Schlingensief im MAK

Ein radikaler Provokateur und Menschenfreund

Kultur
12.05.2026 17:00

Die Wiener Festwochen und das MAK widmen dem Filmemacher und Aktionisten Christoph Schlingensief eine Schau. Unter dem Titel „Es ist nicht mehr mein Problem!“ macht die Ausstellung bis Mitte September zentrale Werke des 2010 verstorbenen Ausnahmekünstlers erfahrbar.

Der deutsche Filmemacher, Regisseur und Aktionist Christoph Schlingensief (1960-2010) war dafür bekannt, Realität durch seine provokanten Aktionen nicht nur darzustellen, sondern sie durch Überspitzung gleichzeitig infrage zu stellen. Immer ging es ihm dabei darum, gesellschaftliche Widersprüche offenzulegen und sich für mehr Menschlichkeit einzusetzen.

Seine Methoden waren durchaus radikal: „Ich will kein Publikum beruhigen, ich will es überfordern“, war sein selbst erklärtes Ziel. Die Wiener Festwochen und das Museum für Angewandte Kunst (MAK) widmen dem Ausnahmekünstler jetzt eine Ausstellung. Mit dem späten Schlingensief-Zitat „Es ist nicht mehr mein Problem!“ als Motto haben seine Nachlassverwalterin Aino Laberenz und Kurator Raphael Gygax acht Arbeiten des Künstlers von 1998 bis 2007 erfahrbar gemacht.

Das Wiener Container-Projekt aus 2000 lässt sich im MAK über Filme, Plakate und Berichte ...
Das Wiener Container-Projekt aus 2000 lässt sich im MAK über Filme, Plakate und Berichte nacherleben.(Bild: kunst-dokumentation.com / Manuel)
Die „Church of Fear“ aus dem Jahr 2003 ist auch im MAK aufgebaut.
Die „Church of Fear“ aus dem Jahr 2003 ist auch im MAK aufgebaut.(Bild: David Baltzer/ZENIT)
„Hamlet – This Is Your Family/Nazi Line“ sorgte 2001 in Zürich für heftige Debatten.
„Hamlet – This Is Your Family/Nazi Line“ sorgte 2001 in Zürich für heftige Debatten.(Bild: kunst-dokumentation.com / Manuel)

Die „Church of Fear“, mit der Schlingensief 2003 auf der Biennale in Venedig die politische Instrumentalisierung von Angst thematisierte, steht gleich am Beginn. Neben Video-Installationen wie „The African Twin Towers“ (2005) und „Der Fliegende Holländer“ aus 2007 ist auch „Freakstars 3000“ (2002) nachgezeichnet, eine Casting-Show-Parodie mit kognitiv beeinträchtigten Menschen. Auch sein heftig debattiertes Züricher Hamlet-Projekt ist zu sehen, bei dem Schlingensief 2001 mit aussteigewilligen Neonazis arbeitete.

Den letzten Raum füllt jene Aktion, die in Wien 2000 für Aufsehen sorgte: Vor der Staatsoper ließ Schlingensief im Rahmen der Festwochen Container aufbauen, in denen „Asylwerber“ unter ständiger Beobachtung lebten. Täglich konnte das Publikum zwei von ihnen „abschieben“ – eine Reaktion auf die erste schwarz-blaue Koalition und neue TV-Formate wie „Big Brother“.

Wer eine umfassende Personale erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein. Wer (wieder) in das Werk eines außergewöhnlichen Künstlers eintauchen will, ist genau richtig.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung