Die Wiener Festwochen und das MAK widmen dem Filmemacher und Aktionisten Christoph Schlingensief eine Schau. Unter dem Titel „Es ist nicht mehr mein Problem!“ macht die Ausstellung bis Mitte September zentrale Werke des 2010 verstorbenen Ausnahmekünstlers erfahrbar.
Der deutsche Filmemacher, Regisseur und Aktionist Christoph Schlingensief (1960-2010) war dafür bekannt, Realität durch seine provokanten Aktionen nicht nur darzustellen, sondern sie durch Überspitzung gleichzeitig infrage zu stellen. Immer ging es ihm dabei darum, gesellschaftliche Widersprüche offenzulegen und sich für mehr Menschlichkeit einzusetzen.
Seine Methoden waren durchaus radikal: „Ich will kein Publikum beruhigen, ich will es überfordern“, war sein selbst erklärtes Ziel. Die Wiener Festwochen und das Museum für Angewandte Kunst (MAK) widmen dem Ausnahmekünstler jetzt eine Ausstellung. Mit dem späten Schlingensief-Zitat „Es ist nicht mehr mein Problem!“ als Motto haben seine Nachlassverwalterin Aino Laberenz und Kurator Raphael Gygax acht Arbeiten des Künstlers von 1998 bis 2007 erfahrbar gemacht.
Die „Church of Fear“, mit der Schlingensief 2003 auf der Biennale in Venedig die politische Instrumentalisierung von Angst thematisierte, steht gleich am Beginn. Neben Video-Installationen wie „The African Twin Towers“ (2005) und „Der Fliegende Holländer“ aus 2007 ist auch „Freakstars 3000“ (2002) nachgezeichnet, eine Casting-Show-Parodie mit kognitiv beeinträchtigten Menschen. Auch sein heftig debattiertes Züricher Hamlet-Projekt ist zu sehen, bei dem Schlingensief 2001 mit aussteigewilligen Neonazis arbeitete.
Den letzten Raum füllt jene Aktion, die in Wien 2000 für Aufsehen sorgte: Vor der Staatsoper ließ Schlingensief im Rahmen der Festwochen Container aufbauen, in denen „Asylwerber“ unter ständiger Beobachtung lebten. Täglich konnte das Publikum zwei von ihnen „abschieben“ – eine Reaktion auf die erste schwarz-blaue Koalition und neue TV-Formate wie „Big Brother“.
Wer eine umfassende Personale erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein. Wer (wieder) in das Werk eines außergewöhnlichen Künstlers eintauchen will, ist genau richtig.
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