreiten? Offenbar ja – denn dem Vernehmen nach habe die Direktorin der Schule den Verein weder gekannt noch sich mit der Thematik im Vorfeld auseinandergesetzt.
Auf eine diesbezügliche Anfrage per Mail der „Krone“ wurde bis Redaktionsschluss nicht geantwortet, auch ein Telefonat wurde von der Direktorin abrupt beendet – nach wenigen Sätzen legte sie einfach auf. Aus der Bildungsdirektion Niederösterreich lässt man immerhin wissen, dass es künftig einen sorgsameren und prüfenden Umgang mit außerschulischen Angeboten geben wird. Man gehe davon aus, dass sich die Schulleitungen ihrer Verantwortung bewusst sind.
Aber hat der VGT tatsächlich kleine Kinder verschreckt und ihnen mit der erhobenen Moralkeule die Jause vom Teller geschlagen? Nein, wird unisono im Interview mit der „Krone“ beteuert. Für Nina Hammer sind die Vorwürfe unerklärlich. Sie ist seit acht Jahren eine der Tierschutz-Lehrerinnen des VGT und hielt den umstrittenen Vortrag im letzten Jahr an der VS Guntersdorf.
„Geben vor den Kindern keine Empfehlungen, was sie essen sollen“
Im Gespräch mit der „Krone“ zeigt sie sich betroffen. „Ich wurde letztes Jahr dort eingeladen, über Haustiere und Tierschutz im Allgemeinen zu sprechen. Die Inhalte kann jeder auf unserer Seite herunterladen und anschauen. Es gibt dort weder grausame oder blutige Bilder, noch geben wir vor den Kindern Empfehlungen, was sie essen sollen.“ Es sei auch die Klassenlehrerin anwesend gewesen und habe keinerlei Beanstandung über das Gesagte gehabt.
VGT-Obmann Martin Balluch nimmt ebenfalls an dem Gespräch teil und erinnert sich: „Unseren Tierschutz-Unterricht in Schulklassen gibt es bereits seit 1995. Das Feedback war immer sehr positiv und wird von vielen geschätzt, um neue Generationen für das Thema Tierschutz zu sensibilisieren. Das Material entwickelt sich weiter und wird auch von Pädagogen erarbeitet und überprüft.“
Kampfansage der Schweinebauern
Doch woher kommt nun der Vorwurf von „blutigen Tierhaltungs-Vorträgen von radikalen Tierschützern“, wie es etwa FPÖ-Landwirtschaftssprecher Peter Schmiedlechner nennt? „In meinen Augen ist das einfach eine politische Kampfansage der Schweineindustrie. Das hat irgendwem nicht gepasst, dass wir Kindern sagen, dass man Schweinen auch weiches Stroh statt harten Vollspaltenboden geben könnte“, vermutet Balluch. Das dürfte auch erklären, warum die Sache erst ein halbes Jahr später publik wurde und nun ein großer Skandal konstruiert wurde.
Eines ist klar: Gerade in der Nutztierhaltung gibt es im Hinblick auf Tierwohl noch Luft nach oben. Für den Landwirt bedeutet das mehr Arbeit und teils kostspielige Investitionen. Nur der Konsument hat es in der Hand, nach Produkten zu greifen, die nach höheren und tierwohlgerechteren Standards produziert werden. Die Realität in der industriellen Massentierhaltung ist nicht das, was wir uns gerne vor Augen führen.
Herkunft und Haltung
Doch wir sollten von klein auf lernen, das Lebensmittel „Fleisch“ mehr zu schätzen, und wir sollten Bescheid wissen, ob das Tier ein gutes Leben hatte und auch wo es herkommt. Tierschutz darf kein Tabuthema sein – auch nicht im Klassenzimmer. Aufklärung darf weder ideologische Panikmache sein, noch politische Empörung auf Zuruf. Wenn Kinder beginnen, Fragen über Tierhaltung, Fleischkonsum und Verantwortung zu stellen, dann ist es genau das, was Bildung eigentlich bewirken sollte.
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