Für Manuel Jakob Goditsch aka Palmanu ist die Musik mehr als bloß eine Anhäufung und Anordnung unterschiedlicher Klänge. Der Salzburger vereint auf seiner EP „Breathe“ die Existenzgrundpfeiler Natur, Liebe und Tod und hüllt sie in einen folkloristisch-elektronischen Mantel. Im „Krone“-Talk erzählt er mehr darüber.
Naturbelassen, nachdenklich und feingliedrig – so könnte man die Lieder von Manuel Jakob Goditsch beschreiben. Der ausgebildete Musiktherapeut aus Salzburg verbindet sein Wissen mit Kreativität und bastelte daraus die EP „Breathe“, die seit wenigen Tagen kauf- und streambar ist. Zum Kauf wird übrigens dringend geraten, denn das Package kommt mit Downloadcode, einem eigens gepressten Blatt und einer kalligraphierten Aufschrift am Cover. Jedes Exemplar ist ein Unikat. Mit offenen Augen und einer kräftigen Portion Achtsamkeit geht Palmanu in und auch außerhalb seiner Musik durchs Leben. „Der Einfluss und die Prägung der Tätigkeit als Musiktherapeut wirkt sich möglicherweise auch auf das Komponieren aus“, erzählt er der „Krone“ im Gespräch, „aber das passiert eher unbewusst als geplant.“ Durch die intensive und vielfältige Auseinandersetzung mit dem Thema Musik sieht Goditsch Dinge aus einer breiteren Perspektive als es vielleicht andere tun.
Faszination für das Phänomen Mensch
Der Wahl-Wiener ist auch als Psychotherapeut tätig. Ein Feld, dass eine intensive Auseinandersetzung mit Menschen voraussetzt und tief in die Gefühlsebene geht. Ein Vergleich mit seiner Musik ist dabei sicher zulässig, schließlich kreisen die Songs grob um die drei Kernthemen Natur, Liebe und Tod. „Ich wollte die Themen, die mich beschäftigen, in die Musik bringen. Sie sind die Lebensgrundlage unserer Existenz und dann auch das Ende. Mich fasziniert das Phänomen Mensch, ich will wissen wie die Leute funktionieren. Da muss man zuerst einmal bei sich selbst anfangen und dadurch versteht man eventuell auch andere besser. Ich habe eine große Neugierde fürs Leben und die Lebendigkeit. Sie ist die Grundlage für meine Freude, die ich seit jeher an der Arbeit und der Musik verspüre.“
Dass die Songs persönlich und aus dem eigenen Leben gegriffen sind, ist dabei essenziell. „Ich habe es mal mit einer Art von Mainstreammusik in Mundart versucht, das klappte gar nicht und war völlig unauthentisch.“ Als Palmanu geht er anders ans Werk. Gemütlicher Folk kann als Grundbasis herangezogen werden, dazu gibt es elektronische Elemente, Indie-Sounds und eine Ladung voller Spiritualität. „Breathe“ ist gleichermaßen introspektiv wie an alle gerichtet. Das funktioniert so, weil Goditsch die Musik nicht zerdenkt, sondern sich von ihr leiten und sie fließen lässt. „Ich verbringe viel Zeit in der Natur, da habe ich meist eine kleine Gitarre dabei und dort schreibe ich fast alle Lieder. Goditsch veröffentlicht hier und da auch Gedichtbände, Texte haben für ihn dieselbe Wichtigkeit wie die Musik. „Aber meine Gedichte sind auf Deutsch geschrieben, Songtexte auf Englisch“, wirft er ein, „vom Klang her finde ich Englisch schöner. Es passt auch viel besser zu meiner Musik.“
Mit der Natur verbunden
Die Musik sieht Palmanu als Handwerk. So neugierig er ist, so gerne lernt er auch Neues – Stichwort Kalligraphie, wie schon eingangs erwähnt. „Ich bin alle Jahre für eine Woche in einem buddhistischen Zenkloster in Frankreich, um zu schweigen. Dort habe ich mich mit der Kalligraphie vertraut gemacht.“ Neben den drei EP-Grundpfeilern Natur, Liebe und Tod faszinieren Goditsch auch die Themenkomplexe Stille und Zeit. „In den letzten Jahren ist die Spiritualität ein größeres Thema für mich geworden. Meine Mama ist Religionslehrerin und ich wollte von dem ganzen Zeug nie was wissen, aber in den letzten Jahren habe ich eine gewisse Faszination dafür entwickelt. Wir sind als Menschen untrennbar mit der Natur verbunden. Wir leben im Hier und Jetzt, tendieren aber dazu, uns in der Vergangenheit und der Zukunft zu verlieren.“ Bei Palmanu geht es auch viel um die Zwischenräume und Zwischentöne – wie etwa der Song „In Between“ andeutet.
„Oder ,Good Enough‘. Das Lied dreht sich um Selbstzweifel, die viele Menschen haben. Warum haben wir sie und wir gehen wir damit um?“ In den melancholischen Liedern steckt oft auch eine Schwere. Das leichtfüßig betitelte „Luna“ ist ein Lied über eine Fehlgeburt, also den Tod. „Die Unausweichlichkeit der Vergänglichkeit, sie ist ein immer wiederkehrendes Thema.“ Goditsch packt gerne Lebenspartnerin und Schlafsack ein, um weite Wanderwege zu gehen, auf Berghängen zu campen und die Freiheit und Wildheit der bloßen Natur zu spüren. „Da waren wir mal 1000 Meter von einem Tal entfernt und hatten kein Wasser mehr. Ich hätte natürlich runtergehen können, aber andere Wanderer gingen an uns vorbei und haben ihr Wasser mit uns geteilt.“ Derartige Erlebnisse bezeichnet Palmanu nicht zu Unrecht als „die pure Lebendigkeit. Musik und Lieder bündeln alle Dinge, die mich beschäftigen. Es ist ein Medium, in dem man die Menschen berühren und sie zu sich einladen kann. Das ist genau das, was ich mit der Musik erzeugen möchte.“
Festhalten und loslassen
Um die Verbundenheit mit der realen Welt zu verstärken, hat Palmanu Samples aufgenommen und verwendet. So hört man etwa das Plätschern des Salzburger Lieblingsgebirgsbachs, oder wie Regentropfen auf das Dachzimmer fallen. „Innerhalb von nur sechs Wochen sind meine zwei Omas gestorben. Jetzt habe ich kurze Sound-Snippets von ihren Stimmen reingemischt und ich höre sie im Lied. Für mich holt sie das ein bisschen zu mir zurück.“ Alles in allem stünde „Breathe“ für das Loslassen. „Das ist oft gut, aber man muss es lernen. Gleichzeitig ist ein aufgenommenes Lied aber auch ein Festhalten, wie eine Zeitkapsel. Loslassen und Festhalten zugleich – ein bisschen die Dualität des Lebens.“ Und warum eigentlich Palmanu? „Mein Lieblingsbaum ist der japanische Fächerahorn, also Acer Palm ist auch die Hand und Manus in einer anderen Sprache auch. Ich heiße Manuel – es ergibt bei mir einfach Sinn.“ Das zutiefst menschliche und auch verletzte Kurzwerk wird er sich auch bald wieder live spielen.
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