Bewegende Geschichte
„Eingeschlafen“: Holocaust-Überlebender (101) tot
Der deutsche Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg ist im Alter von 101 Jahren gestorben. Er war Häftling in Auschwitz, entkam dem Holocaust, ging nach New York und kehrte vor 14 Jahren in seine alte Heimat zurück. Als Zeitzeuge wurde der Ostfriese im Laufe seines Lebens vielfach geehrt.
Der 101-Jährige ist am Dienstagmorgen „ganz ruhig und friedlich“ in seiner Wohnung im ostfriesischen Leer (Bundesland Niedersachsen) „eingeschlafen“, wie seine Mitbewohnerin Gerda Dänekas dem Evangelischen Pressedienst (epd) bestätigte.
Bundesverdienstkreuz aus Protest zurückgegeben
Weinberg ist als Zeitzeuge vielfach geehrt worden. Unter anderem erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Nachdem die CDU mit Stimmen der AfD einen Bundestagsantrag zur Migrationspolitik durchgebracht hatte, gab er aus Protest sein Bundesverdienstkreuz zurück. Weinberg hatte sich besorgt vor einem erstarkenden Rechtsextremismus in Deutschland gezeigt.
Weinberg überlebte drei Konzentrationslager
Albrecht Weinberg wurde als Sohn einer jüdischen Familie am 7. März 1925 im ostfriesischen Rhauderfehn geboren. Er überlebte die drei Konzentrationslager Auschwitz, Mittelbau-Dora im Harz und Bergen-Belsen bei Celle sowie mehrere Todesmärsche. „Das ist seit 80 Jahren in meinem Kopf. Ich brauche mich nur zu waschen, dann sehe ich meine Häftlingsnummer“, sagte er kurz vor seinem 100. Geburtstag.
Ich brauche mich nur zu waschen, dann sehe ich meine Häftlingsnummer.
Albrecht Weinberg kurz vor seinem 100. Geburtstag im Vorjahr
Seine jüdische Familie wurde von den Nazis fast vollständig ermordet. Im April 1945 wurde Weinberg aus dem KZ Bergen-Belsen befreit. Er sei ein Knochengerippe gewesen, wie er mehrfach vor Schulklassen oder bei Lesungen berichtete. „Mit Haut überzogen, zwischen den Gerippen von Bergen von Leichen.“
2012 kehrte er zusammen mit seiner Schwester aus den USA zurück in seine ostfriesische Heimat. Seitdem ging er auch in Schulen und berichtete von dem größten Menschheitsverbrechen. Der Holocaust-Überlebende trat bis zu seinem Tod unermüdlich gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus ein.
Judenhass im Kindesalter erlebt
Er war einer von noch sehr wenigen, die noch von den Anfängen des Judenhasses in Deutschland berichten konnten. „Ich war elf, da haben sie mich von der Schule geworfen“, erinnerte sich Albrecht. Anderen Kindern wurde verboten, mit ihm zu spielen.
„Seit seiner Rückkehr aus New York in seine ostfriesische Heimat vor 14 Jahren hat Albrecht unermüdlich und mit einer unvorstellbaren Energie von seinen schrecklichen Erlebnissen während des Nationalsozialismus berichtet und immer wieder vor dem Vergessen gewarnt“, sagte Leers Bürgermeister Claus-Peter Horst.
Zum 100. Geburtstag im vergangenen Jahr hatte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratuliert und dem gebürtigen Rhauderfehner in einer Grußbotschaft gedankt. „Ihre Geschichte ist eine Mahnung für uns nachfolgende Generationen. Ihr unermüdliches Engagement darin, Schülerinnen und Schüler über die Vergangenheit aufzuklären, hat mich bereits zu Beginn meiner Amtszeit beeindruckt“, schrieb Steinmeier.











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